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DVD-Besprechung - Sperrfeuer auf Planquadrat X

Story:
Dr. Mladen Stojanovic (Ljuba Tadic) ist Arzt und Anführer einer Gruppe von Partisanenkämpfern, bzw. serbischen Tschetniks, im Weltkriegsjahr 1941. Zusammen mit seinen Mitstreitern kämpft er gegen die deutschen Besatzer und deren einheimische Verbündete, die faschistischen Ustascha-Kroaten. Aber auch in den eigenen Reihen gibt es Widerstand gegen die kommunistische Ideologie, der Dr. Mladen folgt.

Meinung zum Film:
"Sperrfeuer im Planquadrat X" ist ein jugoslawischer Kriegsfilm aus dem Jahr 1975, der die Reihe "Vergessene Kriegsfilme" des Herstellers "Voulez Vous" als Vol. 2 fortsetzt. Der deutsche Titel entbehrt dabei jeder inhaltlichen Grundlage. Artillerie ist im Film nur einmal ganz kurz zu sehen und von Sperrfeuer oder dem mysteriösen Planquadrat X fehlt jede Spur. Der Originaltitel "Doktor Mladen" ist nicht nur deutlich kürzer und unspektakulärer, sondern auch wesentlich treffender. Die alte, geschnittene, deutsche Videofassung des Films hatte eine Laufzeit von 80:19 Minuten. Somit ergibt sich bei der neuen DVD-Fassung lediglich ein Längenvorteil von 29 Sekunden. Die serbische Original-DVD läuft allerdings etwa 99 Minuten und laut imdb besitzt der Film sogar eine Gesamtlaufzeit von 102 Minuten. Somit ergeben sich erhebliche, kürzungsbedingte Laufzeitunterschiede von 19 bis 22 Minuten. Hauptdarsteller Ljuba Tadic dürfte dem ein oder anderen Zuschauer zumindest aus der Genreproduktion "Die Fünfte Offensive" bekannt sein.

"Sperrfeuer im Planquadrat X" hat mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen, bei denen ohne Sichtung der kompletten, ungeschnittenen Version nicht gesagt werden kann, ob diese nun vor allem von den starken Kürzungen herrühren oder grundsätzliche Schwächen der Produktion darstellen. Ohne Frage sind die heftigen Kürzungen dem Film aber immer wieder aufgrund von Auslassungen, bzw. Anschlussfehlern, deutlich anzumerken. Ein Grundproblem ist bereits zu Beginn, dass die zentrale Figur des Dr. Mladen überhaupt nicht vernünftig eingeführt und der Zuschauer fortan Probleme bekommt wirkliche Identifikationsfiguren auszumachen. Worin Dr. Mladens Autorität begründet liegt und wo die Verehrung seiner Person ihren Ursprung hat, bleibt ein Mysterium des Films. Das einzige, was der Zuschauer über ihn erfährt ist, dass er eine Frau und einen Sohn hat sowie neben seiner Tätigkeit als Partisanenführer auch noch Arzt und Kommunist ist. Eine Art Fehde mit dem kroatischen Kommandeur, der ursprünglich ein alter Freund von Dr. Mladen war, wird ebenfalls nur angerissen und nie wirklich ausgearbeitet. Die deutschen Soldaten und ihr Kommandeur werden zu Nebenfiguren degradiert, was durchaus eine bewußte Entscheidung für die deutsche Fassung gewesen sein könnte.  

Die dargestellten Geschehnisse, inklusive großer zeitlicher und ablauforientierter Sprünge, wirken leider extrem fragmentarisch und aus dem Zusammenhang gerissen. Die Einordnung in "Gute" (Serben) und "Böse" (Kroaten und Deutsche) verläuft sehr simpel und gewinnt lediglich durch eine gewisse Gruppendynamik und Opposition innerhalb von Mladens Einheit später etwas an Konturen. Da allerdings keinerlei Hintergrundinformationen zu den Widersachern, dem eigentlichen Konflikt und zu dessen Verlauf verabreicht werden, wird der unbedarfte Zuschauer nicht nur geographisch weitgehend orientierungslos bleiben, sondern dürfte auch Probleme haben gerade das Ende des Films nachvollziehen zu können. Denn hier kämpfen plötzlich königstreue Serben gegen kommunistisch gesinnte, serbische Partisaneneinheiten. Auch im Hinblick auf die Kampfsequenzen bietet dieser Kriegsfilm eher biederes Handwerk als große Kunst. Die kleineren Infanterie-Scharmützel der Parteien verlaufen sehr unspektakulär und zudem erstaunlich blutleer. Aus diesem Grund und zudem weil auch die regelmäßig auftretende Figur des Stanisa (Ljubisa Samardzic) sehr locker angelegt ist, verpuffen Ansätze, das Grauen des Konflikts aufzuzeigen, weitestgehend. 

Digitale Aufarbeitung:
Der Film liegt im Bildformat 1,56:1 vor, was bisherigen Veröffentlichungen entspricht und somit höchstwahrscheinlich korrekt sein sollte. Vom "Digital Remastered"-Aufdruck sollte sich allerdings Niemand täuschen lassen. Die Schärfe bewegt sich gerade noch im durchschnittlichen Bereich, das Bild ist aber zu hell geraten, die Kontrastwerte wirken zu steil, die Farbgebung ist äußerst blass und zahlreiche Verschmutzungen sowie leichtere Beschädigungen begleiten das Bild. Hinzu treten auch noch ein starkes Rauschen und vereinzelte Kompressionsprobleme. Der Film liegt lediglich in der deutschen Synchronfassung vor. Auf die Originaltonspur wurde verzichtet. Diese Version überzeugt zwar mit einer guten Dialogverständlichkeit, gerade die Kampfsequenzen wirken jedoch drucklos und sind akustisch äußerst schwach ausgefallen.

Es gibt kein Bonusmaterial. Die Veröffentlichung verfügt lediglich über ein flatschenfreies Wendecover.

Fazit:
Unter dem Strich ist "Sperrfeuer auf Planquadrat X" ein sehr fragmentarisch anmutendes Kriegsabenteuer ohne wirkliche Identifikationsfiguren, mit unspektakulären Kampfszenen, und einer weitgehenden Ausblendung politischer Hintergründe. Wie stark die heftigen Kürzungen Schuld an drehbuchtechnischen Schwächen tragen, ist ohne Kenntnis der vollständigen Version schwer einzuordnen. Da hier auch technisch kein großer Unterschied zur, ebenfalls stark geschnittenen, alten VHS-Fassung erkennbar ist, und die DVD zudem ohne Originaltonspur sowie Bonusmaterial ausgeliefert wird, kann somit leider keine Empfehlung für diese Veröffentlichung ausgesprochen werden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,66:1
1,66:1
80:48 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
Sperrfeuer auf Planquadrat X - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Sperrfeuer auf Planquadrat X
Doktor Mladen

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Stark gekürzter, jugoslawischer Partisanen-Kriegsfilm in technisch schwacher Präsentation


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Jugoslawien, 1975
Regie:
Midhat Mutapcic
Drehbuch:
Rade Basic
Darsteller:
Ljuba Tadic, Pavle Vujisic, Ljubisa Samardzic, Husein Cokic, Zvonimir Crnko, Rudi Alvadj

Label Deutschland :
Voulez Vous Film
Verkaufsstart Deutschland :
07.05.2010