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Blu-ray-Besprechung - Die Blechtrommel (DC)
Story:
Danzig, im Jahr 1924. Als Oskar Matzerath (David Bennent) zur Welt kommt, ist sein Verstand bereits vollständig entwickelt. Drei Jahre später bekommt er zu seinem Geburtstag eine Blechtrommel geschenkt und beschließt, nicht mehr zu wachsen, da ihn die Verlogenheit der Erwachsenenwelt stört. Er altert zwar weiter, doch sein Körper bleibt in der Gestalt eines Dreijährigen. Fortan protestiert er durch sein Trommeln und seine hohe, schreiende Stimme, mit der er Glas zum Zerspringen bringen kann, gegen die Nazis und die Affären innerhalb seiner eigenen Familie. Erst viele Jahre später, als der Krieg 1945 aufhört, fasst Oskar den Beschluss, nun wieder weiter zu wachsen.
Meinung zum Film:
"Die Blechtrommel" erzählt - basierend auf dem gleichnamigen Roman von Günter Grass - die Geschichte der Familie Matzerath bzw. vor allem die des kleinen Oskars, der 1924 als Sohn von Agnes (Angela Winkler, "Die Bubi-Scholz-Story") und Alfred Matzerath (Mario Adorf, "Rossini") zur Welt kommt. Seine Mutter liebt eigentlich ihren Cousin Jan Bronski (Daniel Olbrychski, "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins") und beendet die Affäre mit diesem auch nicht nach der Hochzeit. Als Oskar seinen dritten Geburtstag feiert, bekommt er eine Blechtrommel geschenkt und beschließt, nicht mehr zu wachsen. Um seinen Eltern eine Erklärung für sein gestopptes Wachstum zu liefern, fällt er im Keller auf den Kopf und kommt daraufhin ins Krankenhaus. Dort trommelt er tagein, tagaus - und als die Eltern ihm die Trommel endlich entreißen wollen, entdeckt er seine Fähigkeit, durch lautes Schreien Glas zum Bersten zu bringen. Während Oskar fortan geistig altert, ohne zu wachsen, trifft sich seine Mutter weiterhin mit dem Geliebten und irgendwann stirbt sie an einer Fischvergiftung, weil sie auf einmal angefangen hat, wie wahnsinnig Fisch zu verschlingen. Es stellt sich heraus, dass sie schwanger war. Oskars Vater ist unterdessen in die NSDAP eingetreten, doch die Wirren des nun - 1934 - in nicht mehr allzu ferner Zeit bevorstehenden Krieges fangen gerade erst an.
Über 30 Jahre ist es her, dass "Die Blechtrommel" uraufgeführt wurde und immer gab Volker Schlöndorff, wenn man ihn nach einem "Director's Cut" fragte, an, dass es sich bei dem fertigen Film um eben diesen handele und der Erfolg dies bestätigen würde. So ganz stimmte diese Aussage jedoch nicht, denn bei der Produktion wurde dem Team vom Verleih die maximale Laufzeit von zwei Stunden und 15 Minuten vorgegeben, die absolut nicht überschritten werden durfte. So verschwanden mehrere gedrehte Einstellungen lange Jahre im Archiv und der Regisseur wurde erst wieder bewusst daran erinnert, als er im Jahr 2009 von dem Studio, das die Lagerung übernommen hatte, gefragt wurde, ob die alten Originalnegative nicht endlich mal entsorgt werden könnten. Daraufhin kam Schlöndorff die Idee, das Material noch mal durchzugehen und dank des noch vorhandenen Originaldrehbuchs und Aufzeichnungen der damaligen Cutterin war es tatsächlich möglich, den vorliegenden Director's Cut zu realisieren, der nun rund eine halbe Stunde länger ist als das Original. Eine besondere Herausforderung stellte natürlich auch die Synchronisation der Figuren dar. Mario Adorf konnte sich in den neuen Szenen selbst sprechen, Angela Winkler ebenfalls, doch bei den damaligen Kindern David Bennent und Katharina Thalbach hatte man ein Problem. Thalbach löste dies, indem sie einfach ihre Tochter Anna vorbeischickte, die eine sehr ähnliche Stimme wie ihre Mutter hat. Bei Bennent hingegen war die Sache schwerer und nachdem man einiges erfolglos ausprobiert hatte, fand man schließlich eine Möglichkeit, seine Stimme mit einem Stimmgenerator so zu verändern, dass er sich ebenfalls selbst sprechen konnte.
