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DVD-Besprechung - Valerie - Eine Woche voller Wunder

Story:
Die bislang stets wohlbehütete Welt der jungen Valerie (Jaroslava Schallerová) gerät mächtig ins Schwanken. Nachdem ihr ein paar Ohrringe gestohlen wurden und sie den Dieb verfolgte, erscheint ihre Umgebung nicht mehr die gleiche zu sein. Einige Menschen sehen auf einmal seltsam bleich aus und die meisten benehmen sich höchst seltsam und beängstigend.

Meinung zum Film:
Normalerweise sind Drop-Outs im Filmbereich alles andere als gern gesehen. Die Ausnahme ist jedoch ohne Zweifel die „Drop Out“-Reihe des kleinen Filmlabels „Bildstörung“, in der Klassiker jenseits des Mainstreams wie „Ein Kind zu töten“ oder „Overlord“ erschienen sind. Jüngster Spross in dieser Reihe ist nun der auf einem Roman des tschechischen Schriftstellers Vítezslav Nezval basierende „Valerie – Eine Woche voller Wunder“, der bislang noch nie im deutschsprachigen Raum erschienen ist. Der tschechischen Regisseur Jaromil Jireš („...und ich grüße die Schwalben“) zeigt darin ein wunderbar verträumt präsentiertes Märchen für Erwachsene, das weniger durch die erzählte Geschichte zu unterhalten weiß, als vielmehr durch seine äußerst kunstvolle und fantasievolle visuelle Art. So mag es für manch einen zwar einen Nachteil darstellen, dass der Film lediglich im tschechischen Originalton mit deutschen Untertiteln vorliegt, doch selbst wenn man gar nichts verstehen würde, könnte dies der Faszination der Bilder nur bedingt im Wege stehen. Zu den wunderbaren Aufnahmen gesellt sich noch der träumerische Soundtrack von Luboš Fišers („Das Geheimnis der Burg in den Karpaten“), der auch lange nach dem Sehen des Films noch im Ohr hängen bleibt und ein Garant für das Gelingen des Films ist.  

So ist es selbst ohne Worte, alleine durch die Bildsprache leicht zu erkennen, dass der Film von der Verwirrung eines Mädchens erzählt, das auf der Schwelle zur Frau steht und das sich mit den neuen Reizen und Sichtweise zurechtfinden muss. Auf der einen Seite sind diese für sich reichlich verstörend, auf ihre verstörende Art aber auch wieder verlockend schön. Dabei sind es die Bilder, die den Großteil des Geschehens vortragen, während die Worte lediglich zu einer Verfeinerung des Gesehenen beitragen. Die zu Zeiten der Dreharbeiten gerade mal 13-jährige Jaroslava Schallerová („Hamster im Nachthemd“) in der Rolle der Valerie verkauft die süße Unschuld auf eine wunderbar natürliche Weise. Sie schafft es spielerisch zwischen einem verängstigtem Mädchen und der erwachenden Frau zu wandeln. Regisseur Jaromil Jireš hat dabei aber stets das richtige Gespür, um seine Bilder nicht anzüglich oder gar pornografisch wirken zu lassen. Sexuelle Aspekte sind zwar im Grunde allgegenwärtig, werden stets aber nur sanft angedeutet und nur soweit gezeigt, wie es für die Stimmung des Films und dem Verständnis der Szene notwendig ist.  

Der Aufbau des Films hält sich in keiner Form an konventionelle Erzählweisen. Es gibt keinen richtigen Aufbau eines Spannungsbogens und auf einen klassischen Drehbuchaufbau wurde ebenfalls komplett verzichtet. Der Inhalt ist jeweils nur auf den Moment ausgerichtet und wird nur von einem feinen roten Faden durchzogen. Ein Nachteil ist dies allerdings nicht, da die Mischung aus Poesie und Symbolik so fein miteinander verwebt wurde, dass zu keiner Zeit der klassische Aufbau vermisst wird. Anstatt sich mit einer Geschichte zu beschäftigen, ist es bei „Valerie – Eine Woche voller Wunder“ die innere Zerrissenheit, die ohne Längen durch den Film führt. Die Gedanken und Empfindungen Valeries drücken sich stets als direkte Auswirkung in ihrem Umfeld aus. So wird die aufsteigende Sexualität des jungen Mädchens durch einen Vampir symbolisiert, der sich hinter einer Maske versteckt und sich spielend in ihr Leben einschleicht. Er versucht sie immer wieder aufs Neue zu verführen, in immer wieder neuen Maskeraden, mit einer Mischung aus Verlockung und Bedrohung. Aber auch Figuren wie der Freund, der vermeintlich ihr Bruder zu sein scheint oder die Großmutter, die dem Vampir für ewige Jugend Tribut zollt, sorgen für weitere Aspekte und Deutungsmöglichkeiten, auf die Sichtweise eines Mädchens auf dem Weg zur Frau. Wer sich einfach mal verzaubern lassen möchte von Bildern voller Poesie und märchenhafter Gruselstimmung, ist hier genau richtig.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wurde frisch von einem neuen Master abgetastet und liegt im originalen 4:3-Format vor. Der Bildstand ist durchweg ruhig, die Schärfe ist gut, Verschmutzungen oder analoge Defekte gibt es nur sehr selten zu erkennen. Der tschechische Ton liegt im Dolby Digital 2.0-Fornat vor und hat lediglich vereinzelt mal kleinere Verzerrungen in den Höhen, ist für sein Alter aber als richtig gut anzusehen. Zusätzlich kann auch eine separate Tonspur angewählt werden, die den alternativen Soundtrack des „The Valerie Project“ während des Films abspielt.  

