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DVD-Besprechung - Für eine Handvoll Italo-Western Box #1
Story:
Yankee Yankee (Philippe Leroy) ist ein Kopfgeldjäger, der sich nach New Mexico verirrt. Im dortigen Grenzgebiet herrscht der große Concho (Adolfo Celi) unbarmherzig mit seiner Bande und terrorisiert die Anwohner und die Banken der Gegend. Nachdem Yankee Concho vorschlägt, dessen Bandenmitglieder kurzerhand beim örtlichen Sheriff abzuliefern und sich das Kopfgeld zu teilen, lehnt dieser natürlich ab. Yankee schwört daraufhin, die Bande einen nach dem anderen umzulegen, und Concho zuletzt.
Für einen Sarg voller Dollars Hagen (Klaus Kinski) ist Chef einer Horde Banditen, die eines Tages die Hamiltons überfallen. Dabei stirbt einer der Brüder Hagens, was dieser zum Anlass nimmt, die gesamte Familie auszulöschen – alle bis auf einen, nämlich Nevada Kid (Jeff Cameron), der wiederum an Hagen Rache nehmen will.
Django – Die Geier stehen Schlange Django (Anthony Steffen) kommt eines Tages nach Hause und muss feststellen, dass seine indianische Frau ermordet und sein kleiner Sohn Jerry entführt wurde. Er macht sich auf die Suche nach seinem Sprössling, doch auch nach ca. 20 Jahren hat er ihn noch nicht gefunden. Jerry wurde nämlich vom Schurken „Schakal“ (Fernando Sancho) mitgenommen und großgezogen. Als Jerry (Roberto Miali) erwachsen ist, plant Sancho einen Überfall auf die Stadt, in der Django gerade verweilt.
Meinung zum Film:
Los geht diese Italowestern-Collection, die aus Repacks bereits einzeln bei Koch Media erschienener Western besteht mit „Yankee“. Regisseur Tinto Brass („Caligula“) wagte sich 1965 erst- und leider auch letztmalig an einen Western und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Bereits in jener Frühzeit des Genres hat er die von Sergio Leone diktierten Gesetze des Italowesterns adaptiert und einen erstaunlichen Film abgeliefert, der allein durch die magere Geschichte an sich ein wenig Punkte verliert. Auffallend sind die zahlreichen, genreprägenden Nahaufnahmen von Körperteilen wie z.B. den Augen. Brass spielt aber schon hier mit den Gesetzen des Italowesterns und so wird auch schon mal das Ohr des Protagonisten rangezoomt, wenn er etwas wichtiges hört, oder wenn die Geliebte Conchos eingeführt wird – mit einer Großaufnahme ihres Fußes. Überhaupt wird in „Yankee“ sehr viel und sehr schön mit der Kamera gespielt. Aufnahmen von oben und Gegenschnitte von unten, oder eine sehr interessante Szene, in der eine Gruppe Banditen um einen Skorpion herumsteht, der dann von unten (in Wahrheit auf einer Glasscheibe sitzend) gezeigt wird. Eine Szene, in der Conchos Frau den Yankee küssen soll, wird plötzlich knallrot ausgeleuchtet, was man im Nachhinein als kleine Vorschau auf die späteren Werke des Regisseurs ansehen kann. Dies alles und die recht spannende, actionhaltige Handlung täuschen erfolgreich darüber hinweg, dass die Story an sich nur 08/15-Ware ist. „Yankee“ lebt eher von vielen kleinen Einfällen, die diesen Film zu einem echten Geheimtipp machen, z.B. eine Szene, in der ein Indio seine auf seinen Schultern stehende und am Galgen hängende Frau stützen muss; eine Einstellung, die Jahre später in „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu einem Sinnbild für den Italowestern werden sollte.
