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DVD-Besprechung - Sandokan 2 - Die Rückkehr des Sandokan
Story:
Die britische Journalistin Dora Parker (Mandala Tayde) reist nach Indien, um dort über den berüchtigten Freibeuter Sandokan (Kabir Bedi) zu schreiben. Vor Ort gerät sie jedoch direkt in eine Intrige von Raska (Mathieu Carrière), dem Herrscher von Limpur, der seine Cousine Surama (Romina Power), die von Sandokan unterstützt wird, vom Thron Assams stürzen möchte. Aber auch der Engländer James Guilford (Tobias Hoesl) wäre gerne englischer Gouverneur und paktiert zu diesem Zweck mit Raska. So gerät Dora schnell zwischen alle Fronten und verliebt sich zu allem Überfluss auch noch in Sandokan, der doch die englischen Besatzer aus tiefster Seele hasst und aufgrund eines Verrats von ihnen als Mörder gejagt wird...
Meinung zum Film:
Die Figur des Freibeuters "Sandokan" geht auf den italienischen Schriftsteller Emilio Salgari zurück, der auf historische Abenteuerromane spezialisiert war und seinem Helden elf Romane widmete. Es gab zahlreiche Verfilmungen dieser Stoffe, vor allem in den 60er-Jahren. Die vorliegende Verfilmung hat jedoch in Sergio Sollimas internationaler Fernsehproduktion "Der Tiger von Malaysia" aus dem Jahr 1976 ihren Stammvater. Hier durfte jedoch Enzo G. Castellari ("Inglorious Bastards") Regie führen. In beiden Mehrteilern agierte der indische Darsteller Kabir Bedi ("Der schwarze Korsar") in der Hauptrolle des Sandokan, die auch 1976 seinen internationalen Durchbruch darstellte. Die vorliegende Produktion basiert jedoch nicht auf einem konkreten Roman Salgaris sondern bedient sich lediglich seiner Charaktere. Trotz des Spielortes Indien stand der Proporzgedanke im Vordergrund und es galt selbst die wichtigsten, einheimischen Charaktere mit Italienern oder Deutschen zu besetzen. So finden sich im Rahmen dieser Produktion dann namhafte Darsteller wie Mathieu Carrière ("Die Flambierte Frau"), Friedrich von Thun ("Tod eines Keilers") auf deutscher Seite, oder italienische Altstars wie Fabio Testi ("Die Rache der Camorra") und Franco Nero ("Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?"). Die Produktion besteht aus vier Teilen, mit einer Lauflänge von jeweils um die 90 Minuten, und einer Gesamtlaufzeit von über sechs Stunden. Die drei DVDs umfassende Veröffentlichung wird in einem Digipak nebst Schuber ausgeliefert, den auf der Vorderseite ein fester FSK-Flatschen "ziert".
"Die Rückkehr des Sandokan" ist im Grunde nichts anderes als eine verhältnismäßig hoch budgetierte Seifenoper vor exotischer Kulisse. Neben klassischen Abenteuerelementen überwiegen hier dementsprechend romantische Irrungen und Wirrungen. Passend dazu servieren die beiden bekannten, italienischen Komponistenbrüder Guido und Maurizio De Angelis einen extrem schwülstigen Soundtrack, der zudem durch ständige Wiederholungen negativ von sich reden macht. Das Drehbuch selbst ist inhaltlich sehr dünn und extrem vorhersehbar ausgefallen, im Grunde bietet es kaum andere Strukturen als ein beliebiger Groschenroman. Abgesehen von den soapüblichen Intrigen, unglaublich eindimensionalen Charakteren nebst extremer Schwarz-Weiß-Malerei und Overacting sowie den zahlreichen Spielarten der Liebe fällt dem Zuschauer inhaltlich vor allem eine extreme Monotonie ins Auge. Eigentlich ist Sandokan gefühlt zu 90% der Spielzeit damit beschäftigt, wichtige, ihm nahestehende Charaktere aus der Gewalt seiner schändlichen Rivalen zu befreien. Dabei wird er häufiger selbst gefangen und muss sich befreien oder es gelingt ihm mit der Zielperson zu fliehen, aber einer seiner Helfer wird dabei im Gegenzug erwischt und der Befreiungsversuch beginnt in leicht veränderter Konstellation von vorne.
