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Blu-ray-Besprechung - Der Soldat James Ryan

Story:
Eine Einheit amerikanischer Soldaten unter der Leitung von Captain John Miller (Tom Hanks) bekommt den Auftrag, sich am D-Day hinter die feindlichen Linien durchzuschlagen, um den Soldaten Private James Ryan (Matt Damon) zu suchen. Dieser ist der letzte noch nicht im Kampf gefallene Sohn einer verzweifelten Mutter und man möchte ihr den Verlust aller Söhne im Kampf ersparen.

Meinung zum Film:
„Der Soldat James Ryan“ von Regisseur Steven Spielberg („Krieg der Welten“) gehört sicherlich zu den bekanntesten Kriegsfilmen aller Zeiten. Letzten Endes ist es aber nicht unbedingt der gesamte Film, der im Gedächtnis bei vielen Filmfreunden geblieben ist und beim damaligen Kinostart für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Was vor allem bewegte und noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis blieb, waren vor allem die ersten rund 20 Minuten des Films, in denen die Alliierten am D-Day auf französischem Boden landeten und wobei zahlreichen Soldaten ihr Leben ließen. Spielberg hat es geschafft, die Verzweiflung, den Schrecken, die Angst und das Chaos beim Erstürmen der Strände in der Normandie fast körperlich spürbar zu machen. Die Kugeln und Granaten fliegen dem Zuschauer fast spürbar um die Ohren, jeder Einschuss und jede Explosion geht einem durch Mark und Bein. Das ohnmächtige Gefühl, keine Möglichkeit zu haben, aus diesem Inferno entkommen zu können breitet sich sehr schnell aus und erst wenn die erste Hektik sich löst und die alliierten Streitkräfte zielgerichtet gegen die deutschen Stellungen vorgehen, löst sich auch die Anspannung beim Publikum ein wenig. Und wenn die Lage durch die Alliierten unter Kontrolle gebracht wurde, atmet man auch als Zuschauer erst einmal richtig durch.  

Anschließend lässt sich Steven Spielberg dann leider ein wenig dazu hinreißen, sich üblichen Patriotismus-Klischees der Amerikaner hinzugeben. So sind die deutschen Soldaten alle herzlose Bestien, die einem auch dann in den Rücken fallen, wenn man selbst ihr Leben verschont hat. Die eigenen Truppen sind dabei über jeden Zweifel erhaben und töten nur dann, wenn es um die Erhaltung des eigenen Lebens geht. Und auch der Gedanke, dass eine Handvoll bestens ausgebildeter Soldaten in einem Himmelfahrtskommando hinter die feindliche Linien geschickt wird, nur damit eine Mutter nicht alle vier Söhne im Krieg verliert, ist an tränendrückendem Pathos kaum zu überbieten. Eine Geschichte, wie sie Oprah Winfrey in ihrer Show nicht sentimentaler hätte präsentieren können. Solche Momente sind es, die „Der Soldat James Ryan“ davon abhalten, sich in eine Reihe mit Werken wie „ApocalypseNow“, „Full Metal Jacket“ oder „Die Brücke von Arnheim“ stellen zu können.  

Bei den Soldaten die sich auf die Selbstmordmission begeben, sind die verschiedenen Stereotype enthalten. Von Beginn an gibt es unter ihnen Bedenken, ob es wirklich Sinn macht, für einen Mann das Leben acht anderer Männer aufs Spiel zu setzen. Und nachdem die Ersten von ihnen im Kampf sterben, werden die Zweifel immer größer. Was dabei allerdings immer fehlt, ist eine emotionale Bindung zu den Gefallenen. Wenn einer von ihnen stirbt, so nimmt man dies als Zuschauer mit Bedauern wahr, eine Gefühl der tiefen Trauer stellt sich aber dennoch nicht ein. Denn zu eindimensional wirken die Helden und wenn überhaupt etwas Emotionen im Zuschauer hervorruft, dann die Sinnlosigkeit der Mission, für welche die Soldaten ihr Leben lassen mussten. Eine Glorifizierung des Krieges findet aber keinesfalls statt. Steven Spielberg lässt keinen Zweifel daran, dass der Krieg eine Bestie ist, die Leben zerstört. Doch am Ende stehen die Soldaten trotzdem als Helden da, die bereitwillig ihr Leben für die Ideale ihres Landes gaben. Die Sinnlosigkeit des Krieges spiegelt sich zweifelsohne in der Sinnlosigkeit der Mission wieder. Nur der Ausgang setzt dann wieder mehr auf Pathos als auf die Sinnlosigkeit. Dass es auch anders geht, haben die bereits erwähnten Klassiker des Genres bewiesen. Steven Spielberg hat sich letzten Endes offensichtlich den Gesetzen des Mainstreams gebeugt, um den finanziellen Erfolg seines Filmes nicht zu gefährden. An den Kinokassen mag dies geholfen haben, der Aussage des Films kommt dies allerdings nicht sonderlich zu Gute. Großes Kino stellt der Film aber trotzdem ohne jeden Zweifel dar und man sollte sich diesen nicht entgehen lassen.  

