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Blu-ray-Besprechung - Up in the Air

Story:
Ryan Bingham (George Clooney) ist wegen seines Berufes fast jeden Tag in der Luft, um zum nächsten Auftraggeber zu reisen. Sein Job ist es, im Namen des jeweiligen Kunden dessen Mitarbeiter zu kündigen und dafür zu sorgen, dass die Kündigungen ohne großen Ärger akzeptiert werden. Als Natalie Keener (Anna Kendrick) das Kündigungskonzept revolutionieren will, indem in Zukunft nicht mehr gereist sondern via Videositzung gekündigt werden soll, beginnt sich das Leben von Ryan zu verändern.

Meinung zum Film:
„Up in the Air“-Regisseur Jason Reitman ist der Sohn des äußerst erfolgreichen Filmemachers Ivan Reitman („Ghostbuster“). Jasons Filme bieten stets ein wenig vom beliebten Reitman-Humor, sind aber stets mit sehr ernsten Themen verbunden. In „Thank you for smoking“ setzte er sich mit der Lobby der Raucherindustrie in den USA auseinander und in „Juno“ nahm er sich auf recht unkonventionelle Weise dem Thema jugendlicher Schwangerschaften an. Spätestens mit der Nominierung für die beste Regie für „Juno“ hatte Jason Reitman sich aus dem übermächtig wirkenden Schatten seines Vaters lösen können. „Up in the Air“ ist nun sein nächster Film nach dem großen Erfolg und er basiert auf einem Roman von Walter Kirn („Thumbsucker - Bleib wie du bist!“). Für die Hauptrolle konnte er George Clooney („Ocean’s Thirteen“) gewinnen und mit Vera Farmiga („Der Junge im gestreiften Pyjama“), Anna Kendrick („Twilight“) und Jason Bateman („Hancock“) weitere namhafte Künstler für größere und kleinere Rollen verpflichten.

Die Ausgangssituation des Filmes ist eher trostlos. Ryans Job ist es durch die ganze Welt zu reisen um im Auftrag seiner Kunden tätig zu werden. Ein Schicksal, das viele Berufstätige soweit teilen, doch ist es die Tätigkeit, die Ryan zu etwas besonderem macht. Tag für Tag teilt er Menschen mit, dass sie ihren Job verlieren und versucht ihnen durch inhaltsleere Worte diesen Schicksalsschlag so leicht wie möglich zu vermitteln. Sein eigenes Leben ist dabei ebenso leer geworden wie die Worte, die er beim Mitteilen der Kündigungen verwendet. In seinen erfolgreichen Seminaren berichtet er immer wieder davon, dass Erinnerungen, übermäßig persönlicher Besitz und Menschen schnell zu einer Last werden können. Er selbst hat sich schon lange von seiner Familie abgenabelt und nimmt nur sehr ungerne an Familienfeiern teil. Seine kleine Wohnung ist minimaler eingerichtet als die Hotelzimmer, in denen er einen Großteil seines Lebens verbringt. Seine wenigen, persönlichen Dinge trägt er zusammen mit seiner Kleidung im Handgepäck stets bei sich. Im Grunde ist Ryan Bingham alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse und es ist der darstellerischen Leistung George Clooneys zu verdanken, dass ihm trotzdem die Sympathien – und das Mitleid - der Zuschauer sicher sind.

