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Blu-ray-Besprechung - Battle in Seattle

Story:
Vom 30. November bis zum 2. Dezember 1999 soll in Seattle die Ministerkonferenz der Wirtschafts- und Handelsminister der WTO stattfinden. Aktivisten planen von langer Hand dieses Treffen durch friedliche Protestaktionen massiv zu stören. Doch schon recht früh kommt es zu Konfrontationen mit der Polizei, die mit der Zeit immer heftiger ausfallen. Die Auseinandersetzungen führen letzten Endes soweit, dass der Ausnahmezustand über der Stadt verhängt wird und die Nationalgarde zur Sicherung der Lage in das Zentrum einmarschiert.

Meinung zum Film:
„Battle in Seattle“ ist der erste und bislang auch einzige Film, für den Schauspieler Stuart Townsend („Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“) auf dem Regiestuhl Platz nahm, selbst das Drehbuch verfasste und zudem auch noch selbst produzierte. Mit dem Film hat er seine ganz persönliche Aufarbeitung der Ereignisse geschaffen, die durch das „Newsweek“-Magazin den martialischen Namen „Battle in Seattle“ erhielten. In seiner Erzählung zeigt Townsend die Entwicklung der Krawalle aus verschiedenen Perspektiven. Auf der einen Seite stehen die Aktivisten, die mit friedlichen Protesten und heiterem Gemüt dem Treiben der Konzernen und der reichen Industriestaaten die Stirn bieten wollen. Doch schon bald geraten einzelne Situationen aus dem Ruder und anarchisch veranlagte Demonstranten beginnen Wände zu beschmieren und Fensterscheiben einzuwerfen. Aber selbst der stille Protest sorgt für Druck auf die Stadtführung, da die Straßen blockiert werden und es kein Durchkommen mehr in der Stadt gibt. Die Konferenz droht wegen der Blockaden zu platzen.

Der Bürgermeister ist sich noch kurz vor der Konferenz sicher, die Lage im Griff zu haben. Er lässt sich als Sympathisant der Aktivisten feiern und verspricht ihnen Gehör bei der Ministerkonferenz zu verschaffen, wenn sie seine Stadt nicht in Trümmern legen. Als die Ausschreitungen eskalieren, ist er völlig überfordert mit der Situation und sieht nahezu ohnmächtig zu, wie in den Straßen der Metropole gekämpft wird. Die Polizei war anfangs nur deeskalierend im Einsatz und hatte den Auftrag, allein durch ihre Präsenz für Ruhe zu sorgen. Als sich dies als nicht sonderlich effektiv herausstellt, wird mit härteten Mitteln eingegriffen. Es wird Reizgas auf die Demonstrierenden gesprüht, dann kommen auch Schlagstöcke und Gummigeschosse zum Einsatz. Als sich die Lage nicht beruhigen will, sondern weiter zu eskalieren droht, beugt sich der Bürgermeister dem Druck von oben und verhängt den Ausnahmezustand, wonach sich die Nationalgarde um Ruhe im Stadtkern kümmert. Neben den Spielfilm-Szenen nutzt Townsend auch Archivmaterial von den damaligen Ereignissen, was der Stimmung sehr zu Gute kommt.  

Durch die Darstellung der verschiedenen Parteien gelingt es Townsend teilweise recht gut, die Entwicklung der Ereignisse darzustellen. Allerdings begeht er den Fehler, sich zum Ende immer weiter von seinem neutralen Standpunkt wegzubewegen und sich auf die Seite der Aktivisten zu schlagen. Vollkommen unnötig ist es auch, zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken und dabei in unterste Soap-Gefilde abzugleiten. So gerät die schwangere Frau eines Polizisten in eine Gruppe Randalierer und wird von einem Polizisten mit dem Schlagstock in den Bauch geschlagen. Ihr Mann dreht daraufhin am nächsten Tag durch und verfolgt einen der Rädelsführer der Aktivisten und schlägt diesen zusammen. Es ist zweifelsohne wichtig, ausgewählte Schicksale einzelner hervorzuheben, doch sollte man den Schmalztopf bei ernst gelagerten Filmen im Schrank belassen. Es hätte dem Film auch zweifelsohne gut getan, wenn er ein wenig mehr auf die Hintergründe eingegangen wäre, warum die Menschen auf die Straße gingen. Ihre Sorgen und Ängste werden immer nur kurz und oberflächlich angerissen, was aber selbst für einen flüchtigen Eindruck kaum ausreichend ist. So dramatisch und packend einzelne Momente auch erscheinen mögen, so leer wirkt der Film in seiner Aussage und so sehr schadet er sich selbst durch zu viel rührseligen Schmalz.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wird dem Medium Blu-ray nie ganz gerecht. Das Archivmaterial ist von der Wertung ausgenommen, da dies sicherlich gewollt in einem qualitativ anderen Rahmen als der Hauptfilm eingebunden wurde. Den restlichen Bildern fehlt es allerdings ein wenig an der Detailfülle, die man gewohnt ist. Die Farben wirken insgesamt recht kraftlos, was aber ebenfalls als Stilmittel angesehen werden dürfte. Der deutsche Ton in DTS-HD Master Audio 5.1 ist durchweg gut zu verstehen und wenn es die Bilder hergeben, wird auch von den Surroundmöglichkeiten reger Gebrauch gemacht.

Als Extra gibt es lediglich eine Bildergalerie und den Trailer zum Film. Ein ausführlicher Hintergrundbericht wird schmerzhaft vermisst.

Fazit:
„Battle in Seattle“ ist eine interessante Aufarbeitung der eskalierenden Gewalt rund um die Ministerkonferenz der Wirtschafts- und Handelsminister der WTO 1999 in Seattle. In teils packenden Bildern und aus verschiedenen Blickwinkeln wird die langsame Eskalation der Gewalt gezeigt. Allerdings sind fehlende Erklärungen, warum die Demonstranten auf die Straßen gingen und was die genauen Ziele der Konferenz waren, gepaart mit einigen viel zu schmalzigen Ereignissen alles andere als hilfreich für die Stimmung des Film.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
99:07 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Bildergalerie
Battle in Seattle - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Battle in Seattle
Battle in Seattle

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eine interessanter, teils aber zu schmalziger Film, der allerdings die Hintergründe ein wenig vernachlässigt


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA / Kanada / Deutschland, 2007
Regie:
Stuart Townsend
Drehbuch:
Stuart Townsend
Darsteller:
Martin Henderson, Michelle Rodriguez, Woody Harrelson, Charlize Theron, Jennifer Carpenter, André Benjamin, Ray Liotta, Connie Nielsen

Label Deutschland :
NewKSM
Verkaufsstart Deutschland :
12.07.2010

Vertrieb Schweiz :
NewKSM
Verkaufsstart Schweiz :
12.07.2010