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Blu-ray-Besprechung - Zeiten ändern dich

Story:
Anis Mohamed Youssef Ferchichi (Bushido) ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines tunesischen Vaters. Er wächst in Berlin-Tempelhof auf und hat dort immer wieder wegen seines ausländischen Typs unter der ablehnenden Haltung seines Umfelds zu leiden. Doch er beißt sich durch und wird zum gefeierten Rapper. Einen Kampf hat er aber noch zu beenden, den Frieden mit dem von ihm gehassten Vater zu schließen.

Meinung zum Film:
Eminem hat es erfolgreich in „8 Mile“ vorgemacht und nun Bushido versuchte es nun auch: Ein fesselndes Biopic, das auf dem eigenen Leben basiert für die große Leinwand zu erschaffen. Bei Eminem hat dies wunderbar funktioniert und der (einstige) Skandal-Rapper wurde für seine Leistung mit dem Oscar für den besten Titelsong geehrt. Im Falle von Bushido fällt die Faszination leider deutlich geringer aus. Dabei waren die Vorzeichen für den Film alles andere als schlecht. Mit Bernd Eichinger („Der Untergang“) hatte ein deutscher Produzent mit internationalem Renommee die Zügel in der Hand und mit Uli Edel („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) übernahm ein ebenso bekannter Regisseur die Drehleitung. Edel machte aber wieder den gleichen Fehler, der ihm schon beim „Baader-Meinhof-Komplex“ von vielen vorgeworfen wurde – er vergaß es erneut wichtige Momente zu vertiefen, wodurch der Film insgesamt wie ein bunter Flickenteppich erscheint, dem es ein wenig am Gesamtbild fehlt. Was beim Baader-Meinhof-Komplex aber auf Grund der Menge an Informationen und dem Umfang der Geschehnisse noch problemlos zu verzeihen war, erweist sich hier deutlich mehr als dramaturgisches Problem.

Insgesamt ist auch zu bemängeln, dass die Geschichte wie eine Beweihräucherung des Rappers wirkt. Zwar dürfen seine Freundin und sein Kumpel Arafat ihm jeweils einmal kurz die Meinung sagen, das war es dann aber schon mit den Schattenseiten im Leben von Bushido. Seine Lebensweise und seine Einstellung zu verschiedenen Themen werden durchweg sehr einseitig dargestellt. So gibt es zum Beispiel kaum eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seiner Tendenz zur Gewaltbereitschaft. Als er in einem Fall wegen Köperverletzung eingesperrt werden soll, verkauft er der Richterin sein Verhalten sogar als normal für die Straße und diese kauft ihm das natürlich ab und begnadigt ihn. Dazu passt dann auch der Gebrauch der Respekt-Schiene, die im Rap- und Hip-Hop-Bereich immer wieder gern als gelebtes Klischee gebracht wird. Allerdings scheint die Art der Einbringung des Ganzen in dem Film alles andere als authentisch und erscheint dadurch fast schon unfreiwillig komisch. Auch die schon oft diskutierte Titulierung von Frauen als Nutten wird kaum nennenswert vertieft und Umstände wie Urheberrechtsverletzungen oder der oftmals vorgeworfene Rechtsextremismus fallen gleich komplett unter den Tisch. Während Eminem in seinem Film keine Probleme damit hatte, sich selbst schonungslos als White Trash zu zeigen, lässt Bushido jede Art echter Kritik an sich vermissen. Seine Welt und seine Ansichten sind die einzig richtigen, alle anderen können ihn mal. Richtig kitschig wird es dann noch in der Storyline um seinen Vater. Spätestens damit ist Vorabend-Soap-Niveau erreicht und der vielleicht hauchdünne Ansatz einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Bushidos Leben komplett zu den Akten gelegt.

