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DVD-Besprechung - This is Love

Story:
Chris (Jens Albinus) und Holger (Jürgen Vogel) kaufen minderjährige, asiatische Mädchen von ihren Zuhältern frei, schmuggeln sie mit Hilfe der Vietnamesenmafia nach Deutschland und verkaufen sie hier für teures Geld an finanziell potente Adoptiveltern. Mit ihrer neuesten Errungenschaft Jenjira (Duyen Pham) gibt es jedoch einige Probleme, denn potentielle Käufer springen ab, die Vietnamesen wollen ihr Geld sehen und auf Chris übt sie eine ganz besondere Anziehungskraft aus. Schließlich landet Chris nach einem absichtlich verursachten Frontalunfall mit einem LKW im Verhörzimmer der Berliner Kriminalkommissarin Maggie (Corinna Harfouch), deren Ehemann vor 16 Jahren spurlos verschwand und die seitdem schwer alkoholkrank ist. Für Maggie gilt es nun, sein Motiv herauszubekommen und was ihr der Mann verschweigt. Dabei reißen viele alte Wunden wieder auf.

Meinung zum Film:
Im Jahr 2006 erregte Matthias Glasner mit seinem kontroversen Drama, "Der Freie Wille", über einen Serienvergewaltiger, gespielt von Jürgen Vogel ("Die Welle"), einiges Aufsehen. Nach diversen Arbeiten für das Fernsehen, wie z.B. der hochgelobten Krimiserie "KDD - Kriminaldauerdienst", kehrt Glasner nun mit "This Is Love" auf die große Leinwand zurück und das mit den nicht minder brisanten Themen Kinderprostitution und Pädophilie. Die Hauptrollen spielen der Däne Jens Albinus ("Idioten"), die 10-jährige Newcomerin Duyen Pham und mit Corinna Harfouch ("Silberhochzeit") auch eine der profiliertesten, deutschen Schauspielerinnen. In weiteren, kleineren Rollen agieren zudem noch bekannte Darsteller wie Jürgen Vogel und Devid Striesow ("So glücklich war ich noch nie").

Der Einstieg in den Film gestaltet sich alles andere als einfach, was vor allem in der unnötig komplizierten und schwerfälligen Struktur des Films begründet liegt. Der Film erzählt im Grunde zwei parallele Geschichten, zum einen erörtert er das Schicksal von Maggie, zum anderen zeichnet er die Beziehung nach, die sich zwischen Chris und Jenjira entwickelt. Dabei bedient sich der Film ständiger Rückblenden, was den Film sehr verschachtelt erscheinen lässt und stark aufs Erzähltempo drückt. Die Gegenwart bildet dabei größtenteils die Situation im Verhörzimmer, wobei die Konfrontation von Chris und Maggie schon bald eher einer Therapiesitzung für beide Protagonisten ähnelt. Leider hat sich Regisseur und Drehbuchautor bei der Schwerpunktsetzung und den Anknüpfungspunkten für das Publikum schwer verhoben, was auch durch seine Audiokommentare verdeutlicht wird. Corinna Harfouch spielt grandios auf, wirkt auch optisch schwer angeschlagen und verhilft damit ihrer Figur zu einer starken Dominanz, die dem Film leider eher schadet. Denn die eigentlichen Hauptfiguren Chris und Jenjira, vor allem aber ersterer, verblassen dagegen. Und anders als in "Der Freie Wille" misslingt der Zugang zur tragischen Figur des Films. Zudem führt eine extrem tendenziöse Szene mit der Mutter von Chris schon früh zu einer sehr schadhaften Festlegung des Charakters. Dadurch erscheint die eigentliche Sachlage eben in ihrer Betrachtung längst nicht mehr so neutral, wie beispielsweise im Vorgängerfilm, und die Beziehung zu Jenjira nimmt einen Charakter an, der eigentlich den Filmtitel völlig konterkariert und eher als Abhängigkeitsverhältnis zu begreifen ist.  