DVDs aus dem Hause Bildstörung glänzen vor allem durch ihre liebevolle Aufmachung und auch „Valerie“ steht dem in nichts nach. So ist auf der DVD unter anderem ein sehr interessanter und mit zahlreichen Hintergrundinformationen versehener Audiokommentar zu hören, zu dem sich Daniel Bird, der auch einen Text zum Booklet beisteuerte und Peter Hames, seines Zeichens Autor des Buches „The Czechoslovak New Wave“ vor dem Mikrofon einfanden. Die Features beginnen mit „Waking Valerie“, einem ausführlicher Blick zurück auf die Entstehung und die Hintergründe des Films. Weiter geht es mit „Valerieholics“, in dem sich verschiedene Künstler ausführliche über ihre ganz persönliche Beziehung zum Film äußern. Ergänzt wird der Beitrag noch um den Musikclip zu „Valerie“ von Broadcast. Zusätzlich liegt auch noch der komplette Ohrwurm-Soundtrack zum Film auf CD bei. Das ebenfalls beiliegende Booklet geht weit über das hinaus, was üblicherweise angeboten wird. Auf 64 Seiten wird hier auf unterschiedliche Weise der Inhalt und die Entstehung des Film genauestens unter die Lupe genommen. Dem großen FSK-Aufkleber ist man erneut dadurch zu Leibe gerückt, dass man einen Umschlag um den Schuber legte.

Fazit:
„Valerie – Eine Woche voller Wunder“ ist ein vor allem in visueller Hinsicht beeindruckendes Märchen für Erwachsene. Auf sehr fantasievolle und träumerische Art zeigt der tschechische Regisseur Jaromil Jireš die innere Zerrissenheit eines Mädchens, das auf der Schwelle zur Frau steht. Freunde des Kinos jenseits des Mainstreams sollten sich keinesfalls von der Tatsache, dass kein deutscher Ton enthalten ist davon abhalten lassen, sich dieses Kleinod anzusehen. Allein die Bildgewalt ist beeindruckend und bedarf ohnehin keiner großen Worte.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
73:22 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Tschechisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Daniel Bird und Peter Hames
  • Separate Tonspur mit dem alternativen Soundtrack von "The Valerie Project"
  • Waking Valerie
  • Valerieholics
  • Musikclip "Valerie" von Broadcast
  • Separate Audio-CD mit dem Originalsoundtrack von Luboš Fišer
  • 64-seitiges Booklet mit Texten von Giuseppe Dierna, Peter Hames, Tanya Krzywinska, Daniel Bird, Andy Votel und Joseph A. Gervasi
Valerie - Eine Woche voller Wunder - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Valerie - Eine Woche voller Wunder
Valerie a týden divu

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein bildgewaltiges, verträumtes Märchen für Erwachsene


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
CSSR, 1970
Regie:
Jaromil Jireš
Drehbuch:
Jaromil Jireš, Ester Krumbachová (basierend auf dem Roman von Vitezslav Nezval)
Darsteller:
Jaroslava Schallerová, Jirí Prýmek, Petr Kopriva, Jan Klusák, Helena Anýzová, Libuse Komancová, Alena Stojáková, Karel Engel, Alena Stojáková, Otto Hradecký, Martin Wielgus, Jirina Machalická

Label Deutschland :
Bildstoerung
Verkaufsstart Deutschland :
13.08.2010