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DVD-Besprechung - Matrioshki - Mädchenhändler - Staffel 1

Story:
Der Mädchenhändler Ray Van Mechelen (Peter Van den Begin) und sein Helfer Mark Camps (Mark Van Eeghem) sind in Litauen auf der Suche nach neuen Mädchen für ihren Strip- bzw. Sexclub in Belgien. Mit Hilfe eines angeblichen Talentwettbewerbs verpflichten sie zehn junge, osteuropäische Mädchen, deren naive Träume von einem glücklichen Leben im Goldenen Westen sie schamlos ausnutzen und sie mit Knebelverträgen zur Prostitution zwingen. Die Mädchen sind fortan völlig auf sich allein gestellt, auch untereinander uneinig, und jede Form des Widerstands wird hart sanktioniert. Auch die teils bereits unterwanderte Polizei ist keine Hilfe, lediglich die Arbeit des Enthüllungsjournalisten Nico Maes (Lucas van den Eijnde) bereitet den Gangstern um Familienoberhaupt John Dockx (Frank Aendenboom) zunehmend Sorgen.

Meinung zum Film:
"Matrioshki - Mädchenhändler" ist eine belgische Fernsehserie über Mädchenhändler und Schlepperbanden aus dem Jahr 2005, die in ihrem Heimatland Traumeinschaltquoten von bis zu 54 Prozent erreichte und sich auch als Exportschlager erwies, der bereits in 73 Ländern ausgestrahlt wurde. In Deutschland feierte die Serie am April 2009 ihre Premiere und zwar im Programm des Pay-TV-Spartensenders RTL Crime. Im deutschen Free-TV war die Serie bisher dagegen noch nicht zu sehen. Die vorliegende erste Staffel der Mini-Serie umfaßt 10 Folgen, die mit Laufzeiten zwischen 43 und 52 Minuten in ihrer Länge deutlichen Schwankungen unterliegen. In der 1. Staffel agieren Darsteller aus 120 Ländern, u.a. aus Belgien, Russland, Moldawien, Litauen und Zypern. Die Serie wird auf 3 DVDs ausgeliefert. Die Altersfreigabe ab 18 Jahren verdankt die Box den Folgen 3 ("Gefangen im Paradies") und 4 ("Gegen jede Regel"), sämtliche anderen Folgen sind bereits ab 16 Jahren freigegeben. Die kreativen Köpfe der Serie, Guy Goossens ("Limo") und Mark Punt ("Starke Frauen sind unschlagbar"), produzierten im Jahr 2008 eine wiederum 10-teilige Nachfolgeserie, namens "Matroesjka's 2", die drei Jahre nach dem Abschluß der ersten Staffel spielt und auch einige der alten Charaktere beinhaltet, jedoch inhaltlich stärker international ausgerichtet ist. Die Serie wurde bisher nicht in Deutschland ausgestrahlt.

"Matrioshki" wird als Serie beworben, die sich vor allem mit dem traurigen Schicksal junger Zwangsprostituierter, bzw. dem Menschenhandel mit Sexsklaven, auseinander setzt und auch Amnesty International soll angeblich im Rahmen einer Dokumentation zu Aufklärungszwecken Sequenzen der vorliegenden Serie verwenden. Diese Werbestrategie mit dem Fokus auf einem authentischen Sozialdrama um Prostitution und Zwangsausbeutung trifft aber eigentlich nicht wirklich den Kern der Serie. Zu Beginn der Serie liegt der Fokus in der Tat auf dem Schicksal der Mädchen und ihrer Zwangsverpflichtung. Die Methoden der Menschenhändler und die zerplatzenden Illusionen der Mädchen, bzw. ihr hinterher nachhaltig gestörtes Seelenleben, werden hier auch durchaus anschaulich und ungeschminkt dem Zuschauer näher gebracht. Spätestens mit der 5. Folge der Serie, "Ausgeflogen", wird aber deutlich, dass es sich hier vor allem um eine Unterhaltungsserie handelt, die sich besonders auf die Gangster und deren Milieu konzentriert. So gibt es beispielsweise auch im Abspann der Serie keine aufklärerischen Texteinblendungen oder erschreckende Statistiken zur Zwangsprostitution, sondern es werden lediglich die weiteren Schicksale der "fiktiven" Gangster ausgeführt.