Nebenrollen sind u.a. mit Hannelore Elsner („Die Kommissarin“) als Bushidos Mutter und Moritz Bleibtreu („Das Experiement“) als sein Kumpel Arafat bestens besetzt. Doch nicht nur ihre Leistungen sind keineswegs mit dem zu vergleichen, was man von ihnen erwarten kann. Es ist kaum verwunderlich, wenn Bushido, der eben kein gelernter Schauspieler ist, meist sehr hölzern in seinen Aktionen wirkt und die Worte als andere als flüssig aus seinem Mund kommen. Wenn dann aber auch gestandene Darsteller wie in einem schnell heruntergekurbelten TV-Film agieren, spricht das weder für ihre Leistung und noch viel weniger für die Leistung des Regisseurs. Für einige dürfte die Besetzung des jungen Anis mit Elyas M'Barek alles andere als glücklich sein. Denn viele werden auf Grund der Ähnlichkeit der Darstellung immer wieder Cem Öztürk vor Augen haben, die Rolle aus „Türkisch für Anfänger“, mit der M’Barek seinen ersten Erfolg verbuchen konnte. Richtig schlecht oder gar langweilig wirkt der Film trotz aller seiner Macken aber trotzdem nicht. Durch sein zügiges Tempo ist für Langeweile kaum Platz vorhanden, es gibt immer wieder die ein oder andere Stelle mit Witz und ein gewisses Maß an Charisma kann man Bushido ebenfalls nicht absprechen. Inhaltich ernst nehmen kann man „Zeiten ändern dich“ aber ganz sicher nicht, aber für oberflächliche, nicht allzu ernstzunehmende Unterhaltung reicht es dann doch aus. Inhaltich muss aber eindringlich davor gewarnt werden, dass sich das Ganze die meiste Zeit über auf dem Niveau einer Vorabend-Soap bewegt.

Digitale Aufarbeitung:
Schärfe und Details können überzeugen und stellen ein durchschnittlich gutes Ergebnis für aktuelle Filmproduktionen auf Blu-ray dar. Der Kontrast ist insgesamt etwas tiefer gesetzt, was dem Film einen etwas düsteren Look verleiht und von daher sehr wahrscheinlich gezielt so abgemischt wurde. Der deutsche Ton in DTS-HD High Resolution 5.1 nutzt wann immer es die Situation erlaubt auch die Surroundmöglichkeiten. So sind unter anderem die Konzerteinlagen sehr schön auf die einzelnen Lautsprecher verteilt.

Das Making Of zum Film läuft rund 37 Minuten, schafft es die meiste Zeit über aber nur zu sagen, was man nicht mit dem Film erreichen wollte. Wer das Ergebnis zuvor gesehen hat wird sich sicherlich ein ums andere Mal denken, dass hier nachträglich versucht wird die Fehler schön zu reden, die man während des Drehs gemacht hat. Die Interviews fallen recht kurz aus und bieten einen ähnlich oberflächlichen Charakter wie das Making Of. Beim Blick hinter die Kulissen gibt es rund 9 Minuten Eindrücke vom Dreh. Freunde der Musik von Bushido dürfen sich noch auf das Musikvideo zu „Alles wird gut“ freuen. Abschließend gibt es noch eine Bildergalerie und die von Constantin Film gewohnten, knappen Infotafeln zu ausgewählten Künstlern des Films.

Fazit:
Bushido-Fans werden „Zeiten ändern dich“ ganz sicher mögen. Sie bekommen ein Bild und eine Philosophie von ihrem Star gezeigt, welche die Meisten von ihnen längst haben dürften. Wer sich einen tieferen Einblick in das Leben des kontroversen Künstlers erhofft, dürfte aber enttäuscht werden. Denn davon ist kaum etwas im Film enthalten. Dafür aber einiges an hinzugedichteten Soap-Elementen, die Teile des harten Gangster-Images von Bushido geradewegs in eine Folge „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ zu platzieren scheinen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
94:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD High Resolution 5.1
DTS-HD High Resolution 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Interviews
  • Blick hinter die Kulissen
  • Musikvideo "Alles wird gut"
  • Bildergalerie
  • Darstellerinfos
Zeiten ändern dich - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Zeiten ändern dich
Zeiten ändern dich

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Das Leben von Rapper Bushido, frei nach "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2010
Regie:
Uli Edel
Drehbuch:
Bernd Eichinger (basierend auf der Biografie von Bushido)
Darsteller:
Bushido, Elyas M'Barek, Karoline Schuch, Moritz Bleibtreu, Hannelore Elsner, Fler, Katja Flint, Uwe Ochsenknecht, Numan Acar

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
15.07.2010