Weiter geht es mit einem „Sarg voller Dollars“. Regie führte hier Demofilo Fidani. Kenner werden nun abwinken oder entsetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen, denn Fidani ist bei Westernfans vor allem als Wahrzeichen des billigen Trashfilms bekannt. Wir „verdanken“ ihm Machwerke wie „Django und Sartana kommen“ oder „Sein Name war Pot – aber man nannte ihn Halleluja“, die oftmals denselben Stamm an Darstellern vorwiesen – allen voran Jack Betts, Jeff Cameron und Gordon Mitchell, die sich auch komplett wieder beim „Sarg voller Dollars“ versammelten. Komplettiert wird die Darstellerriege durch Zugpferd Klaus Kinski („Mörder des Klans“), der den Oberschurken Hagen gibt. Ist man nun schon auf das Schlimmste gefasst, muss man sich beim Zuschauen dann doch wundern: entgegen sämtlicher anderer Werke von Fidani weist dieser Film eine einigermaßen nachvollziehbare Handlung auf. Die eingestreuten Sprüche und auch einige Dialoge im Film sind zwar überwiegend schwachsinnig, dennoch muss man Fidani bescheinigen, dass er mit diesem Werk die Unterhaltungsstufe „unterer Durchschnitt“ nur selten bis gar nicht unterschreitet – Kenner dieses Regisseurs wissen, dass diese Bewertung schon einer Adelung gleichkommt. Die billigen Locations der Marke „Kiesgrube“ hat der spätere Regisseur Aristide Massaccessi („Man Eater“), besser bekannt unter seinem Pseudonym Joe D’Amato, handwerklich sauber eingefangen und trägt so als Kameramann seinen Teil dazu bei, dass der Sarg voller Dollars nicht untergeht, sondern ständig knapp über der Oberfläche schwimmt. Die Darsteller haben grundsätzlich, abgesehen von Kinski, alles andere als Weltniveau, vermeiden hier aber Totalausfälle und sorgen so für zumindest erträgliche Unterhaltung. Trotz aller Lobhudeleien, die man immer unter dem Kontext sehen muss, dass hier vom schlechtesten Regisseur des Genres die Rede ist, darf man eines nicht vergessen: vielleicht ist dieser Film einer der besten von Fidani, aber qualitativ ist dieser Beitrag natürlich noch Lichtsterne von Klassikern wie „Für eine handvoll Dollar“ oder „Der Gehetzte der Sierra Madre“ entfernt.
Beendet wird die Box mit „Django– Die Geier stehen Schlange“. In der Originalfassung heißt der Held des Films Johnny und wurde nur in Deutschland zugkräftig zu einem „Django“ gemacht. Johnny/Django wird dargestellt von Anthony Steffen („Killer Kid“), sein Gegenspieler ist Fernando Sancho („Killer Kid“), der mit seiner unberechenbaren Art den Helden locker an die Wand spielt. Inszeniert wurde der Streifen von Alberto Cardone, der im selben Jahr noch den Original-„Sartana“ drehte, in dem Gianni Garko noch die böse Variante des Titel-„Helden“ spielt. Aber „Die Geier stehen Schlange“ braucht sich nicht vor dem Klassiker in Cardones Schaffen zu verstecken, ganz im Gegenteil bietet der Film eine interessante Handlung, die sich vom sonstigen Einheitsbrei vieler anderer Genrevertreter angenehm abhebt. Während Django in den Jahren nach dem Mord an seiner Frau und der Entführung seines Sohnes stets gesetzestreu, aber unerbittlich verhält, wird aus seinem Sohn Jerry dank des Schakals ein Bandit, der die Unberechenbarkeit seines vermeintlichen Vaters noch zu übertreffen vermag. Der Film arbeitet stringent auf das unvermeidliche Finale hin, in dem sich Vater und Sohn als Feinde gegenüberstehen, ohne ihre gemeinsame Vergangenheit zu kennen. Geringfügige Langeweile produziert jedoch der recht hohe Frauenanteil in diesem Streifen, der ziemlich ungewöhnlich für das Genre ist. Besonders negativ fällt hier die naive Schwester Sybil (Elisa Montés) der örtlichen Saloonbesitzerin auf, die sich von Jerry entgegen vieler Warnungen becircen lässt und sogar nicht davor zurückschreckt, ein mehrere Minuten langes Lied zum besten zu geben. Dramaturgisch wurde Sybil aber passend eingebaut und so kann man auch mit ihr im Film leben. Insgesamt bietet diese Box 3 Western mit gemischter Qualität, immerhin können 2 Vertreter überwiegend gut unterhalten und beim Schwächsten überzeugt immerhin der Cast – wer die Einzel-DVDs noch nicht hat, kann hier gern zuschlagen!
