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DVD-Besprechung - Monster X gegen den G8-Gipfel

Story:
Ausgerechnet zum Zeitpunkt des G8-Gipfels in Toyako (Japan), auf dem der Klimawandel und dessen Auswirkungen diskutiert werden sollen, kracht eine chinesische Marssonde in Sapporo herunter. Und fatalerweise trug sie Weltraumsporen im Schlepptau, deren Mutation das riesenhafte Monster Guilala hervorbringt. Fortan versuchen der japanische Ministerpräsident und sämtliche auf dem G8-Gipfel vertretenen Regierungsoberhäupter das zerstörungswütige Monster mit Hilfe individueller Problemlösungsansätze zu beseitigen.

Meinung zum Film:
Der Japaner Minoru Kawasaki ist vor allem als Komödienexperte bekannt und schuf bisher bereits vom Namen her skurille Werke wie "Der Calamari-Wrestler" oder "The World Sinks Except Japan". Für seine Anhänger ist er ein Kultregisseur, für viele Kritiker wohl eher der Schöpfer klamauklastiger Schundfilme. Für sein neuestes Werk schrieb sich der Regisseur eine Hommage an das in Japan seit jeher extrem populäre Genre des Monsterfilms, genannt Kaijū Eiga, auf die Fahnen. "Monster X gegen den G8-Gipfel" stellt dabei eine Quasi-Fortsetzung des Genrevertreters "Guila - Frankensteins Teufelsei" aus dem Jahr 1967 dar, der selbst für seine Zeit und diese Filmsparte als extrem trashig und handwerklich billig gelten kann. Eben der titelgebende Guila, bzw. im japanischen Original G(u)ilala, ist auch hier wieder mit an Bord und der Großteil der Monstersequenzen des aktuellen Titels wurde schamlos aus dem Original übernommen. Im Original leiht Kultregisseur und -darsteller Takeshi Kitano ("Brother") Guilalas riesenhaftem Gegner Take-Majin seine Stimme, dessen maskenhafte Gesichtszüge ebenfalls seiner Person nachgeahmt wurden. Kawasaki wurde mit seinem Werk sogar zu den 65. Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2008 eingeladen, der Film lief allerdings außerhalb des Wettbewerbs.  

Mit seinem aktuellen Werk spaltet Kawasaki, der sich selbst als Genrefreund und Fan des Originals bezeichnet, die Gemeinde der Monsterfilmfreunde japanischer Prägung. Die Meinungen über den Film reichen dabei von gelungener Hommage über respektlose Veralberung des Genres bis hin zum Verriss als klamaukiger Politsatire mit nur vagen Bezügen zum Monsterfilm per se. Betrachtet man zunächst mal die neu erstellten Monstersequenzen, so ist zumindest zu sagen, dass das Weltraumhuhn mit Antennen, kurz Guilala, mindestens genauso albern aussieht wie das Original. Allerdings wirken diese neu gedrehten "Mann-im-Latexanzug"-Sequenzen qualitativ nochmal um Welten schlechter als das eh schon recht billige Original und der Endkampf der beiden Titanen, Guilala gegen den heraufbeschworenen, gutartigen Riesendämon Take-Majin ist eine einzige Enttäuschung. Da das Monster ansonsten nur in schlechtgetricksten Sequenzen zu sehen ist, wenn die G8 wieder eine ihrer vermeintlichen Wunderwaffen dagegen einsetzt, werden Genrefreunde hier, bis auf kleine Anspielungen auf Eigenheiten dieser Filmsparte oder akustische Entlehnungen, in der Tat kaum angesprochen.  

  Vielmehr nimmt der vermeintliche, politische Satireteil deutlich mehr Raum ein. In deren Verlauf kommt es zu extrem kindischen, klamauklastigen Anspielungen auf bekannte Realpolitiker bzw. die Eigenheiten bestimmter Großmächte, die übrigens im Original alle in ihrer Landessprache palavern. Der US-Präsident ist natürlich ein echter Draufgänger, der französische Vertreter, im Dt. Sorkozy, ist ein echter Schürzenjäger und das russische Staatsoberhaupt, im Dt. Purtin, ist vor allem antiamerikanisch. Für die deutsche Synchronisation bekam unsere einheimische Vertreterin, Angelika Merkel, eine neue Stimme verpasst, und zwar eine mehr schlechte als rechte Stimmimitatorin der realen "Angie". Das wirkt ähnlich missglückt wie die leicht verfremdeten Namen der Politiker, keiner der vorkommenden Darsteller/Charaktere hat auch nur die leiseste optische Ähnlichkeit mit dem Original. Auch die Gags bestehen nur aus albernen Zoten und der Aufwärmung lange vergessen geglaubter Vorurteile und Klischees. Geschmacklos wird es zudem spätestens dann, wenn ausgerechnet die deutsche Kanzlerin beschließt, Nervengas gegen das Monster einzusetzen...