Dadurch bleibt die wohl angedachte Provokation oder Kontroversität des Titels aus, Jenjira ist traumatisiert und kennt nur eine Form der Zuneigung, die körperliche. Der Versuch, hier wertfrei oder analytisch eine Art Liebesbeziehung zwischen beiden Charakteren zu konstruieren und einen gewissen "Unschuldscharakter" einzuarbeiten, scheitert bereits an den Voraussetzungen. Stattdessen dominiert Harfouchs Figur weiterhin den Film. Dieser Charakter wird jedoch uneinheitlich mal gebrochen und mal sehr energisch dargestellt, zum Trinkerdrama taugt der Film somit auch nicht. Über dem gesamten Film liegt eine Atmosphäre der Lethargie und Tristesse, die sich der schwerfälligen Erzählweise anpasst, was den Sehgenuss nicht gerade steigert. Letztendlich wird der Zuschauer aber eben auch inhaltlich leider nicht dafür belohnt, wenn er sich auf dieses äußerliche Erscheinungsbild des Films einlässt und verliert sich letztendlich auch in den weiteren dargestellten Variationen tragischer Liebesbeziehungen, die teils so übertrieben wirken, dass sie leider auch eine gewisse unfreiwillige Komik entfalten.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD verfügt über eine ansprechende Bildschärfe und eine ausdrucksstarke, aber bewusst etwas zurückgenommene Farbgebung. Die Kontrastwerte bei hellen Szenen wirken gut ausbalanciert, bei sehr dunklen Szenen liegen hingegen kleinere Schwächen vor. Die deutschen Tonspuren sind ausgewogen abgemischt und überzeugen mit einer sehr guten Verständlichkeit. Lobenswert sind die optionalen, englischen Untertitel, die den Film auch im Ausland wahrnehmbar machen.  

Das Bonusmaterial ist sehr umfangreich ausgefallen. Der Audiokommentar von Matthias Glasner ist sehr detailliert und interessant ausgefallen und bietet ausführliche Hintergrundinformationen zu Aspekten wie den Drehorten, Produktionsbedingungen, den Darstellern oder der Kameraführung. Auf der DVD finden sich außerdem vier umfangreiche, geschnittene Szenen (40:19), auch diese optional mit Audiokommentar von Matthias Glasner. Diese enthalten neben weggefallenen Sequenzen auch weiterhin enthaltene Abschnitte, was in Verbindung teils einen gänzlich anderen Filmrhythmus erzeugt oder zu Schwerpunktverschiebungen führt. Das Interview mit Matthias Glasner (18:33) bietet noch einige weiterführende Informationen zur Entstehung des Films, dem Casting der Darsteller, oder der musikalischen Untermalung des Films. Den Abschluss des Bonusmaterials bildet der Filmtrailer.

Fazit:
Mit "This Is Love" verfolgte Matthias Glasner offensichtlich hehre Ziele und war auch erneut gewillt, ein brisantes Thema kontrovers anzugehen, leider scheitert er hier bei dem Versuch aber sowohl inhaltlich als auch handwerklich. Die Erzählstrukur des Films ist sperrig und in die Länge gezogen, die Schwerpunkte der Geschichte wurden falsch gesetzt, die Tragik der verschiedenen Liebesbeziehungen wirkt überladen und die Darstellung der "Beziehung" von Chris und Jenjira ist so eindeutig-tendenziös, dass nach dem Film wohl niemand eine kontroverse Diskussion über Pädophile lostreten würde. Damit scheitert Glasner leider letztendlich eigentlich in allen Punkten, die seinen meisterhaften Vorgänger "Der Freie Wille" gerade auszeichneten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
106:12 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Matthias Glasner
  • Geschnittene Szenen
  • Interview mit Matthias Glasner
  • Trailer
This is Love - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
This Is Love
This Is Love

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein provokant-kontroverser Titel, aber ein letztendlich wenig berauschender Film


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2009
Regie:
Matthias Glasner
Drehbuch:
Matthias Glasner
Darsteller:
Jens Albinus, Duyen Pham, Corinna Harfouch, Devid Striesow, Jürgen Vogel, Valerie Koch

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
20.05.2010