 |
DVD-Besprechung - Quo Vadis?
Story:
64 nach Christus. Marcus Vinicius (Pawel Delag) kehrt mit seinen Truppen siegreich von Britannien nach Rom zurück und lernt kurz darauf im Haus seines Freundes die Sklavin Lygia (Magdalena Mielcarz) kennen und verliebt sich in sie. Er weiß nicht, dass sie Christin ist. Kaiser Nero (Michal Bajor) schenkt ihm die Sklavin als Belohnung für seine Erfolge in der Schlacht. Das wiederum passt Neros Frau Poppaea (Agnieszka Wagner) gar nicht, denn sie hat selber ein Auge auf Marcus geworfen.
Meinung zum Film:
Kleine DVD-Labels verwenden bekanntlich gern mal Namen großer Hollywoodfilme als Titel, um damit irgendwelche Direct-to-DVD-Billigstproduktionen einem größeren Publikum schmackhaft zu machen, obwohl diese mit dem Original nicht das Geringste zu tun haben. Bei "Quo Vadis?" ist dies zum Glück nicht der Fall, denn der vorliegende Film ist das Resultat des ambitionierten Vorhabens, den großartigen Roman des Polen Henryk Sienkiewicz endlich auch durch eine in seinem Heimatland entstandene Adaption zu präsentieren. Entstanden ist dabei die bis dahin teuerste polnische TV-Produktion aller Zeiten ("ROM"-Sender HBO war Koproduzent), die sich vor großen internationalen Filmen nicht verstecken muss und oftmals durchaus das Gefühl erweckt, einen klassischen Monumentalfilm vor sich zu haben. Etwas schade ist allerdings, dass der Streifen für die deutsche Veröffentlichung anscheinend massiv gekürzt wurde. In Polen gab es von "Quo Vadis?" sowohl eine sechsteilige TV-Miniserie mit einer Laufzeit von rund viereinhalb Stunden als auch eine rund 160-minütige international vertriebene Filmfassung. Die deutsche DVD-Version dauert hingegen leider nur 134 Minuten, was bedeutet dass diese rund eine halbe Stunde kürzer als die internationale Kinofassung ist. Ob diese Kürzung wirklich hätte sein müssen, darf bezweifelt werden.
Zuschauer, die den Hollywood-Klassiker mit Peter Ustinov kennen, werden feststellen, dass die Story und auch die Ausarbeitung des Films mehr oder weniger gleich ist. Der selbstverliebte Offizier Marcus Vinicius (Pawel Delag) kehrt von einem erfolgreichen Auftrag nach Rom zurück. Als er seinen Onkel Petronius - einen Vertrauten des Kaisers Nero (Michal Bajor) - besucht, lernt er die schöne Lygia (Magdalena Mielcarz) kennen. Doch diese will nichts mit ihm zu tun haben, da sie Christin ist und als "Geisel" aus einem besiegten Land bei Freunden der Familie untergebracht ist. Doch Marcus lässt sich nicht so leicht abschütteln und folgt ihr zu einem Treffen der Christen, das vom Apostel Petrus abgehalten wird. Während Marcus noch mit sich und der Frage kämpft, ob er für seine Auserwählte einen fremden Glauben annehmen soll, hat der Kaiser ganz andere Pläne. Er will Rom niederbrennen, um an der gleichen Stelle eine neue Stadt namens "Neropolis" entstehen zu lassen. Und dann gibt es da auch noch Neros Frau Poppaea (Agnieszka Wagner), die ihrerseits ein Auge auf Marcus geworfen hat und sich nicht damit abfinden kann, dass dieser nichts von ihr wissen will ...
Auch in der polnischen Version treffen wir Petronius (Boguslaw Linda) als den am sorgfältigsten ausgearbeiteten Charakter an, doch geht er hier zunächst weniger energisch vor und versucht, Neros Pläne dadurch zu verhindern, dass er an die künstlerischen Ambitionen des Kaisers appelliert. Er dient als der weise und ausgeglichene Gegenpol zum verrückten und herrschsüchtigen Nero. Marcus wirkt etwas leidenschaftlicher, als es Robert Taylor in der Hollywoodversion war. Er will Lygia unbedingt als seine Geliebte haben und würde alles dafür tun ... bis aus der ersten Lust schließlich Liebe und Seelenverbundenheit wird. Am interessantesten ist natürlich die Frage, wie in dieser Version Nero dargestellt wird, da Peter Ustinov sicherlich in der Hollywood-Verfilmung den größten Eindruck hinterlassen hat. Michal Bajor spielt Nero zwar nicht als so eine schillernd spaßig verrückte Persönlichkeit wie Ustinov, doch er schafft es, die Schwächen des Kaisers zu verdeutlichen, ohne dabei durch sein Spiel von den Hauptthematiken des Films - religiöse Überzeugung, endgültige Erlösung - zu sehr abzulenken. Dadurch ist diese Version von "Quo Vadis?" zwar schauspielerisch etwas weniger erinnernswert als der Ustinov-Film, schafft es aber, der Romanvorlage in einigen Punkten deutlich gerechter zu werden.
Digitale Aufarbeitung:
Die technische Qualität der DVD ist relativ gut ausgefallen. Das Bild wirkt klar, scharf und sauber und bietet kräftige Farben, die allerdings als Stilmittel einen mal leichten, mal stärkeren Sepiastich haben. Hin und wieder macht sich die Kompression in Form von Blockbildung bemerkbar. Bildrauschen tritt nur in nicht allzu störendem Umfang auf. Der Ton liegt auf Deutsch und Polnisch in Dolby Digital 5.1 vor. Beide Fassungen bieten gute Dialogverständlichkeit und eine sich angenehm im Raum verteilende Hintergrundmusik. Auf großartige Effekte muss allerdings verzichtet werden, der Ton bleibt die meiste Zeit über ziemlich frontlastig.
Als Bonusmaterial gibt es lediglich den Trailer zum Film.
Fazit:
"Quo Vadis?" ist die gelungene polnische Adaption des gleichnamigen polnischen Romans und muss sich hinter dem Hollywoodklassiker aus dem Jahr 1951 nicht verstecken. Sowohl schauspielerisch als auch technisch bewegt sich der Film auf einem sehr hohen Niveau. Auch die DVD bietet sehr gute Qualität, allerdings hätte das Bonusmaterial etwas umfangreicher ausfallen können.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,78:1
|
134:02 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Polnisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Quo Vadis?
Quo Vadis?
Gelungene einheimische Adaption des polnischen Jahrhundertromans
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Polen / USA, 2001 Regie: Jerzy Kawalerowicz
Drehbuch: Jerzy Kawalerowicz
Darsteller: Pawel Delag, Magdalena Mielcarz, Boguslaw Linda, Michal Bajor, Jerzy Trela
Label :
MiG Film
Verkaufsstart : 10.06.2010
|