Aufgrund dieser Ausrichtung werden auch die Persönlichkeiten der einzelnen Mitglieder der kriminellen Vereinigung von John Dockx sehr genau beleuchtet und das keineswegs durchgehend eindimensional und unsympathisch. Zudem verläuft die Geschichte weitgehend auf nationalen Pfaden, also in Belgien, und es dreht sich meist um Beträge im vierstelligen oder niedrigen fünfstelligen Eurobereich, vom globalen Millionengeschäft Zwangsprostitution ist hier deshalb keineswegs soviel zu sehen. Das soll die Qualität der Produktion allerdings keineswegs in Frage stellen. Denn die Miniserie überzeugt mit durchgehend exzellenten Darstellern, vielschichtigen, teils auch sehr schillernden Charakteren, zahlreichen Sub-Plots und einem immensen Spannungsaufbau mit zahlreichen, dramaturgisch geschickt eingesetzten Wendungen. Bezüglich des Schicksals der jungen Frauen ist es allerdings trotzdem sehr gut gelungen aufzuzeigen, wie völlig verschiedene Persönlichkeiten in der Lage sind diese Extremsituationen (Prügel, Vergewaltigung, Verlust jeglicher Rechte, Gefangenschaft auf engstem Raum, Degradierung zum Lustobjekt) mit individuellen Strategien zu meistern, oder eben auch nicht, was die Identifikation mit den Opfern weiter erleichtert.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVDs macht insgesamt einen guten Eindruck. Die Bildschärfe besitzt eine gute Qualität, lediglich im Detail wirkt es manchmal etwas weich, die Farben sind kräftig sowie natürlich ausgefallen und auch die Kontrastwerte bewegen sich auf einem ausgewogenen Niveau. Lediglich das leichte Bildrauschen und kleinere, kompressionsbedingte Unruhen sorgen für leichte Abzüge. Die Veröffentlichung bietet lediglich eine deutsche Tonspur, der Originalton blieb auf der Strecke. Allerdings besteht ein großer Teil der Serie aus englischsprachigen Passagen oder Dialogen in osteuropäischer Sprache, die nicht synchronisiert wurden und mit deutschen Untertiteln versehen sind. Die deutsche Synchronisation mit vielen bekannten Sprechern, wie David Nathan (Christian Bale), ist sehr hochwertig ausgefallen. Auch technisch macht die Tonspur einen überzeugenden Eindruck und bietet neben gut verständlichen Dialogen auch einer sehr stimmungsvolle und ausgewogen abgemischte, musikalische Untermalung.

Auf den DVDs gibt es kein Bonusmaterial, der Veröffentlichung liegt lediglich ein 4-seitiges Inlay bei, das einen kurzen, doppelseitigen Episodenguide zur Serie enthält. Die Serie wird in einem Keep Case ausgeliefert und besitzt kein Wendecover.

Fazit:
"Matrioshki - Mädchenhändler" ist eine sehr hochwertige, belgische Fernsehserie um Zwangsprostituion und Menschenhandel, die sich auf eine fiktive, verhältnismäßig kleine, derartige kriminelle Organisation in Belgien konzentriert. Obwohl hier viele Fakten zu dem heiklen, düsteren Leitmotiv eingebettet werden und auch die gestörte Lebenswelt der Opfer durchaus nachhaltig erfahrbar gemacht wird, stellt die Produktion jedoch kein aufklärerisch verfahrendes Sozialdrama dar. Vielmehr liegt die Schwerpunktlegung hier im Gangsterfilmmilieu, deshalb werden der Dunstkreis der Kriminellen und ihre internen Auseinandersetzungen, und somit eben auch ganz klar der unterhaltende Charakter der Serie, hervorgehoben.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,78:1
1,78:1
10 Folgen à ca. 43-52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
Matrioshki - Mädchenhändler - Staffel 1 - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Matrioshki - Mädchenhändler
Matroesjka's

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Hochwertige, belgische Serie zum Thema Zwangsprostitution, die aber bei aller Sozialkritik auch keinen Hehl aus ihrer eher "unterhaltenden" Ausrichtung macht


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Belgien, 2005
Regie:
Guy Goossens, Mark Punt
Drehbuch:
Guy Goossens, Mark Punt
Darsteller:
Peter Van den Begin, Axel Daeseleire, Evgeniya Khirivskaya, Tom Van Dyck, Zemyna Asmontaite, Manou Kersting, Luk Wyns

Label Deutschland :
edel motion
Verkaufsstart Deutschland :
11.06.2010