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DVD-Besprechung - Classic Western Collection Box No. 1

Story:
Südwest nach Sonora
Matt Fletcher (Marlon Brando) möchte ein ruhiges Leben als Pferdezüchter beginnen. Sein Grundkapital hierfür ist sein indianischer Appaloosa-Hengst. An diesem hat der mexikanische Gangster Chuy Medina (John Saxon) ebenfalls Interesse und bietet zunächst an, Matt das Tier abzukaufen. Nachdem dieser ablehnt, überfällt Chuy mit seiner Bande Matt und entwendet das Pferd. Matt macht sich auf die Reise nach Sonora, in dem Chuy sein Hauptquartier hat, um mit ihm abzurechnen.  

Speer der Rache
Die Legende besagt, dass „Schwarzer Hengst“ (Victor Mature) einst als Häuptling die Indianer führen, die Weißen besiegen, aber dann sterben wird. Eines Tages ist er tatsächlich Häuptling seines Stammes und der Frieden zwischen Indianern und Weißen wird gebrochen. In den heiligen Stätten, in denen die Ureinwohner ihre Toten beerdigen, wurde nämlich Gold gefunden und die Siedler brechen den Vertrag, der ihnen verbietet, das Gebiet zu betreten. Nur Major Twist (John Lund), Freund von Schwarzer Hengst, versucht zu vermitteln.  

Fluch der Verlorenen
Die beiden Halbbrüder Dan (Robert Ryan) und Neil Hammond (Rock Hudson) kommen eines Tages nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges zurück in ihre Heimat Texas und auf die Ranch ihrer inzwischen schon recht betagten Eltern. Diese wünschen sich, dass ihre Söhne die Ranch übernehmen, doch nur Neil erfüllt seinen Eltern diesen Wunsch, während sich Dan auf die andere Seite des Gesetzes stellt, um viel Geld zu machen.

Meinung zum Film:
In der „Classic Western Collection Box 1“ befinden sich 3 US-Western, die bereits einzeln von Koch Media erschienen sind und sind (bis auf eine Ausnahme, dazu gleich mehr) 1:1-Repacks dieser Einzelveröffentlichungen. Los geht es mit „Südwest nach Sonora“. Regisseur Furie konnte für seinen deutlich vom Italowestern inspirierten Film auf einen ansehnlichen Cast zurückgreifen, vor allem Marlon Brando („Der Pate“) wertet den Film mit seiner Rolle auf. Matts Gegenspieler Chuy wurde mit Jon Saxon ebenfalls prominent besetzt, der später unter Enzo Castellari noch „echte“ Italowesternerfahrungen sammeln sollte, z.B. in „Die Rache des weißen Indianers“. In „Sonora“ begegnen wir dem ehemaligen Büffeljäger Fletcher, der sich langsam zur Ruhe setzen möchte, um sein Leben den Pferden zu widmen. Dummerweise verliert er dieses gegen den mexikanischen Gangster Chuy und im weiteren Verlauf dreht sich alles nur noch um Matts Versuch, das Pferd zurückzubekommen. Die innovativen Kameraeinstellungen und die teilweise kargen, mexikanischen Landschaften tragen dann den Rest zu der Illusion bei, dass hier eigentlich eine italienische Produktion vorliegen müsste. Die episch ausgebreiteten Geschichten, die man oftmals in vielen US-Edel-Western sieht, kommen hier auch nicht vor, ganz im Gegenteil passt die Storyline sicher problemlos auf eine zusammengefaltete Papierserviette. Insofern ist „Südwest nach Sonora“ auf jeden Fall ein Tipp für Freunde des europäischen Westerns und die US-Fans werden bei diesem Film mit vielen Innovationen überrascht.  

Weiter geht es mit dem „Speer der Rache“. Im Prinzip ist der Film lächerlich geraten. „Schwarzer Hengst“ hat öfters Visionen von goldenen Pferden, die den Indianer zu etwas Heiligem machen sollen, dennoch gehen diese Visionen nicht nur dem Zuschauer auf die Nerven, sondern auch seinen Mitkriegern im Film selbst. Die Perücken, die von den Indianerdarstellern getragen werden, sind ebenfalls teilweise unfreiwillig komisch. Dies fällt besonders bei Hauptdarsteller Mature auf, der darüber hinaus oft damit beschäftigt ist, „wichtige“ und besonders männliche Posen einzunehmen und einfach dazustehen. Man kann sich im Laufe des Films einen Jux daraus machen und nachzählen, wie oft Mature eine erhabene und selbstverliebte Pose einnimmt. Man muss den Film aber nicht schlechter machen, als er ist. Wichtig ist am Ende, dass eine interessante Geschichte erzählt wird, und diese Aufgabe erfüllt „Speer der Rache“ allemal. Es gibt recht viel Action und Schlachten zu sehen, sehr interessant ist auch die Nebenhandlung um „Steppenwolf“. Dieser ist ein Nebenbuhler um die Gunst der Geliebten von „Schwarzer Hengst“ und wird eines Tages von seinem Stamm verstoßen. Er folgt Twist in sein Fort, lässt sich als Soldat anheuern und begeht somit Verrat an seinen ehemaligen Stammesbrüdern. Am Ende kommt ihm dann eine Schlüsselrolle zu, die ihn endgültig zum Unsympathen macht. Insgesamt bietet der Film gute Unterhaltung, aus heutiger Sicht jedoch dominiert die unfreiwillige Komik, die aber durchaus auch ihren Unterhaltungswert hat.  

