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DVD-Besprechung - Kreuzritter 8 - Der Weiße Ritter

Story:
Der byzantinische Kaiser (Giancarlo Giannini) fürchtet, dass der "Große Türke" (Rafael Amargo) in Kürze Konstantinopel erobern will, da dieser bereits mehrere Städte des Reiches eingenommen hat. Daher lässt er den berühmten "Weißen Ritter" Tirant (Casper Zafer) zu sich kommen, der mit seiner Armee die Stadt verteidigen und die Türken in die Flucht schlagen soll. Doch bevor es so weit ist, trifft Tirant zufällig auf die kaiserliche Prinzessin (Esther Nubiola) - und eine nicht ganz einfache Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf, die bis hin zum Schlachtfeld führt.

Meinung zum Film:
Dass das Label MiG gerne mal eigene "Filmreihen" aus nicht wirklich zusammengehörigen Einzelwerken diverser Entstehungszeit zusammenwürfelt, ist ja mittlerweile bekannt. Und so verwundert es auch kaum, dass nun bereits der achte "Teil" von "Die Kreuzritter" erschienen ist, wobei man inzwischen nicht mal mehr bei der Titelgebung auf großartige Kontinuität wertlegt und das "Die" wegrationalisiert hat, sodass der vollständige Titel "Kreuritter 8 - Der Weiße Ritter" lautet - und ja, der Film ist genauso dämlich wie diese ungelenke Titelschöpfung. Zudem ist die DVD auch mal wieder eine Mogelpackung, denn weder der riesige Kreuzritter, den man auf dem Cover und im Menü zu sehen bekommt, noch der seltsame Wikinger(?)-Krieger mit wehendem Haar, den die Coverrückseite zeigt, tauchen tatsächlich im Film auf. Nicht mal mit "Kreuzrittern" selbst hat der Streifen was zu tun, da er nicht während der Kreuzzüge spielt, sondern es lediglich darum geht, das sich im Jahr 1401 bereits in christlicher Hand befindliche Konstantinopel vor einem Angriff der Türken zu bewahren.

Doch zur Handlung selbst: Der ruhmreiche "Weiße Ritter" Tirant (Casper Zafer) wird vom byzantinischen Kaiser (Giancarlo Giannini, "Casino Royale") nach Konstantinopel gerufen, um von dort aus in den Krieg gegen den "Großen Türken" (Rafael Amargo) zu ziehen, der bereits den Sohn des Kaisers tötete und einige der wichtigsten Städte des Reiches eingenommen hat. Doch bevor er sich in die Schlacht aufmacht, trifft er auf die Prinzessin Carmesina (Esther Nubiola), die Tochter des Kaisers, in die er sich natürlich sofort verliebt. Doch scheint die Liebe keine rosige Zukunft zu haben, denn Carmesina kann schließlich keinen Mann heiraten, der nicht aus einem Herrscherhaus stammt - und außerdem rechnet die Familie damit, dass der Große Türke sie zur Frau nehmen will, was den Krieg beenden würde. Carmesina rechnet sich dementsprechend auch keine großen Chancen aus ... doch ihre Zofen wollen sich nicht damit abfinden, künftig unter der Herrschaft eines Moslems zu leben und setzen alles daran, dass Tirant und Carmesina zusammenkommen. Schließlich bringt die Prinzessin ihre Eltern dazu, dass der ganze Hofstaat ebenfalls an die Front zieht, genauer gesagt in eine Burg in der Nähe des Schlachtfelds. Tirant ist darüber sehr erfreut, doch nicht nur seine Abstammung steht im Weg seiner Liebe ... auch die "friedliche Witwe" (Victoria Abril, "101 Reykjavík") - eine der Gefolgsfrauen der Prinzessin - ist ein Hindernis, da sie den Ritter für sich selbst haben will und daher diverse Intrigen spinnt.

