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DVD-Besprechung - B29 - Höllenreiter der Nacht

Story:
Captain Harold Calvert (Wendell Corey) und Major Tom West (Forrest Tucker) sind während des Zweiten Weltkriegs Bomberpiloten und haben die Ehre mit ihrer Besatzung die neuen, hochentwickelten Maschinen des Typs Boeing B-29 "Superfortress" in ihre ersten Einsätze zu führen. Allerdings schleppt West bereits ein Kriegstrauma mit sich herum. Im Rahmen eines früheren Einsatzes brach er aus Angst um seine Besatzung den Feindflug unter Vortäuschung eines Motorschadens ab und gilt seitdem als Nervenbündel bzw. Feigling. Doch ausgerechnet beim entscheidenden Schlag gegen stark gesicherte, japanische Rüstungsbetriebe in Tokio ist Major West gezwungen, während des Einsatzes das Kommando zu übernehmen.

Meinung zum Film:
"B-29 - Höllenreiter der Nacht" ist ein amerikanischer Schwarz-Weiß-Kriegsfilm aus dem Jahr 1951, der die neue Reihe "Vergessene Kriegsfilme" des MIG-Sublabels "Voulez Vous" einführt und dementsprechend als Vol. 1 ausgeliefert wird. Die Produktion stammt aus der Independent-Filmschmiede von "Republic Pictures", die sich vor allem auf Western, Fernsehserien und allgemein B-Filme spezialisiert hatten. Neben den beiden männlichen Hauptdarstellern Wendell Corey ("Desert Fury") und Forrest Tucker ("Yeti, der Schneemensch") agiert mit der ehemaligen, tschechoslowakischen Eisläuferin Vera Ralston ("Arizona-Express"), in der weiblichen Hauptrolle, ein Aushängeschild der Produktionsfirma, das regelmäßig für sie vor der Kamera agierte.

"Höllenreiter der Nacht" entstand nur sechs Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges und setzte sich das Ziel ausgerechnet den amerikanischen Bomberpiloten und der "Wunderwaffe" B-29 "Superfortress" ein filmisches Denkmal zu setzen. Nun gab es immer schon eine Vielzahl von heroisierenden Kriegsfilmen über verschiedenste Konflikte und Truppenteile, gerade die Zahl der Filme über Bomber und deren Besatzungen hält sich allerdings stark in Grenzen. Dieser Sachverhalt beruht sicherlich auf einer moralischen Komponente, da deren Einsatzgebiete (Städte, Industriegebiete) eben auch immer eine hohe Zahl ziviler Opfer, bzw. sogenannte "Kollateralschäden", mit sich bringen. "Höllenreiter der Nacht" hingegen kennt keinerlei solcher Bedenken und bewegt sich vielmehr in den ausgelatschten Pfaden längst überwunden geglaubter Kriegspropaganda. Der Film versammelt dementsprechend Ingredenzien wie Patriotismus, Heldentum oder Faszination für den technologischen Fortschritt. Die Preis dieser Technik, die Folgen in den bombardierten Gebieten, wird dabei natürlich stets ausgeblendet. Aber auch sonst ist die Darstellung des Krieges im Film naiv bis dämlich. So herrscht auch bei der Truppe ein sehr jovialer, lockerer Umgangston, der bezüglich der Wortwahl an ältere Western erinnert.

Der Krieg fördert auch stets nur das Beste im Manne zu Tage und ein jeder opfert sich bereitwillig für seine Kameraden auf. Für Feiglinge oder Pazifisten ist da kein Platz und wenn doch, können diese "Krankheiten" natürlich geheilt werden. Platz für Gefühle bietet lediglich eine notdürftig zusammengeschusterte Liebesgeschichte um die Krankenschwester Helen Landers (Vera Ralston), in die sich aber dummerweise gleich Harold und Tom verguckt haben. Und diese Frau, wie sollte es auch im erzkonservativen Hollywood anders sein, träumt natürlich auch im Krieg nur von schönen Kleidern oder komfortablen Nylons...Nun wäre diese gesammelte Naivität und Kriegsverklärung im Rahmen einer halbwegs spannenden und unterhaltsamen Geschichte ja vielleicht durchaus noch erträglich, der Film leidet aber auch noch unter seiner extrem episodisch angelegten Struktur inklusive diverser sprunghafter Übergänge. Das geringe Budget ist ebenfalls offenkundig. Zwar gibt es ein paar ganze nette Luftaufnahmen der Bomber, wobei das unglückliche Vollbildformat diese aber selten in Gänze einzufangen vermag, die sehr kurzen Kampfsequenzen bestehen aber lediglich aus eingefügtem, realem Archivmaterial in etwas verminderter Bildqualität. Die Innenaufnahmen der Bomber wirken grundsätzlich recht authentisch, allerdings mutet es mitten im Kampfgeschehen doch etwas lächerlich, wenn die Maschinen selbst im dichtesten Flakfeuer vollkommen ruhig in der Luft liegen.

Digitale Aufarbeitung:
Das S/W-Bild dieses fast 60 Jahre alten Films macht bezüglich der Schärfe einen durchaus guten Eindruck. Mit altersbedingten Begleiterscheinungen wie diversen Verschmutzungen, Laufstreifen und selteneren Beschädigungen muß man aber ebenso leben, wie mit einem stärkeren Bildrauschen. Zudem wirkt das Bild ein wenig zu hell. Insgesamt bietet die DVD eine ordentliche Bildqualität, stellt allerdings mit Sicherheit keine aufwendig restaurierte Vorzeigefassung dar. Der deutsche Monoton ist natürlich kein Wunderwerk der Technik offeriert aber eine gute Verständlichkeit, auch wenn die Tonspur altersbedingt leichte Verzerrungen aufweist.

Auf der DVD befindet sich eine alternative, englischsprachige Schnittfassung (71:38), die deutlich kürzer ausgefallen ist. Die englische Tonspur klingt etwas dumpfer als ihr deutsches Pendant, ist aber sonst ebenfalls gut verständlich. Inhaltlich wird hier deutlich, dass die Originalfassung noch viel patriotischer ausgefallen ist. So enthält beispielsweise der Abspann überhaupt keine Antikriegsäußerungen und die Atombombe wird hier als "mächtige", aber nicht als "fürchterliche" Waffe bezeichnet. Die Veröffentlichung besitzt außerdem ein Wendecover.

Fazit:
"Höllenreiter der Nacht" ist ein sehr altmodischer, patriotischer und naiver Kriegsfilm, der heutzutage völlig überholt wirkt. Die Erzählweise ist spunghaft und höhepunktsarm, die Charaktere wirken eher wie Karikaturen von Soldaten und das geringe Budget des Films ist offenkundig. Die Darsteller agieren solide, die platten Dialoge mit ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit nerven aber einfach nur und die schematische Liebesgeschichte wirkt ebenfalls reichlich überflüssig. Zumindest technisch ist die Veröffentlichung aber nicht zuletzt in Anbetracht des niedrigen Preises durchaus ordentlich geworden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
85:04 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Alternative, englischsprachige Schnittfassung (71:38)
B29 - Höllenreiter der Nacht - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Höllenreiter der Nacht
The Wild Blue Yonder

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein durchaus nicht zu Unrecht in Vergessenheit geratener, altmodischer Kriegsstreifen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1951
Regie:
Allan Dwan
Drehbuch:
Andrew Geer, Charles Grayson, Richard Tregaskis
Darsteller:
Wendell Corey, Forrest Tucker, Vera Ralston, Phil Harris, Walter Brennan, William Ching

Label Deutschland :
Voulez Vous Film
Verkaufsstart Deutschland :
07.05.2010