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DVD-Besprechung - Erzählung einer weißen Schlange

Story:
Xu-Xian besitzt als kleiner Junge ein ungewöhnliches Haustier, nämlich eine weiße Schlange, die er zwar innig liebt, jedoch gegen seinen Willen abgeben muss. Viele Jahre später lebt er mit seinen beiden tierischen Freunden Panda und Mimmi in einem eigenen Haus, als er bei einem schweren Unwetter plötzlich einer wunderschönen, jungen Frau begegnet. Was er jedoch nicht weiß, Bai-Niang ist in Wirklichkeit die verzauberte weiße Schlange aus seiner Jugend. Trotzdem verlieben sich die beiden. Der mächtige Mönch Fa-Hai, der sich dem Kampf gegen böse Geister verschrieben hat, kennt jedoch Bai-Niangs wahre Identität und unternimmt alles, um den vermeintlich gefährdeten Xu-Xian vor ihr zu schützen.

Meinung zum Film:
"Erzählung einer weißen Schlange, im Original "Hakujaden", gilt als erster abendfüllender, farbiger Zeichentrickfilm Japans und somit auch als Urvater aller Animes. Der Film entstand bereits 1958 in den Studios der heute schon legendären "Toei Animation" und wurde zu einem großen Publikumserfolg. Das Werk gilt auch als Auslöser für den Einstieg des heutigen Kultregisseurs im Anime-Bereich, Hayao Miyazaki ("Prinzessin Mononoke"), späterer Gründer des weltbekannten Studio Ghibli. Regisseur Taiji Yabushita ("Alakazam - König der Tiere") legte ein Jahr später mit dem Kultfilm "Der Zauberer und die Banditen" nach, der im März 2010 ebenfalls von WGF/Schröder Media als deutsche DVD veröffentlicht wurde.

"Erzählung einer weißen Schlange" hat seinen Ursprung in der chinesischen Mythologie und beruht auf der Geschichte "Bai She Zuan" (Dt.: "Die Legende der weißen Schlange"). Allerdings ist diese Sage inhaltlich deutlich komplexer als die Zeichentrickadaption, wie hier nachgelesen werden kann. Leider ist dieser Makel dem Film auch deutlich anzumerken und es gibt auf der narrativen Ebene zahlreiche Mängel, die auch vor allem die Eignung für Kinder weitgehend negieren. Obwohl das Werk mit rund 75 Minuten Spielzeit nicht gerade abendfüllend ausgefallen ist und es an vielen Details der Vorlage mangelt, wirkt die Erzählstruktur des Films eher sperrig, teilweise abgehackt und insgesamt relativ wirr vorgetragen. Es ist somit nicht zu übersehen, dass das Projekt einen abendfüllenden Spielfilm zu realisieren weitgehendes Neuland darstellte. Besonders die Dramaturgie leidet unter dieser fehlenden Erfahrung. Der Zuschauer wird völlig unvermittelt in die Geschichte geworfen und befindet sich plötzlich in einer Welt voller Zauberei, deren mythologische Grundlage er jedoch nicht kennt und die auch im weiteren Verlauf nicht wirklich erläutert wird. Gerade für Kinder ergeben sich noch ganz andere Problematiken. Wie man sich in das eigene Haustier verlieben kann oder warum in dieser Geschichte der Gute eigentlich unwissend der Böse ist, bzw. warum der vermeintlich böse Geist eigentlich nur selbstlose Ziele verfolgt, dürfte für jüngere Semester, der Film ist ab 6 Jahren freigegeben, weitgehend unverständlich bleiben.

Hingegen ist dieser inhaltliche Kniff für Erwachsene offenkundig, daraus resultiert ein großer Leerlauf in der Geschichte, die diesen "Irrtum" erst am Ende aufklärt, und hinsichtlich der Dramaturgie ein extrem holpriges Stückwerk. Das ist eigentlich schade, da es innerhalb der Geschichte doch recht fantasievoll zugeht und der Film auch einige fantastische Gestalten, nämlich Tiere mit menschlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, zu bieten hat. Auch die Optik ist farbenfroh und wirkt humorvoll-kreativ. Allerdings ist dem Film das Alter handwerklich deutlich anzumerken. Die Figuren sind in der Gestaltung eher einfach gehalten, besitzen eine sehr begrenzte Mimik und bewegen sich zwar ziemlich flüssig, jedoch ohne dabei mit aufwändigen und vielfältigen Animationsphasen zu protzen. Auch die Hintergründe sind eher schlicht und nicht animiert. Ein Erzähler führt durch die Geschichte, jedoch nicht die weiße Schlange, wie man angesichts des ungeschickt formulierten Titels annehmen könnte.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD im anamorphen Widescreenformat ist für einen über 50 Jahre alten Zeichentrickfilm bemerkenswert gut. Die Farben wirken ausdrucksstark und lebendig, die Schärfe bewegt sich auf einem hohen Niveau und zudem wurde die Vorlage von Verschmutzungen sowie Beschädigungen befreit. Das leichte Bildrauschen fällt hingegen kaum ins Gewicht. Die deutsche und die japanische Monotonspur bieten beide eine wirklich gute Verständlichkeit und sind auch durchaus stimmungsvoll abgemischt. Außerdem gibt es optionale, englische Untertitel. Die deutsche Synchronisation ist erfreulich professionell und offensichtlich älteren Datums

Im Bonusbereich der DVD befindet sich die deutlich kürzere US-Fassung (69:14) des Films. Diese besitzt eine englische Tonspur hat aber eine deutlich schlechtere Bildqualität als die deutsch-japanische Fassung. Zudem befindet sich unter den Extras noch der japanische Trailer zum Film. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Erzählung einer weißen Schlange" ist gewissermaßen eine japanische Pionierarbeit und filmhistorisch ohne Zweifel bedeutsam, auch handwerklich wirkt der Titel unter Berücksichtigung seiner zeitlichen Entstehung qualitativ hochwertig, erscheint jedoch heutzutage schon relativ altbacken. Leider wird gerade die Geschichte auf einen zu simplen Nenner reduziert und kann angesichts ihrer etwas wirren Struktur, belanglosen Zwischenspielen und der mangelhaften Dramaturgie eigentlich weder Kinder noch Erwachsene wirklich zufriedenstellen. Technisch bietet die DVD eine sehr gute digitale Restaurierung dieses schon etwas betagteren Titels und kann voll überzeugen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,66:1
1,66:1
75:30 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Japanisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • US-Fassung des Films
  • Japanischer Trailer
Erzählung einer weißen Schlange - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Erzählung einer weißen Schlange
Hakujaden

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Japanischer Anime-Pionier mit größeren inhaltlichen Schwächen, in technisch aufwändiger Restaurierung


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan, 1958
Regie:
Kazuhiko Okabe, Taiji Yabushita
Drehbuch:
Shin Uehara, Taiji Yabushita, Seiichi Yashiro

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
22.05.2010