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DVD-Besprechung - Stag Night

Story:
Mike (Kip Pardue) feiert mit seinen beiden Freunden Carl (Scott Adkins) und Joe (Karl Geary) sowie seinem Bruder Tony (Breckin Meyer) Junggesellenabschied. In der New Yorker U-Bahn treffen sie erneut auf Brita (Vanessa Shaw) und Michelle (Sarah Barrand), zwei Frauen denen sie bereits zuvor auf einer Party begegnet sind. Nach einem kleinen zwischengeschlechtlichen Streit finden sich alle sechs an einer stillgelegten Haltestelle wieder und die U-Bahn fährt ihnen davon. Leider ist dieser Teil des Tunnels zudem von äußerst mordgierigen Mutanten bewohnt, die hier offensichtlich alle Eindringlinge als Freiwild ansehen.

Meinung zum Film:
Regisseur und Drehbuchautor Peter A. Dowling trat bisher vor allem als Vorlagenschreiber für den Jodie-Foster-Thriller "Flightplan - Ohne jede Spur" in Erscheinung. "Stag Night" liegt inhaltlich irgendwo zwischen Slasher und Survival-Horror und bedient sich gerne bei prominenten Vorbildern wie "The Descent", "Creep", "Mimic", "Wrong Turn" und vielen weiteren. Von den Darstellern haben zumindest Breckin Meyer ("Road Trip"), Vinessa Shaw ("The Hills Have Eyes") und Scott Adkins ("Ninja: Revenge Will Rise") etwas prominentere Filme in ihrer Vita. Der Film erscheint in Deutschland ohne Jugendfreigabe und ist, trotz seiner sehr kurz anmutenden Laufzeit von nur 80:06 Minuten, inklusive Abspann, in dieser Fassung ungeschnitten.

"Stag Night" verlegt die blutige Jagd auf sechs Menschen, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort befinden, in die düsteren Tunnel der New Yorker U-Bahn. Dabei macht der Fehler gleich zu Beginn den Kardinalfehler seine Protagonisten gar nicht erst großartig einzuführen, was zwar einerseits das Erzähltempo beschleunigt, aber andererseits eine Identifikation mit den Charakteren erschwert. Nichtmal die für Slasher üblichen hassenswerten Charaktere, die dann nach den Genregesetzen im Lauf des Films im Sinne einer quasi göttlichen Gerechtigkeit bestraft werden, gibt es hier zu sehen. Zwar wird Mikes Bruder Tony hier anfangs als Westentaschenpsycho aufgebaut, aber ausgerechnet den stets gutmütig wirkenden Komödiendauerbrenner Breckin Meyer mit dieser Rolle zu betrauen, war schon eine grandiose, viel unfreiwillige Komik bergende Fehlentscheidung. Genial auch der Kniff der Verantwortlichen einen der momentan angesagtesten Kampfsportler, Scott Adkins, hier einfach als Joe Jedermann zu casten, der bereits nach 25 Minuten, ohne eine einzige Kostprobe seiner Fähigkeiten, als hilfloses Opfer der Mutanten das Zeitliche segnen darf. Die Mutanten selber sind aber einer der wirklichen Tiefpunkte des Films und wirken mit ihrem lieblosen Make Up eher wie eine Horde ungewaschener, unrasierter Biker, die sich in den falschen Film verirrt haben. Bedrohlich wirken sie jedenfalls zu keiner Zeit.

Die größte Schnapsidee des Films ist allerdings die bei den nicht eben zahlreichen Actionszenen verwendete Wackeloptik, die auch noch durch hektische Schnitte ergänzt, genutzt wird um das Geschehen weitgehend unkenntlich zu machen. Es wirkt als hätte der Kameramann mitten in einem Epilepsieanfall auch noch eine Überdosis Speed eingeworfen, sodass man als Zuschauer den Kameramann am liebsten mit rostigen Nägeln irgendwo fixieren würde um die wilde Karussellfahrt zu stoppen. Aber auch Zuschauer die auf blutige Effekte spekulieren, dürfte "Stag Night" eher enttäuschen, da sich hier vielleicht im gesamten Film drei härtere Sequenzen ergeben, die jedoch weder effekt- noch kameratechnisch wirklich überzeugend eingefangen werden. Würde es hingegen einen Oscar für Logikfehler geben, wäre "Stag Night" ein sicherer Titelanwärter. Was die Protagonisten hier veranstalten wirkt zu keiner Zeit nachvollziehbar. Das beginnt schon damit, dass sich zu Beginn zwei der Charaktere von der Gruppe abzusetzen um ein nettes Nümmerchen in dieser anheimelnden Umgebung zu schieben. Mal heißt es, ein Entkommen aus dem Tunnel wäre unmöglich, obwohl dieser ja von der regulären U-Bahn-Linie befahren wurde. Dann besitzt der Tunnel plötzlich wieder mehrere Etagen und zu einem anderen Zeitpunkt bewegen sich die Charaktere den Schienen folgend sogar im Kreis.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine gute Schärfe und auch die Kontrastwerte liegen trotz der häufig sehr dunklen Umgebung in einem ausgewogenen Bereich. Die Farbgebung wirkt kräftig und natürlich. Das leichte Bildrauschen fällt nicht störend ins Gewicht und auch die Kompression verhält sich unauffällig. Ein wenig störend wirken allerdings leichte Treppeneffekte an einigen Kanten. Die DVD offeriert gleich drei Tonspuren, wobei die deutsche und englische DD 5.1-Tonspur technisch auf einer Stufe stehen. Sie überzeugen mit guter Verständlichkeit und einer ausgewogenen Abmischung, Raumklangeffekte sind allerdings die Ausnahme. Die deutsche DTS-Tonspur macht hingegen noch einen etwas kräftigeren und voluminöseren Eindruck.

Auf der DVD befindet sich lediglich der deutsche Filmtrailer. Die Veröffentlichung verfügt über ein Wendecover.

Fazit:
Egal wohin man bei "Stag Night" schaut, der Film ist in jeder Hinsicht unterdurchschnittlicher Videothekenramsch. Die verwackelte Kameraführung nebst hektischer Schnitttechnik ist eine einzige Zumutung, die Effekte sind spärlich gesät und nicht sonderlich beeindruckend, die Charaktere sind Schablonen ohne Identifikationspotential, ein Logikfehler reiht sich an den nächsten und die spärlich geschminkten Mutanten taugen nichtmal dazu kleine Kinder zu erschrecken. Technisch kann die DVD überzeugen und auf zeitraubendes Bonusmaterial zu diesem überflüssigen Machwerk wurde glücklicherweise auch verzichtet.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
80:06 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Originaltrailer
Stag Night - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Stag Night
Stag Night

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein U-Bahn-Horrorfilm der das Prädikat unterirdisch in jeder Hinsicht verdient hat!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008
Regie:
Peter A. Dowling
Drehbuch:
Peter A. Dowling
Darsteller:
Vinessa Shaw, Scott Adkins, Breckin Meyer, Kip Pardue, Karl Geary, Sarah Barrand

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
02.07.2010