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DVD-Besprechung - Die Ledernacken

Story:
Captain Dan Craig (Robert Ryan) dient im Marine Corps, den sogenannten "Ledernacken", unter dem Kommando seines alten Freundes, Major Steve Lockhart (Pat O'Brien). Nach einem ramboähnlichen Amoklauf von Dan während eines Einsatzes und einer später durch eine Bombardierung erlittenen Kopfwunde trübt sich allerdings das Verhältnis der beiden Männer und Steve zweifelt an Dans Dienstfähigkeit. Auch das Techtelmechtel zwischen Dan und seiner neuen Flamme, der Armeehelferin Lieutenant Ellen Foster (Ruth Hussey), hält Steve für blanke Unvernunft. Als es jedoch bei der Landung auf einer japanisch besetzten Insel hart auf hart kommt, kann sich Steve wieder auf die Tapferkeit und Übersicht seines Captains verlassen.

Meinung zum Film:
"Die Ledernacken" ist ein amerikanischer Schwarz-Weiß-Kriegsfilm aus dem Jahr 1944, entstand also noch während des 2. Weltkriegs, und ist der dritte Titel innerhalb der neuen Reihe "Vergessene Kriegsfilme" des MIG-Sublabels "Voulez Vous". Der Film entstand in Zusammenarbeit mit den Streitkräften der Vereinigten Staaten, bzw. Navy und Army. Das bekannteste Gesicht dieser Produktion ist der junge Robert Ryan ("Tag ohne Ende") und der Film macht auch insgesamt einen eher kostengünstig produzierten Eindruck. Die imdb führt den Film mit einer Laufzeit von 90 Minuten, die vorliegende Fassung läuft jedoch gerademal rund 78 Minuten, was auch ein Grund für die sehr löchrig wirkende Geschichte sein könnte.

"Ledernacken" ist ein Hollywood-Kriegsschinken aus der Giftschrankabteilung. Wie es sich für Kriegspropaganda gehört, sind die amerikanischen Soldaten natürlich Helden, während der weitgehend gesichtslose Feind, die Japaner, hier nur als Schweine tituliert oder als Kriegsverbrecher gezeigt werden. Vom Krieg ist hingegen bei dieser ideenlos vor sich hin plätschernden 08/15-Produktion so gut wie nichts zu sehen. Ein kurzes Gefecht zu Beginn und der finale Sturm auf die japanisch besetzte Insel ist alles, was der Film an Actionszenen zu bieten hat und auch diese wirken eher ärmlich. Grauenhafte Bilder gibt es natürlich auch nicht zu sehen, denn die Heimatfront sollte ja bei Laune gehalten werden. Und denen wurde dann auch präsentiert, was für ein lockeres Leben ihre Landsleute im Krieg da eigentlich so führen. Die einzige Sorge der Truppe stellen offensichtlich die Überbrückung der ewigen Langeweile sowie das Fehlen eines Fünf-Sterne-Kochs dar. Zwischen den Einsätzen ist natürlich auch reichlich Zeit für großes Gefühlskino und dementsprechend ist eine Liaison mit einem naiven Armeehelferleinchen natürlich unvermeidbar, ebenso wie die spontane Ehelichung. Fortan darf sich das arme Frauchen dann auch Sorgen um ihren Strahlemann machen, von dem sie nicht einmal weiß, wo er eigentlich gerade kämpft, ansonsten besitzt sie auch keinerlei Funktion mehr für den Film.  

Angesichts einer Laufzeit von lediglich rund 78 Minuten mag es unglaublich klingen, aber der Film plätschert wirklich weitgehend antriebs- und ideenlos vor sich hin und wirkt, als wäre er relativ kurzfristig und ohne größeren Plan kostensparend im Eilverfahren zusammengeschustert. Die Charaktere sind extrem oberflächlich ausgefallen, durchlaufen keinerlei Entwicklung und taugen nichtmal als Identifikationsfigur für den Zuschauer. Die Geschichte ist quasi nicht vorhanden, worüber das Drehbuch mit Hilfe der kitschigen Liebesgeschichte oder Archivszenen von Truppenansammlungen als Füllszenen hinwegtäuschen will. Garniert wird dieses zusammengestümperte Truppenfilmchen noch durch aufgesetzt-heitere Dialoge, die sich meist um die wenig meisterlichen Kochkünste des Küchenmeisters der Truppe drehen. Diesen fehlt allerdings genauso der Pfeffer wie dessen geschmacksneutralem Großküchenfraß.

Digitale Aufarbeitung:
Die Qualität des Schwarz-Weiß-Bildes dieses bereits 66 Jahre alten Films stellt zwar keine Offenbarung dar, ist aber durchaus ordentlich ausgefallen. Die Schärfe bewegt sich im durchschnittlichen Bereich, ohne großartige Details und die Kontrastwerte sind akzeptabel, wobei allerdings beispielsweise Gesichter deutlich überstrahlen. Bildrauschen stellt kein wirkliches Problem dar, die wenig überzeugende Kompression sorgt aber für ständige Unruhen. Das Bild wird von zahlreichen Verschmutzungen begleitet, Beschädigungen sind hingegen deutlich seltener. Die deutsche Tonspur hallt zwar etwas und klingt auch eher nach Studio, die Verständlichkeit bewegt sich aber stets auf einem guten Niveau. Die englische Tonspur klingt hingegen stark verzerrt und sehr dumpf, die Verständlichkeit wirkt dadurch nicht gerade optimal.  

Auf der DVD befindet sich lediglich ein doppelseitiger, zoombarer Programmheftscan ("Illustrierte FilmBuehne") aus dem Jahr 1944. Die DVD besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Ledernacken" ist ein völlig überflüssiges Kriegsfilmchen aus der Mottenkiste Hollywoods, dem vor allen die Attribute langweilig, oberflächlich und fragmentarisch zugeordnet werden können. Nichtmal Identifikationsfiguren für den Zuschauer oder anständige Actionsequenzen konnten für diese bruchstückhafte Billigproduktion berücksichtigt werden. Unter dem Strich bleibt ein absolut vergessenswerte Uraltstreifen, der technisch noch relativ ordentlich präsentiert wird, allerdings kein ernstzunehmendes Bonusmaterial bietet.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
77:22 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Programmheft
Die Ledernacken - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Ledernacken
Marine Raiders

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein vergessenswerter Langweiler aus der Mottenkiste Hollywoods


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1944
Regie:
Harold D. Schuster
Drehbuch:
Martin Rackin, Warren Duff
Darsteller:
Robert Ryan, Pat O'Brien, Ruth Hussey, Frank McHugh, Barton MacLane, Richard Martin

Label Deutschland :
Voulez Vous Film
Verkaufsstart Deutschland :
21.05.2010