Ist auf dem Cover noch von einer "mitreißenden Historien-Sage" die Rede, muss man beim Anschauen von "Der Weiße Ritter" schnell feststellen, dass der Film leider in erster Linie eine Erotik-Schnulze ist ... und eine völlig langweilige und uninteressante noch dazu. Zwar basiert der Streifen auf "Der Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc" von Joanot Martorell aus dem Jahr 1490, doch von der Qualität dieses hervorragenden Werks, das den Grundstein für moderne Literatur legte, ist der Film weit entfernt. Das fängt schon bei der nicht wirklich tiefgründigen Handlung an. Man sieht immer wieder die gleichen langweiligen, sich wiederholenden Elemente: Tirant wirbt um Carmesina, Carmesina ziert sich, dann reden die Zofen auf Carmsina ein und meckern, dass deren Eltern alt, senil und gebrechlich seien und man einen starken und vor allem christlichen Kaiser brauche, dann taucht die "friedliche Witwe" auf und erzählt sowohl Tirant als auch Carmesina Lügen, um den Weißen Ritter auf ihre Seite zu ziehen. Doch nicht mal die armseligen "Intrigen" können etwas Spannung in den Film bringen, da Tirant sowieso nur Carmesina liebt und auch diese sich in der nächsten Szene offensichtlich nicht mehr an die angeblichen schlimmen Dinge erinnert, die sie gerade von der Witwe erfahren hat. Logik sucht man auch vergebens ... der Zuschauer wird sich schon nicht fragen, warum man im Kaiserhaus fest mit einer Vermählung zwischen Tochter und Türke rechnet, aber trotzdem erst mal den Weißen Ritter bestellt, um gegen diesen Krieg zu führen. So bekommt man statt einer durchgängigen oder auch nur ansatzweise logischen Geschichte nur immer wieder mal enthüllte nackte Haut zu sehen - und einige Szenen, die einem doch recht seltsam vorkommen, z.B. wenn zehn Männer und Frauen Carmesina und Tirant beim Geschlechtsakt im wahrsten Sinne des Wortes "zur Hand gehen", da sich der Weiße Ritter gerade die Beine gebrochen hat ... So verwundert es auch kaum, dass man nach historischer Genauigkeit gar nicht erst suchen sollte - der tatsächlich im Jahr 1401 herrschende Manuel II. war noch über 20 Jahre lang Kaiser, danach wurde sein (lebender) Sohn Thronfolger ... Zumindest sind die Sets von "Der weiße Ritter" nett ausgestattet. Doch hübsche Kostüme allein machen noch lange keinen guten Film.

Digitale Aufarbeitung:
Die technische Seite der DVD ist befriedigend. Der Bildtransfer bietet natürliche Farben, die etwas kräftiger sein könnten, sowie eine annehmbare Schärfe, die während einiger Nahaufnahmen sogar vereinzelt Details erkennen lässt. Das Bild rauscht leicht, aber nicht in störendem Ausmaß, vereinzelt sind Bildfehler und Verschmutzungen sowie Doppelkonturen auszumachen. Die Kompression verhält sich relativ unauffällig, wenngleich es gelegentlich zu Artefaktbildung kommt. Der Ton liegt auf Deutsch und auf Englisch in Dolby Digital 5.1 und Stereo vor. Sowohl die deutsche Fassung als auch der Originalton bieten klar verständliche Dialoge, die englische Version klingt allerdings insgesamt etwas brillanter und dynamischer. Dies trifft besonders auf die 5.1-Variante zu, die in der deutschen Fassung extrem leise abgemischt wurde und insgesamt etwas matt klingt. Hier erhält man ein besseres und räumlicheres Ergebnis, wenn man sich die Stereo-Spur via Dolby ProLogic abspielen lässt.

Bonusmaterial ist nicht vorhanden (eine Promo-Trailershow, die nicht mal den Trailer zum Film selbst bietet, kann man nicht wirklich als Extra bezeichnen).

Fazit:
"Kreuzritter 8 - Der Weiße Ritter" ist eine furchtbar langweilige Erotik-Schnulze, die weder etwas mit Kreuzrittern noch mit dem Ritter zu tun hat, der auf dem Cover zu sehen ist. Vielmehr ist der Film eine schlecht gemachte Teiladaption des berühmten Romans "vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc", bei der das Einzige, was halbwegs zu überzeugen weiß, die Kostüme sind. Nach Logik, einer nachvollziehbaren Geschichte oder historischer Korrektheit sollte man hingegen lieber nicht suchen. Die DVD bietet annehmbare technische Qualität, Bonusmaterial ist nicht vorhanden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
121:52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • -
Kreuzritter 8 - Der Weiße Ritter - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Kreuzritter 8 - Der Weiße Ritter
Tirante el Blanco

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Furchtbar langweilige Erotik-Schnulze ohne wahren historischen Hintergrund


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / Spanien / Großbritannien, 2006
Regie:
Vicente Aranda
Drehbuch:
Vicente Aranda
Darsteller:
Casper Zafer, Esther Nubiola, Leonor Watling, Giancarlo Giannini, Jane Asher

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
12.08.2010

Vertrieb Schweiz :
EuroVideo
Verkaufsstart Schweiz :
12.08.2010