 |
Blu-ray-Besprechung - Surrogates - Mein zweites Ich
Story:
In einer Zukunft, in der die Menschen so gut wie nicht mehr aus dem Haus gehen und sich nur noch durch Roboter, sogenannte Surrogates auf die Straße begeben, muss Cop Tom Greer (Bruce Willis) seltsame Todesfälle untersuchen. Seltsam deswegen, weil mit der Zerstörung der Surrogates auch ihre Besitzer starben, was eigentlich nicht möglich sein dürfte. Und umso weiter er sich in den Fall vertieft, umso mehr ist er der Überzeugung, dass die Todesfälle die Auswirkung einer großen Verschwörung sind.
Meinung zum Film:
Regisseur Jonathan Mostow hatte sich bereits mit „Terminator 3 - Rebellion der Maschinen“ filmisch in eine Zukunft begeben, in der Maschinen das Leben beherrschten. Bei „Surrogates – Mein zweites Ich“ ist die Ausgangslage jedoch eine etwas andere, da die Maschinen den Menschen noch nicht den Krieg erklärt haben. Doch die Welt ist bereits hier schon nicht mehr das, was sie heute ist. Die Menschen sind träge geworden, liegen nur noch auf ihren Steuerliegen, von wo aus sie in Form ihrer Surrogates reales Virtual Life vollziehen. Was auf den ersten Blick vielleicht absurd klingen mag, ist im Hinblick auf virtuelle Welten wie „Second Life“ bereits heute in kleiner Form ein Thema. Bereits jetzt ziehen es einige Zeitgenossen vor, einen virtuellen Alltag zu erleben, in virtuellen Städten alltägliche Dinge zu erledigen und sich dabei immer mehr von realen Freundschaften zu entfernen. Manche treffen und unterhalten sich bereits heute lieber virtuell bei Facebook oder einem VZ, als gemeinsam etwas in der realen Welt zu erleben. Diese Entwicklung haben Robert Venditti und Brett Weldele in ihrer Graphiknovelle aufgegriffen und fantasievoll in einer fiktiven Zukunft weitergesponnen.
Die Drehbuchautoren Michael Ferris („Catwoman“) und John Brancato („Catwoman“) haben sich an die Umsetzung der Vorlage gemacht und dabei zunächst eine sehr interessante Einleitung erschaffen. Während des Vorspanns wird gezeigt, wie sich die Surrogates von anfänglichen Hilfsmaschinen, mittels denen körperlich Behinderte wieder laufen konnten, immer mehr zu einem Alltagsprodukt wurden. Sie halfen gegen die immer größer werdende Bequemlichkeit der Menschheit und ihrem Wahn nach ewiger Jugend und regelten die Angst vor Krankheiten auf ihre eigene Art. Doch nach diesem vielversprechenden Start entwickelt sich die Story aber leider nicht mehr ganz so erstklassig weiter. So wird zum Beispiel angesprochen, dass es gesetzliche Spielregeln im Nutzen der Surrogates gibt, die aber nie weiter erläutert werden. Es wird nie so richtig klar, inwieweit die Roboter Emotionen auf ihren Operator übertragen. Wie tiefgehend die Verbindung zwischen Mensch und Maschine letzten Endes ist. Auch die Rolle vom Propheten, dem Anführer der Dreads, die in Kommunen vor den Toren der Großstädte leben und bei denen keine Surrogates erlaubt sind, ist sehr unglaubwürdig umgesetzt. Vor allem hinsichtlich der Auflösung am Ende. Letzten Endes bleiben am Ende zu viele Fragen offen und erscheinen einige Geschehnisse schlichtweg zu unglaubwürdig, als dass „Surrogates“ zu den richtig guten SciFi-Thrillern gezählt werden kann.