Der Versuch, diese einfältige Auseinandersetzung mit seinen beiden Hauptwidersachern James Guilford und Raska durch Actionsequenzen aufzulockern, scheitert leider auf ganzer Linie. Zwar macht Kabir Bedi auch mit seinen mittlerweile 50 Jahren noch einen durchtrainierten Eindruck, die Choreographie der lahm inszenierten Faust- und Schwertkämpfe ist jedoch unter aller Kanone. Abgesehen von fehlenden Kampfesspuren wie Blut und Wunden sorgen besonders die vermeintlichen Treffer eher für schallendes Gelächter, da diese teilweise meterweit am Gegner vorbeigehen. Auch die Leistungen der Darsteller schwanken zwischen amüsant und indiskutabel. So offeriert Mathieu Carrière mit sichtlichem Spaß ein Meisterstück des Overactings und Kabir Bedi gibt glaubwürdig den charismatischen, edlen Helden. Dagegen empfehlen sich Mandala Tayde und Tobias Hoesl hier schon mit peinlichen Auftritten für spätere Engagements in "Klinik unter Palmen". Auch Romina Power wäre besser bei ihrer Gesangskunst geblieben und ausgerechnet der Österreicher Friedrich von Thun als englischer Lord ist wahrlich eine grandiose Fehlbesetzung.
Digitale Aufarbeitung:
Die Mini-Serie kann ihren TV-Charakter nicht verhehlen und wurde im Vollbildformat 1,33:1 abgedreht. Die Bildschärfe bewegte sich für eine rund 14 Jahre alte TV-Reihe auf einem durchaus guten Niveau, die Farbgebung wirkt zwar natürlich, aber im Verbund mit dem etwas zu hellen Bild auch leicht ausgewaschen. Das Bild wird von einem starken Rauschen begleitet und Dropouts sowie Verschmutzungen sind regelmäßige Begleiter. Der Film liegt wahlweise mit deutscher Tonspur oder mit der italienischen Originaltonspur nebst deutschen Zwangsuntertiteln vor. Deren Auswahl bzw. Wechsel ist nur über das entsprechende Menü aber nicht während des Films möglich. Beide Tonspuren verfügen über eine gute Verständlichkeit und sind ausgewogen abgemischt, besondere Effekte sollten hingegen nicht erwartet werden.
Auf der zweiten DVD befindet sich ein Tele 5-Interview mit Mathieu Carrière aus dem Juli des Jahres 2009 (22:53). Die Interviewerin Christina Schulte ist jedoch mit ihrem Gesprächspartner hoffnungslos überfordert und es gelingt ihr nicht, bei den teils etwas unkonventionellen Antworten Carrières, halbwegs sinnvoll nachzuhaken. Um die vorliegende Produktion geht es lediglich am Rande. Erschwerend hinzu tritt noch der hyperaktive, zappelige Kameramann. Unter dem Strich redet man hier zwar über Gott und die Welt, aber auch weitgehend aneinander vorbei. Die kurzen Outtakes (2:03) auf der gleichen DVD sind nicht weiter erwähnenswert, weisen aber eine miserable Bildqualität auf. Auf der dritten DVD befindet sich quasi als "Appetizer" noch die erste Episode eines weiteren italienischen Mehrteilers, "Das Gesetz der Wüste", aus dem Jahr 1991, der am 7. Mai 2010 ebenfalls von Koch Media auf DVD veröffentlicht wurde.
Fazit:
"Die Rückkehr des Sandokan" ist eine inhaltlich extrem seichte, auf exotisch getrimmte und endlos in die Länge gezogene Seifenoper, deren Exotik allerdings schon dadurch zerstört wird, dass geschminkte Europäer hier Einheimische verkörpern sollen. Darstellerisch ragen Kabir Bedi und Mathieu Carrière heraus, die meisten anderen Hauptdarsteller agieren entweder höchst peinlich oder sind schlicht völlig fehlbesetzt. Die Actionsequenzen sind indiskutabel choreographiert und angesichts der schwülstig präsentierten Kitschromantik wirkt selbst Rosamunde Pilcher wie eine Virtuosin auf dem Spiel der Emotionen. Technisch befindet sich die Veröffentlichung auf einem ordentlichen Niveau, das Bonusmaterial kann aber nicht überzeugen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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371:48 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Italienisch (mit Zwangs-untertiteln) Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- "Im Gespräch mit Mathieu Carrière"
- Outtakes
- "Das Gesetz der Wüste" - Episode 1
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Die Rückkehr des Sandokan
Il Ritorno di Sandokan
Überlange Seifenoper vor exotischer Kulisse mit einem Drehbuch auf Groschenromanniveau
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / Deutschland, 1996 Regie: Enzo G. Castellari Drehbuch: Adriano Bolzoni, George Eastman, Emilio Salgari Darsteller: Kabir Bedi, Mandala Tayde, Mathieu Carrière, Romina Power, Fabio Testi, Tobias Hoesl, Randi Ingerman, Friedrich von Thun, Franco Nero
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 30.04.2010
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