Die geordnete und problemfreie Welt von Ryan beginnt dann aber zu wanken, als mit der jungen Natalie Keener eine motivierte junge Frau in der Firma zu arbeiten beginnt und das alte Konzept des Reisens als zu teuer anprangert. Ryan überzeugt seinen Boss, dass das Aussprechen der Kündigungen mittels Videokonferenz nicht funktionieren kann und überzeugt ihn, dass er Natalie erst einmal vor Ort zeigen müsse, was ihr Job letzten Endes für ihre Gegenüber bedeutet. Doch durch die Zeit mit ihr beginnen sich auch seine Werteeinteilungen zu ändern. Er beginnt langsam zu verstehen, was zwischenmenschliche Beziehungen wirklich bedeuteten. Dabei erkennt er auch, dass seine rein sexuelle Beziehung zu einer ebenfalls viel reisenden Geschäftsfrau tatsächlich mehr als nur körperliche Aktivitäten für ihn bedeutet. Langsam beginnt Ryan seine sterile Welt in kleinen Schritten zu hinterfragen und sich sogar ein wenig davon zu entfernen. Doch dadurch hat er nun auf einmal mit Erlebnissen zu kämpfen, die ihm bislang fremd waren. Am Ende bleibt es dann ein wenig offen, wie es im Leben von Ryan weiter gehen wird. Für manch einen mag dieses zu offen sein, andere wiederum werden dies gut finden, da man sich so als Zuschauer selbst mit der Thematik auseinandersetzten muss, da nicht alles vorgekaut wird. „Up in the Air“ ist letzten Endes ein sehr ruhiger, etwas melancholischer Film mit ernsten Tönen und einem tieferen Sinn, der den Maximimumprofit-Gedanken der heutigen Industriegesellschaft auf den Prüfstand stellt. Und vor allem eines wird dabei klar – was heute noch als normal und gegeben erscheint, kann morgen schon auf die eine oder andere Weise auf dem Prüfstand zur Rationalisierung stehen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bid macht einen guten Eindruck. Die Konturen sind scharf gezeichnet und feine Details sind immer wieder gut zu erkennen. Der Kontrast ist durchweg recht tief gewählt, was stellenweise Details ein wenig schluckt. Der deutsche Ton im Format Dolby Digital 5.1 ist insgesamt leiser abgemischt als gewohnt, was aber nie zu Verständnisproblemen führt. Die Texte sind die gesamte Zeit über klar und deutlich aus der Front zu verstehen. Der Soundtrack sorgt ab und an auch mal für einen klanggefüllten Raum.

Als filmbegleitendes Extra kann wahlweise auf einen Audiokommentar mit Regisseur Jason Reitman, Kameramann Eris Steelberg und Regieassistent Jason Blumfeld geschaltet werden, zu dem vier verschiedene Untertitelspuren vorliegen. Der teilweise etwas trockene Kommentar bietet einige Einblicke in die Entstehung des Films und welche Probleme es dabei zu bewältigen gab. Bei den Bildbeiträgen gibt es zunächst einen kurzen Blick darauf, wie die Titelsequenz entstand und welche Intentionen diese verfolgt. Die ebenfalls als Extra vorhandenen, knappen Storyboards wurden nicht in gezeichneter Form angelegt, sondern mit Doubles direkt gefilmt. Die beiden Beiträge nehmen zusammen mit einem ganz kurzen Making Of zu einer Turbulenzszene allerdings nur rund 4 Minuten ein. Den größten Anteil an den Extras haben die 13 nicht verwendeten Szenen mit ihren rund 23 Minuten Laufzeit und diese können auf Wunsch mit Kommentar des Regisseurs gesehen werden. Abschließend gibt es noch das Music Video „Help Yourself“ von Sad Brad Smith, das allerdings eher wie eine Vorschau wirkt und den Trailer zum Film.

Fazit:
„Up in the Air“ ist ein Blick auf die kühle Geschäftswelt in der heutigen Zeit, in der Entlassungen kein Einzelschicksal mehr sind, sondern normaler Alltag. Über die Figur des Ryan Bingham wird die emotionslose Seite der Hire-&-Fire-Industriegesellschaft gezeigt, die bestens zu funktionieren scheint, aber reichlich trostlos ist. Verpackt wurde das ganz in einen Film voller ruhiger Töne, der auf seine melancholische Art jedoch niemals langweilig erscheint.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,85:1
1,85:1
109:20 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Italienisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Dänisch, Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Jason Reitman, Kameramann Eris Steelberg und Regieassistent Jason Blumfeld
  • Schattenspiel: Vor der Geschichte
  • Music Video „Help Yourself“ von Sad Brad Smith
  • Storyboards
  • Entfernte Szenen
  • American Airlines Streich
  • Trailer
Up in the Air - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Up in the Air
Up in the Air

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Der Film zur Maximum-Profit-Industrie, in der Menschlichkeit und Freundschaften keinen Platz haben


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2009
Regie:
Jason Reitman
Drehbuch:
Jason Reitman, Sheldon Turner (basierend auf dem Roman von Walter Kirn)
Darsteller:
George Clooney, Anna Kendrick, Vera Farmiga, Jason Bateman, Danny McBride, Melanie Lynskey, Amy Morton, Sam Elliott

Label Deutschland :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
04.06.2010