Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Slipstream Dream
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Slipstream Dream

Story:
Felix Bonhoeffer (Anthony Hopkins) hat kürzlich das Drehbuch zu einer Filmproduktion geschrieben, die jedoch völlig aus dem Ruder läuft, als Hauptdarsteller Matt Dobbs (Christian Slater) vor Ort nach eigenem Gutdünken ständig das Skript verändert. Nachdem Dobbs einem Herzanfall zum Opfer fällt, herrscht endgültig totale Führungslosigkeit und Bonhoeffer ist gezwungen die Dreharbeiten selbst zu überwachen. Dabei scheinen führ ihn jedoch die Grenzen zwischen Realität und Fiktion völlig zu verschwimmen und viele seiner Filmcharaktere führen plötzlich ein fleischgewordenes Eigenleben.

Meinung zum Film:
Anthony Hopkins ("Nixon") ist ein herausragender Charakterdarsteller, der aber auch im Kommerzkino Hollywoods ein großes Zugpferd darstellt. Er nahm auch bereits zweimal auf dem Regiestuhl Platz, die dabei entstandene Dokumentation sowie das Drama "August" blieben jedoch weitgehend unbemerkt. Für "Slipstream", oder im Deutschen "Slipstream Dream", übernahm Hopkins jedoch in Personalunion gleich die Hauptrolle, die Regie, das Drehbuch und die Filmmusik. Dass der Film nun erst drei Jahre nach seiner Entstehung direkt auf DVD nach Deutschland kommt, schürt dabei böse Vorahnungen, auch wenn der Film in den USA zumindest auf einigen renommierten Festivals lief. Dabei hat die Besetzungsliste der schmal budgetierten Produktion durchaus einige bekannte Namen zu bieten, wie beispielsweise Christian Slater ("Very Bad Things") oder John Turturro ("Transformers").

"Slipstream Dream" dürfte einen Großteil seiner Zuschauer bereits in den ersten zehn Minuten mit seinem konfus-experimentellen Einstieg ohne jeglichen roten Faden verschrecken. Wer jedoch weiter durchhält wird keineswegs dafür belohnt, denn es ändert sich im Grunde gar nichts und die gesamte Filmstruktur bleibt experimentell und bruchstückhaft, während verschiedene Zeit- und Realitätsebenen durcheinander laufen und Dramaturgie genauso wenig eine Rolle spielt wie ausgefeilte Dialoge. Vielmehr erschlägt einen der Film bereits auf handwerklicher Ebene mit der Überstrapazierung verschiedenster Stilmittel, weitgehend ohne Bezug zum Inhalt. Ob schnelle Schnitte unterschiedlichster Stilrichtungen, Schwenks, Überblendungen, Wechsel von Schwarz-Weiß zu Farbe und umgekehrt, der Einbau alter Nachrichtenschnipsel und ständiger Flashbacks aus der Vergangenheit, der Einsatz diverser Farbfilter, oder akustische Spielereien wie Verfremdungen und beschleunigte Monologe, hier gibt es kein Element aus dem Werkzeugkasten eines Filmemachers, das Hopkins nicht bemühen würde. Durch die damit einhergehende Vernachlässigung des Plots und vor allem auch der Charaktere, die hier wie austauschbare Geisterwesen ohne eigene Motivation wirken, verliert der Zuschauer zunehmend den Faden und versucht sich genervt der Reizüberflutung zu entziehen.  

Wer sich jetzt allerdings die Hände reibt und tiefgründiges Arthauskino erwartet, der muss leider ebenfalls enttäuscht werden. Denn clever sind Hopkins' Fingerzeige und nachgeschobene Erklärungsmuster nun wahrlich nicht. Und wer beispielsweise schon mal "Dead End" aus dem Jahr 2003 gesehen hat, wird hier schon früh Déjà-vu-Erlebnisse erfahren. Auch Freunde von David Cronenberg oder David Lynch sollten hier keinen zweiten "Naked Lunch" oder endlosen Diskussionsbedarf nach dem Ende des Abspanns erwarten, denn so psychedelisch oder surrealistisch fällt der Film bei Weitem nicht aus und kokettiert zudem auch noch viel zu sehr mit dem Genre des Dramas. Letztendlich handelt es sich hier vor allem um den wirr präsentierten Selbsterkenntnistrip eines Autors, in dessen Kopf verschiedene Bewusstseins- und Zeitebenen miteinander verschmelzen. Das erinnert auch ein wenig an "Fear and Loathing in Las Vegas", aber hier fehlen eben die Drogen und der Humor.

