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Kino-Besprechung - Sin Nombre

Story:
Willy, genannt El Casper (Edgar Flores), ist Mitglied einer extrem gewalttätigen mexikanischen Straßengang. Als sein Boss Lil’ Mago (Tenoch Huerta Mejía) merkt, dass er seine Aufgaben vernachlässigt hat, um sich mit seiner Freundin zu treffen, wird diese getötet. Derweil ist die junge Honduranerin Sayra (Paulina Gaitan) mit ihrem Vater und Onkel unterwegs durch Mexiko. Sie wollen illegal in die USA einreisen. Ausgerechnet der Zug, auf dem sie reisen, wird von Willy und Lil’ Mago überfallen. Als Lil’ Mago Sayra vergewaltigen will, begehrt Willy auf und tötet ihn. Er begleitet sie von nun an, doch die Gang ist ihnen dicht auf den Fersen.

Meinung zum Film:
„Sin Nombre“ ist der erste Spielfilm von Cary Joji Fukunaga, der für Regie und Drehbuch zuständig war. Nicht zuletzt seiner genauen Vorbereitung, für die er insgesamt fast zwei Jahre brauchte und unter anderem wochenlang Mexiko bereiste und Gangmitglieder interviewte, verdankt der Film seine Authentizität, die mit ein Grund für die diversen Preise ist, die er schon einheimste. Dazu gehört z.B. der Regiepreis beim Sundance Film Festival, wo zudem auch die Kameraarbeit von Adriano Goldman („Shakespeare im Fußballfieber“) ausgezeichnet wurde.

Einen großen Anteil haben außerdem die hierzulande noch unbekannten, aber dennoch hervorragenden Schauspieler. Allen voran überzeugt Paulina Gaitan („Trade – Willkommen in Amerika“) als Sayra. Sie schafft es, deren Verletzlichkeit, aber genauso die innere Stärke durchscheinen zu lassen. Bemerkenswert ist aber auch der männliche Hauptdarsteller Edgar Flores, für den dies die erste größere Filmrolle überhaupt ist. Mit die größte Schauspielerfahrung – allerdings hauptsächlich bei Fernsehserien – hatte mit dem zur Zeit der Dreharbeiten gerade 13jährigen Kristyan Ferrer („Species IV – Das Erwachen“) ausgerechnet das jüngste Mitglied im Maincast. Er spielt El Smiley, der erst der Protégé von Willy ist und dann sein eifrigster Jäger. Auch die anderen Gangmitglieder sind gut besetzt und wirken authentisch.

Diese Authentizität war Fukunaga sehr wichtig, weshalb er nicht nur Mitglieder echter Straßengangs in mexikanischen Gefängnissen interviewte, sondern sich auch bei den Dialogen von zwei ehemaligen Bandenmitgliedern beraten ließ, um den Slang möglichst wirklichkeitsgetreu zu halten. Zusammen mit der Darstellung der Rituale und Gewaltexzesse gibt der Film dadurch einen schonungslosen Einblick in die Welt der Mara Salvatrucha 13 (kurz MS-13), der Straßengang, der Willy im Film angehört. Die MS-13 ist mit geschätzten 100.000 Mitglieder die größte Verbrecherorganisation der Welt und über ganz Zentralamerika verbreitet. Inzwischen ist sie auch schon in den USA und sogar einigen europäischen Ländern vertreten. Sie zeichnet sich durch extreme Gewaltbereitschaft aus. Will ein Mitglied sie verlassen, wird es quasi zum Tode verurteilt.

Fazit:
„Sin Nombre“ ist ein Roadmovie, das ungeschminkt das zentralamerikanische Bandenwesen zeigt. Die hierzulande meist unbekannten Schauspieler sorgen mit ihrem frischen Spiel für ein Höchstmaß an Authentizität, auch wenn die Romanze zwischen den beiden Hauptfiguren sich in vorhersehbaren Bahnen bewegt. Der Film ist ein Beweis dafür, dass das mexikanische Kino im Kommen ist.

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Sin Nombre
Sin Nombre

Bild unseres Mitarbeiters Martin Asbach
Ein Roadmovie quer durch die Schattenwelt Mexikos


Autor der Besprechung:
Martin Asbach

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Mexiko/USA, 2009
Regie:
Cary Joji Fukunaga
Drehbuch:
Cary Joji Fukunaga
Darsteller:
Paulina Gaitan, Edgar Flores, Kristyan Ferrer, Tenoch Huerta Mejía, Diana García, Luis Fernando Pena, Gerardo Taracena, Guillermo Villegas

Verleiher:
Prokino
Kinostart Deutschland :
29.04.2010