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DVD-Besprechung - Schlacht um Moskau
Story:
Am 22. Juni 1941 begann die Deutsche Wehrmacht das "Unternehmen Barbarossa", den Überfall auf die Sowjetunion auf einer breiten Front von über 1500 Kilometern unter Einsatz von alleine drei Millionen deutschen Soldaten nebst Koalitionstruppen. Hitler brach mit diesem überraschenden Angriff ohne Kriegserklärung auch den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, besser bekannt als "Hitler-Stalin-Pakt" vom 23. August 1939. Die Wehrmacht erzielte zunächst schnelle Durchbrüche und gewaltige Geländegewinne, die angedachte Blitzkriegtaktik ging aber aufgrund von Faktoren wie dem erbitterten Widerstand der Roten Armee, den endlosen Weiten der Sowjetunion, Nachschubproblemen und der russischen Politik der "verbrannten Erde" letztendlich nicht auf. Der verpasste schnelle Sieg im Rahmen des Wintereinbruchs 1941 mündete schließlich in einen fast vier Jahre andauernden kriegerischen Konflikt, einen aussichtslosen Zweifrontenkrieg der Deutschen und endete schließlich am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands nach der Besetzung der Reichshauptstadt Berlin durch sowjetische Truppen.
Meinung zum Film:
"Schlacht um Moskau" ist eine epische, zweiteilige Kriegschronik aus dem Jahr 1985 mit einer Gesamtlaufzeit von mehr als fünfeinhalb Stunden. Der Film wurde auf zwei DVDs verteilt. Der erste Teil, "Die Aggression", beläuft sich auf 165:45 Minuten, der zweite Teil, "Operation Taifun", besitzt eine Laufzeit von 170:19 Minuten. Es handelt sich um eine Koproduktion der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, der DDR und Ungarns mit Unterstützung des sowjetischen Verteidigungsministeriums sowie weiterer Stellen des Staates- und der Partei. Für die Kampfszenen wurden Armeeeinheiten der UDSSR und der CSSR aufgeboten, die Offiziere auf deutscher Seite werden "stilecht" von DEFA- Darstellern verkörpert. Der russische Regisseur und Drehbuchautor Yuri Ozerov ist auf dem weiten Feld der Kriegesfilme wahrlich kein Unbekannter. Sein fünfteiliger Klassiker "Befreiung" aus dem Jahr 1969 ist schon seit einiger Zeit in Deutschland, ebenfalls von "ICESTORM Entertainment", erhältlich, was von "Stalingrad" aus dem Jahr 1989 leider nicht behauptet werden kann.
"Schlacht um Moskau", bzw. der erste Teil, "Die Aggression", beginnt mit einem kurzen Überblick über die Erfolge der deutschen Militärmaschinerie bis zur Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940. Dabei wird historisches, S/W-Archivmaterial verwendet, ein Stilmittel, das auch im Rahmen des gesamten Films immer wieder einmontiert wird, obwohl dieser natürlich in Farbe gedreht wurde. Die erste Spielszene stammt dann vom 31. Juli 1940, bei der Hitler persönlich den Feldzug gegen Russland erläutert. Der zweite Teil, "Operation Taifun", endet mit einer Spielszene vom 16. Dezember 1941, in der Stalin Glückwünsche von US-Präsident Roosevelt, anlässlich der erfolgreichen, russischen Gegenoffensive, bzw. des Sieges in der "Schlacht von Moskau", übermittelt werden. "Schlacht um Moskau" lässt sich am besten als Chronik dieser Zeitspanne aus sowjetischer Perspektive, im Gewand eines klassischen Kriegsfilms, verstehen. Dementsprechend sollten keine hektischen Schnitte oder hautnahe Wackelkameraaufnahmen im Stil eines "Der Soldat James Ryan" erwartet werden. Vielmehr besteht der Film vor allem aus Spielszenen von wichtigen Lagebesprechungen auf beiden Seiten, wenn auch vornehmlich sowjetischen, und monumentalen Panoramaaufnahmen sowie Überflugsequenzen der Gefechte. Zur Umsetzung dieser Kampfsequenzen wurde ein immenser Materialaufwand betrieben, sicherlich ein Ergebnis der Unterstützung des sowjetischen Militärs, was in spektakuläre Massenszenen mit einer Vielzahl von Infanterie, Panzern und Flugzeugen mündet. Die detaillierteren Kampfdarstellungen finden hingegen nur auf der Ebene von Gefechten kleineren Umfangs, oder einzelnen Frontabschnitten statt, jedoch pyrotechnisch durchaus überzeugend.