Digitale Aufarbeitung:
Die vordergründige Bildschärfe kann für eine relativ schmal budgetierte Produktion durchaus überzeugen und auch die Farbgebung ist kräftig ausgefallen, auch wenn sie häufigen Verfremdungen unterliegt und die Optik somit alles andere als natürlich wirkt. Gerade im konturlos wirkenden Bildhintergrund gehen jedoch viele Details verloren und auch die Kontrastwerte unterliegen stärkeren Schwankungen, was sich vor allem in häufigen Überstrahlungen äußert. Bildrauschen fällt im Grunde gar nicht ins Gewicht und wurde wahrscheinlich auf Kosten der Hintergrundschärfe kaputtgefiltert. Die Tonspuren bieten alle eine gute Dialogverständlichkeit, das Raumklangerlebnis hält sich aber stark in Grenzen, da der Film actionarm und dialoglastig daherkommt. Die Qualität der deutschen Synchronisation ist durchwachsen und wirkt teilweise arg steril und gekünstelt, zudem muss z.B. Christian Slater auf seine gängige deutsche Synchronstimme verzichten.  

Auf den ersten Blick wirkt das Bonusmaterial ziemlich umfangreich, enttäuscht aber insgesamt beinahe auf kompletter Linie. Das Making Of (15:26) bietet fast keine interessanten Hintergrund-Informationen. Das liegt vor allem daran, dass sich Hopkins selbst hier zwar mehrmals äußern darf, zudem aber irgendwie versucht wurde fast jede Person, die irgendwie an dem Film beteiligt war auch noch mit irgendeinem Statement in dieses Feature zu packen. Die Deleted Scenes (12:11) bestehen aus zwei sehr kurzen Szenen und einer extrem langatmigen Dialogsequenz, die zwar wenigstens, anders als der Film, einen Bezug zu Dietrich Bonhoeffer herstellt, aber ansonsten auch absolut entbehrlich erscheint. Das einzige deutsche Extra auf der DVD ist der Originaltrailer, das restliche Bonusmaterial ist in englischer Sprache und offeriert nicht mal Untertitel. Auf der DVD befinden sich auch noch zwei Poster mit Motiven des Films und eine Slideshow mit Filmszenen, kurz gesagt handelt es sich hier um Extras, die die Welt nicht braucht. Die Bio- bzw. Filmographien zu Anthony Hopkins, Christian Slater, Michael Clarke Duncan und John Turturro sind ebenfalls nicht sonderlich ergiebig ausgefallen. Den Abschluss bildet der Audiokommentar von Anthony Hopkins, im Grunde das einzig ernstzunehmende Bonusmaterial auf der DVD. Leider gibt es hierzu unverständlicherweise auch keinerlei Untertitel. Zudem vermittelt Hopkins zwar einige Hintergrundinformationen zur Entstehung des Films, besser oder gar tiefsinniger wird er aber dadurch auch nicht, und zudem wirkt sein Vortrag größtenteils recht steif und emotionslos. Die DVD besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Slipstream Dream" ist ein Film der von Anfang an nichts unversucht lässt, um mit Hilfe seiner überstrapazierten handwerklichen Spielereien und der konfusen Erzählstruktur, möglichst viele Zuschauer zu verprellen. Auch wer sich auf diese Vorgehensweise des Films einlässt, wird dafür nicht belohnt und muss schnell erkennen, dass der Film inhaltlich ebenfalls hauptsächlich aus heißer Luft besteht und die vergleichsweise banale Auflösung bereits recht früh auf der Hand liegt. Technisch kann sich die DVD für eine kleine Produktion durchaus sehen lassen, das Bonusmaterial lässt aber viele Wünsche offen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
92:12 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Deleted Scenes
  • Deutscher Originaltrailer
  • Poster
  • Slideshow
  • Filmographien von Anthony Hopkins, Christian Slater, Michael Clarke Duncan und John Turturro
Slipstream Dream - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Slipstream Dream
Slipstream

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein völlig misslungenes Filmexperiment, mit dem Zuschauer als gebeutelter Laborratte


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Anthony Hopkins
Drehbuch:
Anthony Hopkins
Darsteller:
Anthony Hopkins, Lana Antonova, Stella Arroyave, Michael Clarke Duncan, Gavin Grazer, Christian Slater, John Turturro

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
30.07.2010