Neu hinzugekommen sind vor allem zwei wesentliche Szenen: Die erste zeigt, wie sich Oskars Vater - der ewige Mitläufer - plötzlich, als es ihn selbst betrifft, gegen die Nazis stellt und sich weigert, seinen Sohn in eine "Anstalt" deportieren zu lassen. Die zweite Szene erweitert das Ende des Films. Der Treblinka-Überlebende Herr Feingold kommt heim in die Stadt und soll das Geschäft der Matzeraths übernehmen. Zudem gibt es eine neue Sequenz, die zeigt, wie Oskar statt in die Schule zur Nachbars-Bäckerin geht, die ihn mit Torte füttert und aus deren Bücherschrank er sich mit Rasputin und Goethe versorgt. Ansonsten gibt es noch ein paar kleinere neue und erweiterte Szenen und ein paar eingeschnittene historische Aufnahmen. So hat "Die Blechtrommel" nun einige noch intensivere Augenblicke und tiefergehende Charakterzeichnungen zu bieten als früher schon und befindet sich noch näher an der Romanvorlage. Natürlich ändert das nichts an der Tatsache, dass der Plot insgesamt recht seltsam ist - und wer mit Grass oder der alten Fassung des Films nichts anfangen kann, der wird sich auch nicht für die neue Version interessieren. Für Filmliebhaber ist der erweiterte Cut dieses oscarprämierten Werks aber durchaus empfehlenswert.
Digitale Aufarbeitung:
"Die Blechtrommel" macht im Director's Cut auf Blu-ray Disc einen soliden Eindruck. Das Bild bietet kräftige Farben und eine mittelmäßige bis gute Schärfe, die aber noch besser sein könnte und dafür sorgt, dass der Film in HD zwar nett aussieht, aber etwas Plastizität vermissen lässt. Über weite Strecken ist der Transfer sehr klar und sauber, nur hin und wieder sind einzelne Dropouts oder Verschmutzungen zu erkennen. Rauschen kommt in unterschiedlich starkem Ausmaß vor, die meiste Zeit über stört es jedoch nicht. Der Ton liegt auf Deutsch in dts-HD Master Audio 5.1 und Stereo vor. Beide Spuren bieten klar verständliche Dialoge, wobei diese gelegentlich etwas dumpf wirken. Die 5.1-Fassung punktet durch angenehm im Raum verteilte Musik und Umgebungsgeräusche.
Als Bonusmaterial gibt es eine 13-minütige Einleitung von Volker Schlöndorff zum Director's Cut, in der er auf die Hintergründe dieser neuen Fassung eingeht. Zusätzlich gibt es einen dreiminütigen Clip von den Synchronarbeiten. In der 20-minütigen Featurette "Erinnerungen von Volker Schlöndorff" erzählt der Regisseur von den damaligen Dreharbeiten. Außerdem bekommt der Zuschauer ein 25-minütiges Interview mit dem Produzenten Eberhard Junkersdorf geboten und es gibt einen zwölfminütigen Blick ins Archiv von Art Director Nicos Perakis. Der Trailer zum Film sowie Storyboard- und Fotogalerien runden die umfangreichen Extras ab.
Fazit:
"Die Blechtrommel" ist ein klassiker der deutschen Filmgeschichte und liegt nun erstmals in einem um knapp 30 Minuten erweiterten Director's Cut von Volker Schlöndorf vor. Für diesen wurde nicht verwendetes Originalmaterial aus der Entstehungszeit aufwändig in den Film eingefügt, wodurch die Handlung noch mehr Tiefe bekommt. Die Blu-ray Disc von Kinowelt punktet durch eine gute (wenn auch nicht referenzverdächtige) technische Qualität sowie sehr umfangreiches und interessantes Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,66:1
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162:49 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Deutsch DTS-HD Master Audio 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Volker Schlöndorff über den Director's Cut
- Aufnahmen von der Synchronisation
- Die Blechtrommel - Erinnerungen von Volker Schlöndorff
- Interview mit Eberhard Junkersdorf
- Nikos Perakis über "Die Blechtrommel"
- Storyboards
- Fotogalerien
- Trailer
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Die Blechtrommel
Die Blechtrommel
Gelungene neue Langfassung des Filmklassikers
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Frankreich / Polen / Jugoslawien, 1979 Regie: Volker Schlöndorff Drehbuch: Jean-Claude Carrière, Günter Grass, Volker Schlöndorff, Franz Seitz Darsteller: Mario Adorf, Angela Winkler, David Bennent, Katharina Thalbach, Daniel Olbrychski
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 15.07.2010
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