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD kann nicht verhehlen, dass es sich hier um eine Billigproduktion handelt. Es wirkt, als wäre hier mit einer preisgünstigen DV-Kamera gedreht worden, dementsprechend wirkt die Bildschärfe nur durchschnittlich und tendenziell recht weich. Außerdem kämpft das Bild bei den Kontrastwerten mit Überstrahlungen, während bei dunkleren Sequenzen weitere Details verschluckt werden. Die Farbgebung ist relativ natürlich, mal abgesehen vom starken Rotstich vieler Gesichter, und durchaus kräftig ausgefallen. Bildrauschen liegt quasi überhaupt nicht vor und auch die Kompression verrrichtet unauffällig ihren Dienst. Die Sequenzen des Vorgängers von 1967 wurden weitgehend homogen eingebaut, lediglich ein stärkeres Bildrauschen ist hier zu erkennen. Die deutsche Tonspur bietet eine gute Dialogverständlichkeit und ist auch ausgewogen abgemischt, an räumlichen Effekte mangelt es hingegen. Die deutsche Synchronisation ist durchschnittlich ausgefallen. Neben der misslungenen Merkel-Parodie nervt z.B. auch ein gravierender Dialogbuchfehler nach rund 40 Minuten, wo eine italienisch-japanische Übersetzungssequenz sinnloserweise komplett deutsch vertont wurde.  

Eingeleitet wird das Bonusmaterial mit dem "Kostüm-Test" (6:25), der kurz die Anprobe des Kostüms und die ersten Schritte des Monsters begleitet. Das Feature "Die Dreharbeiten" (15:35) zeigt den Verlauf der drei Drehtage, in denen die neuen Monstersequenzen entstanden und unterstreicht noch deren billige Produktionsweise. "Auf dem Filmfestival von Venedig" (14:49) begleitet den Regisseur bei seinem Ausflug zum Filmfestival von Venedig im Jahr 2008 und zeigt den Regisseur bei Presseterminen, der Filmpremiere und auf einer Sightseeing-Tour durch die Stadt. Diese Extras sind durchgehend deutsch untertitelt. Zudem gibt es noch den Filmtrailer in deutscher und japanischer Sprache. Den Abschluss des Bonusmaterials bildet der Audiokommentar von Jörg Buttgereit ("Monsterland"), der ja bereits auf der DVD zu "Der Große Japaner" in gleicher Weise seiner Funktion als Monsterexperte ausfüllte. Buttgereit ist hier sehr engagiert bei der Sache und redet auch fast ohne Pausen. Dabei liefert er umfassende Hintergründe zum Genre des japanischen Monsterfilms, seinen Vertretern, dem Vorbild des vorliegenden Titels und wichtigen personellen Vertretern dieser Filmsparte. Allerdings vernachlässigt er dabei auch, abgesehen von Infos zu den Verantwortlichen und Mitwirkenden des Films, ein wenig das eigentliche Geschehen auf dem Bildschirm bzw. die direkten Bezüge. Insgesamt richtet sich der Audiokommentar eher an Neulinge im Genre, regelmäßige Betrachter von japanischen Vertretern dieser Zunft werden eher nichts Neues erfahren. Die DVD besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Monster X gegen den G8-Gipfel" ist ein billigst produzierter, alberner Polit-Klamauk, der sich gegenüber dem japanischen Monsterfilm vor allem respektlos verhält, erschreckenderweise jedoch nichtmal in der Lage ist, selbst rund 40 Jahre alten Genreproduktionen tricktechnisch auch nur annähernd das Wasser zu reichen. Es fehlte hier offensichtlich an allen Ecken an Geld, Engagement und Phantasie. Technisch gibt sich die DVD eher durchschnittlich, was angesichts der billigen Produktionsweise allerdings nicht wirklich verwundert, dafür sind die Extras halbwegs umfangreich ausgefallen und sind auch qualitativ durchaus angemessen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
93:41 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Japanisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • "Kostüm-Test"
  • "Die Dreharbeiten"
  • "Auf dem Filmfestival von Venedig"
  • Deutscher und japanischer Filmtrailer
  • Audiokommentar von Jörg Buttgereit
Monster X gegen den G8-Gipfel - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Monster X gegen den G8-Gipfel
Girara no gyakushû: Tôya-ko Samitto kikiippatsu

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Klamaukhafte Politsatire, die gerne eine Hommage an das japanische Monsterfilmgenre gewesen wäre


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan, 2008
Regie:
Minoru Kawasaki
Drehbuch:
Masakazu Migita
Darsteller:
Hide Fukumotu, Jon Heese, Akira Matsushita, Lily Franky, Bin Furuya, Junichi Inoue

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
30.07.2010