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist qualitativ als sehr hochwertig einzuordnen. Der gewollt grobkörnige Look blieb zum Glück unangetastet, wodurch vor allem in der Eingangsszene ein teilweise dokumentarischer Eindruck erweckt werden kann. Die Farben wirken etwas blass, was aber ebenfalls ein bewusst eingesetztes Stilmittel darstellt. Die Schärfe und die Detailvielfalt wurden im Vergleich zur DVD-DTS-Edition des Films noch einmal deutlich verbessert. Die höhere Auflösung und der höhere Speicherplatz des Mediums wurde hier voll ausgereizt. Der deutsche Ton liegt nur in Dolby Digital 5.1 vor und ist von der Bitrate betrachtet von daher um etwas mehr als 100 kb kleiner ausgefallen als bei DTS-Edition. Rauszuhören ist dies aber nicht, ganz im Gegenteil. Schon bei den Effekten bei der Eingangssequenz ist ein Surroundeffektgewitter zu hören, das keine Wünsche offen lässt. Und der sehr gute Raumklang wird konsequent bis zum Ende des Films fortgeführt und sorgt so für ein eindrucksvolles Filmerlebnis.

Die Extras befinden sich komplett auf einer 2. Blu-ray-Disc. Der längste Beitrag ist „Wie man den Krieg filmt“, wobei es sich um eine von Steven Spielberg produzierte, äußerst interessante Dokumentation handelt, in der Original Aufnahmen gezeigt werden, die während des Krieges aufgenommen wurden, inkl. Kommentare einzelner Kameramänner. Dadurch gelang ein sehr eindringliches Portrait über den Schrecken des Krieges. Einige Extras haben eine relativ kurze Laufzeit und beschäftigen sich in 2–8 Minuten langen Beiträgen mit der Idee zum Film („Eine Einführung zum Film“), den geschichtlichen Hintergründen („Ein Blick in die Vergangenheit“), Hauptdarsteller Tom Hanks und seine Eindrücke vom Dreh („Miller und seine Einheit“), den Zusammenhalt und den Drill beim Dreh („Boot Camp“) und einen Blick zurück auf die Kriegszeiten und was man mit dem Film erreichen wollte („Schlussgedanken“). Zu den längeren Beiträgen gehören ein 22-minütiger Blick auf die Dreharbeiten („Die Produktion von Der Soldat James Ryan“), ein 18-minütiger Beitrag über das Design für die Landung der Alliierten Truppen am D-Day („Die Neuerschaffung von Omaha Beach“), ein 16-minütiger Beitrag über die Musik und das Sounddesign („Musik und Sound“) und der 25-minütige Bericht über die Herangehensweise bei der Darstellung eines Trupps Soldaten, der am D-Day den europäischen Kontinent betrat, um hinter den feindlichen Linien eine Rettungsmission zu starten, angereichert mit Worten von Zeitzeugen („In die Bresche springen: Der Soldat James Ryan“). Hierbei wird dann auch noch einmal auf die Niland-Brüder eingegangen, deren Schicksal als Vorlage für den Film diente. Abschließend gibt es noch den Trailer zum Film und den Re-release Trailer im HD-Format. Insgesamt eine sehr informative und äußerst vorbildliche Ansammlung an Bonusmaterial.

Fazit:
„Der Soldat James Ryan“ ist ein gelungener Kriegsfilm, von dem vor allem die ersten 20 Minuten im Gedächtnis des Zuschauers haften bleiben werden. Was folgt ist gut inszeniertes Kriegsfilm-Kino, das dem eigenen Anti-Kriegsfilm-Anspruch allerdings nicht mehr ganz gerecht werden kann. Sehenswert ist der Film aber allemal.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
169:28 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Italienisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Dänisch, Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch
Bonusmaterial:
  • Eine Einführung zum Film
  • Blick in die Vergangenheit
  • Miller und seine Einheit
  • Boot Camp
  • Die Produktion von "Der Soldat James Ryan"
  • Die Neuerschaffung von Omaha Beach
  • Musik und Sound
  • Schlussgedanken
  • In die Bresche: Der Soldat James Ryan
  • Kinotrailer
  • Re-release Trailer
  • Wie man den Krieg filmt
Der Soldat James Ryan - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Soldat James Ryan
Saving Private Ryan

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Die ersten 20 Minuten gehören mit zum bedrückendsten, was der Kriegsfilm zu bieten hat


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1998
Regie:
Steven Spielberg
Drehbuch:
Robert Rodat
Darsteller:
Tom Hanks, Tom Sizemore, Edward Burns, Barry Pepper, Adam Goldberg, Vin Diesel, Giovanni Ribisi, Jeremy Davies, Matt Damon, Ted Danson, Paul Giamatti, Dennis Farina

Label Deutschland :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
21.05.2010