Digitale Aufarbeitung:
Bei „Yankee“ und bei „Django“ ist das Bild ist sehr schön geworden, satte Farben und eine angenehme Schärfe verwöhnen den Zuschauer. Gelegentlich gibt es bei „Yankee“ kleine Bildverschmutzungen zu sehen, im Großen und Ganzen kann man aber mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein. Eine echte Überraschung ist die Bildqualität bei „Für einen Sarg voller Dollars“ – natürlich ist man von Western aus dem Hause Koch einiges an Balsam für die Augen gewohnt, dennoch ist es erstaunlich, wie gut dieser in der Vergangenheit vermutlich wenig gepflegte Film restauriert wurde. Farben, Kontrast und Bildschärfe sind sehr gut, Bildverschmutzungen sind keine zu entdecken. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 ist bei allen 3 Filmen gut verständlich.
Zu allen 3 Filmen gibt es jeweils den deutschen und den italienischen Trailer, sowie eine Bildergalerie. Bei „Für einen Sarg voller Dollars“ gibt es zusätzlich die Dokumentation „Memories from the near west“, in der sich Fidani-Tochter Simonetta Vitelli an die Dreharbeiten zu diesem Film und ihren Vater im Allgemeinen erinnert. Bei „Django – Die Geier stehen Schlange“ ist die rund 40-minütige Dokumentation über den Komponisten Francesco de Masi zu sehen, in der auch italienische Film-Prominenz zu Wort kommt, wie z.B. Enzo Castellari und Umberto Lenzi.
Fazit:
Das Western-Pack „Für eine Handvoll Italowestern“ bietet mit „Für einen Sarg voller Dollars“ einen unterdurchschnittlichen Western von Murks-König Demofilo Fidani, der mit Klaus Kinski immerhin gut besetzt ist. Die anderen beiden Filme können da schon eher überzeugen. So glänzt „Yankee“ mit unterhaltsamen optischen Einfällen und „Django – Die Geier stehen Schlange“ mit einer guten Story. Wer die Einzel-DVDs aus der Italowestern-Collection noch nicht hat, sollte zugreifen. Einen Mehrwert gegenüber den Einzelveröffentlichungen gibt es jedoch nicht.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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Die Geier stehen Schlange: 95:40 Minuten
Für einen Sarg voller Dollars : 82:53 Minuten
Yankee: 93:23 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Italienisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Zu jedem Film: deutscher und italienischer Trailer, Bildergalerie mit Aushangfotos
- Featurette "in memory of Francesco de Masi"
- Featurette "Memories from the near west"
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Yankee / Für einen Sarg voller Dollars / Django - Die Geier stehen Schlange
Yankee / Per una bara piena di dollari /Sette dollari sul rosso
Keine Handvoll - aber immerhin 3 Western, davon 2 gute!
Autor der Besprechung:
Andreas Schultz
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1965, 1966, 1972 Regie: Tinto Brass, Demofilo Fidani, Alberto Cardone Drehbuch: Alfonso Balcázar, Tinto Brass, Juan Cobos, Demofilo Fidani Darsteller: Philippe Leroy, Adolfo Celi, Anthony Steffen, Fernando Sancho, Loredana Nusciak, Jack Betts,Gordon Mitchell, Jeff Cameron, Klaus Kinski
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 30.07.2010
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