Abgeschlossen wird die Box mit dem „Fluch der Verlorenen“. Regisseur Budd Boetticher („Seminola“) war schon immer ein Garant für gute Westernbeiträge, und das ist beim vorliegenden Film nicht anders. Mit Robert Ryan („Das dreckige Dutzend“) und Rock Hudson („Giganten“) sehr prominent besetzt, kann der Film auch in den Nebenrollen zumindest später sehr bekannte Gesichter aufweisen: So gibt es James Arness („Rauchende Colts“), Dennis Weaver („Duell“) und Raymund Burr („Der Chef“) zu sehen. Das Drehbuch steuerte Louis Stevens („Santa Fe“) bei. Raymund Burrs Figur des reichen und arroganten Großgrundbesitzers Cord Hardin ist letztendlich dafür verantwortlich, dass sich der ansonsten rechtschaffene Major Dan für die Seite der Gesetzlosen entscheidet. Zunächst strebt Dan an, einen gewinnbringenden Job bei Cord anzunehmen, dieser lässt den „Bauern“ Dan bei einer Pokerrunde jedoch auflaufen und demütigt ihn vor versammelter Mannschaft. Da Dan darüber hinaus auch die Frau von Cord begehrt, ist die Eskalation zwischen den beiden unvermeidlich. Danach wird Dan dann größenwahnsinnig und stellt sich sogar gegen seine eigene Familie, was ihm später noch eine verhängnisvolle Konfrontation mit seinem Bruder Neil einbringen wird. Dans Absprung von einem angesehen Ex-Soldaten zu einem skrupellosen Verbrecher wurde sehr gut und glaubwürdig herausgearbeitet, darüber hinaus sorgt trotz aller grundsätzlichen Vorhersagbarkeit der Handlung die Charakterentwicklung Dans dafür, dass es beim Zuschauen immer spannend bleibt. Erfreulich ist, dass Koch Media bei dieser DVD die originale deutsche Kinosynchro aufgetrieben und auf die Scheibe gepresst hat. Auf der alten Einzel-Veröffentlichung war lediglich eine Neusynchronisation enthalten, die es optional auch auf dieser DVD zu hören gibt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist bei allen drei Filmen sehr gut geworden. Die Farben wirken frisch, der Kontrast stimmt auch und altersbedingte Verschmutzungen gib es keine zu entdecken. Nur beim „Fluch der Verlorenen“ hat das Material gelegentlich mit ein wenig Unschärfen zu kämpfen, was aber nicht weiter störend ins Gewicht fällt. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 ist bei allen enthaltenen Western zweckmäßig und erfüllt seine Aufgabe gut.  

An Extras gibt es zu jedem Film einen Originaltrailer sowie jeweils eine Bildergalerie mit Werbematerial.

Fazit:
Koch Media hat auf seiner „Classic Western Collection 1“ zwei sehr gute und mit dem „Speer der Rache“ einen unterhaltsamen, oftmals aber unfreiwillig komischen Western zu einer Box zusammengefasst. Für Besitzer der Einzelveröffentlichungen bietet sich nichts neues – abgesehen von der Kinosynchro beim „Fluch der Verlorenen“, der für eingefleischte Westernfans sicher interessant ist. Die DVD-Qualität kann bei allen Filmen überzeugen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12

Südwest nach Sonora:
94:24 Minuten

Der Speer der Rache:
83:57 Minuten

Fluch der Verlorenen:
77:34 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Bildergalerie
Classic Western Collection Box No. 1 - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Südwest nach Sonora / Der Speer der Rache / Fluch der Verlorenen
The Apaloosa / Chief Crazy Horse / Horizons West

Bild unseres Mitarbeiters Andreas Schultz
Fast durchgängig gute Kollektion dreier US-Western


Autor der Besprechung:
Andreas Schultz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1966/1952/1956
Regie:
Sidney J. Furie, George Sherman, Budd Boetticher
Drehbuch:
James Bridges, Gerald Drayson Adams, Louis Stevens
Darsteller:
Marlon Brando, John Saxon, Anjanette Comer, Emilio Fernández, Victor Mature, Suzan Ball, John Lund, Robert Ryan, Rock Hudson, Julie Adams, Raymund Burr, James Arnett

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
06.08.2010