Handwerklich wirkt "Schlacht um Moskau" sehr monumental und bietet spektakuläres Bildmaterial, der inhaltliche Zugang ist allerdings nicht immer ganz einfach zu finden. Bereits die Gesamtlänge des Films und dessen stark episodischer, chronologischer Aufbau erfordern einige Geduld des Zuschauers und auch die Vielzahl handelnder Personen, ohne echte, durchgehende Identifikationsfiguren treten erschwerend hinzu. Der Film zeigt fast ausschließlich Offiziere, die aber nicht als Menschen, sondern vor allem als Soldaten und Strategen dargestellt werden, die sich in den Dienst der Sache, die heilige Verteidigung des Vaterlandes, stellen, da bleibt für persönliche Einblicke in ihre Charaktere keine Zeit. Auch die sonst genreüblichen, emotionalisierenden Dialoge zwischen "Frontschweinen" fehlen beinahe komplett. Dementsprechend einseitig und tendenziös ist auch die Grundausrichtung des Films. Das Grauen dieses Feldzuges, bzw. die Folgen dieses totalen Krieges auch für die Bevölkerung, wie sie z.B. in der Dokumentation "Hitlers Krieg im Osten" sehr eindringlich geschildert werden, fallen weitgehend unter den Tisch. Stattdessen werden sie einer heroisierenden Darstellung der sowjetischen Kämpfer geopfert, die stets tapfer einer Übermacht die Stirn bieten, ohne jemals Momente der Schwäche zu zeigen, während die Deutschen weitgehend gesichtslose Aggressoren bleiben. Auch die Darstellung Stalins als zuversichtlicher, weiser und in sich selbst ruhender Vaterfigur, die sich nie klugen Ratschlägen seiner Untergebenen verschließt, trägt stark ideologisch durchtränkte Züge.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität dieses rund 25 Jahre Films macht einen wirklich guten Eindruck und bringt das aufwendige Widecreen-Format ansprechend zur Geltung. Die Schärfe bewegt sich auf einem hohen Niveau, die Farbgebung wirkt natürlich, die Kontrastwerte sind ausgewogen und Verschmutzungen sind die absolute Ausnahme. Einziges kleines Manko sind leichte Helligkeitsschwankungen, bzw. Farbverfälschungen sowie ein vernachlässigbares Bildrauschen. Auf den DVDs befindet sich lediglich die deutsche Synchronisation, die scheinbar aus dem Jahr 1999 stammt, also neueren Datums ist. Auf die russische Originaltonspur muss verzichtet werden. Die deutsche Synchronisation ist aber sehr hochwertig ausgefallen und bietet viele bekannte Sprecher, wie z.B. Walter Niklaus (Basil Rathbones Stimme in der "Sherlock Holmes"-Reihe). Auch technisch ist bis auf kleine Tonknackser wenig zu kritisieren, die Dialoge sind zu jeder Zeit gut verständlich, die Kampfgeräusche wirken relativ wuchtig und größere Teile des Films werden von einem opulenten, orchestralen Soundtrack untermalt.
Beim Bonusmaterial sieht es leider recht kärglich aus. Außer einer kurzen Bio- und Filmographie zum Regisseur Yuri Ozerov, im Umfang von sechs Bildschirmseiten, gibt es auf den DVDs lediglich noch Bildergalerien zu beiden Teilen.
Fazit:
"Schlacht um Moskau" ist eine episch anmutende Kriegschronik über Teile des Russlandfeldzuges aus sowjetischer Perspektive, die mit immensem Materialaufwand realisiert wurde und optisch dementsprechend beeindruckend wirkt. Die Darsteller agieren ebenfalls sehr professionell, die Authentizität und Darstellung der Geschehnisse ist allerdings nicht nur im Hinblick auf die Unterstützung staatlicher, bzw. militärischer Stellen mit Vorsicht zu genießen und ist ideologisch alles andere als neutral. Somit ist der Film Freunden von Anitkriegsfilmen wahrlich nicht zu empfehlen, da hier das Grauen des Krieges weitgehend ausgeblendet und heroischem Pathos geopfert wird. Technisch kann die Umsetzung auf DVD voll überzeugen, lediglich das Bonusmaterial und die Ausstattung (Originalton, Untertitel) lassen viele Wünsche offen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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336:04 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Bio- und Filmographie des Regisseurs Juri Ozerov
- Bildergalerien
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Schlacht um Moskau
Bitva za Moskvu
Monumentale, handwerklich blitzsaubere Kriegschronik in ideologisch etwas einseitiger und nicht immer ganz einfach zugänglicher Darstellung
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Sowjetunion / Tschechoslowakei / DDR / Ungarn , 1985 Regie: Yuri Ozerov Drehbuch: Yuri Ozerov Darsteller: Yakov Tripolsky, Mikhail Ulyanov, Aleksandr Goloborodko, Bruno Frejndlikh, Nikolai Zasukhin, Achim Petri, Ernst Heise
Label :
Icestorm Entertainment
Verkaufsstart : 19.04.2004
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