Kurzweilige Unterhaltung bietet der Film aber dennoch. Zu einem großen Teil ist dies sicherlich der gewohnten Präsenz von Bruce Willis („Stirb langsam“) zu verdanken, der in bekannter Art und Weise den stets gestresst dreinschauenden Helden gibt. Auch die Einarbeitung der Maschinen ist gut gelungen. Anfangs erscheint es noch ein wenig befremdlich, dass die Surrogates eine glattgebügelt porenfreie Haut haben. Doch mit der Zeit unterstützt diesen Eindruck immer mehr den sterilen Eindruck, den das Fehlen von Menschen aus Fleisch und Blut in den Städten hinterlässt. Die Story kann zwar nie so richtig Schwung aufnehmen und ein durchgehender Spannungsbogen wird ebenfalls nicht unbedingt gespannt, Langeweile kommt dabei aber trotzdem nie auf. Und die eine oder andere Actioneinlage kann zumindest für kurzzeitige Spannungssprünge sorgen. So reicht es dann am Ende zu einem durchaus unterhaltsamen SciFi-Thriller-Film, der aber auf Grund des sehr interessanten Szenarios einiges an Potential am Wegesrand liegen lässt. Aus der Thematik hätte mit mehr Sorgfalt beim Schreiben des Scripts deutlich mehr herausgeholt werden können.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen außerordentlich guten Eindruck. Schärfe und Details sind schön herausgearbeitet und werden wenn überhaupt nur durch den gezielten Einsatz von Filtern gedrückt. Ähnlich verhält es sich auch bei den Farben und dem Kontrast, die ebenfalls lediglich durch gewollte Verfremdungen ihrer Natürlichkeit beraubt werden. Der deutsche Ton in DTS 5.1 ist durchweg gut verständlich und sorgt in den Actionszenen mit reichlich Druck und Crosseffekten für Leben in den eigenen vier Wänden.
Bei den Extras findet sich zunächst ein äußerst interessanter Audiokommentar mit Regisseur Jonathan Mostow, der einen sehr ausführlichen und interessanten Einblick in die Entstehung des Films bietet. Hinter "Das perfekte Ich: Die Technologie der Surrogates" verbirgt sich ein Blick auf die aktuellen Möglichkeiten in der heutigen Roboter-Technologie und darin wird der aktuelle technologischen Stand mit den Surrogates verglichen. Anschließend folgt ein mit rund 7 Minuten viel zu kurzer Bericht mit einem Vergleich von Comic und Film, der leider noch viele Fragen offen lässt. Die folgenden vier zusätzlichen Szenen fallen nur mäßig interessant aus. Abschließend folgt noch der Musik-Clip "I will not break" von Breaking Benjamin.
Fazit:
„Surrogates – Mein zweites Ich“ ist ein Film, der mit der Grundthematik des Abtauchens in eine virtuelle Welt, die am Ende dann das reale Leben komplett ersetzt zu überzeugen weiß. Das Drehbuch schafft es aber leider nicht, daraus eine wirklich runde und überzeugende Story zu basteln. Was ein sehr guter SciFi-Thriller hätte werden können, ist deswegen „nur“ ein unterhaltsamer SciFi-Thriller geworden.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,40:1
|
88:36 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch DTS 5.1 | Englisch DTS-HD Master Audio 5.1 | Italienisch DTS 5.1 |
Russisch Dolby Digital 5.1 | Türkisch Dolby Digital 5.1 | Ukrainisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Estnisch, Italienisch, Lettisch, Litauisch, Russisch, Türkisch, Ukrainisch |
|
Bonusmaterial:
|
- Audiokommentar mit Regisseur Jonathan Mostow
- Ein perfekteres Ich: Die Technologie der Surrogates
- Vom Comic zum Film: Eine Graphic-Novel erwacht zum Leben
- Zusätzliche Szenen
- Musikvideo "I Will Not Bow" von Breaking Benjamin
|
|  |
Surrogates - Mein zweites Ich
Surrogates
Wenn das virtuelle Leben das reale Leben übernimmt und der Cyberspace in der realen Welt stattfindet
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2009 Regie: Jonathan Mostow Drehbuch: Michael Ferris, John Brancato (basierend auf der Grafiknovelle von Robert Venditti & Brett Weldele) Darsteller: Bruce Willis, Radha Mitchell, James Cromwell, Boris Kodjoe, Ving Rhames, Jack Noseworthy, Michael Cudlitz, Shane Dzicek, Rosamund Pike
Label :
Touchstone Home Entertainment
Verkaufsstart : 20.05.2010
|