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DVD-Besprechung - Die Friseuse

Story:
Kathi König (Gabriela Maria Schmeide) ist Friseuse aus Leidenschaft. Doch als sie aufgrund der Trennung von ihrem Mann in ihre Heimatstadt Berlin zurückzieht und dort einen Job sucht, gibt es ein kleines Problem, denn die Gute hat gefühlte 200 Kilogramm zu viel auf den Rippen. Kein Wunder also, dass die feine Dame vom Friseursalon im modernen Eastgate-Einkaufszentrum sie nicht einstellen will. So fasst Kathi den Entschluss, sich selbstständig zu machem ... und greift dabei zu allen möglichen und unmöglichen Mitteln.

Meinung zum Film:
Kathi König (Gabriela Maria Schmeide) ist eigentlich eine ganz normale, typische alleinerziehende Mutter. Wie so viele hat sie sich von ihrem Mann getrennt, da plötzlich die Nachbarin vor der Tür stand und einziehen wollte - und wie so viele lebt sie nun allein mit ihrer Tochter (Natascha Lawiszus) in einer Hochhauswohnung irgendwo in Berlin Marzahn. Die Arbeitsagentur bietet ihr eine Stelle in einem schicken kleinen Friseursalon im modernen Berliner Einkaufszentrum "Eastgate" an und Kathi, die Friseuse aus Leidenschaft und mit Meisterbrief ist, stürzt sich sofort auf sie. Doch es gibt eine kleine Hürde, denn die leicht hochnäsige Inhaberin des Ladens möchte sie nicht einstellen. Kathi ist nämlich nicht nur ein bisschen vollschlank, sondern geradezu massiv und liegt wohl mehr als 100 Kilogramm über ihrem Idealgewicht - kein allzu gutes Aushängeschild also. Geknickt macht sich Kathi auf den Heimweg.

Doch so leicht kann man eine echte Friseuse natürlich nicht abschrecken. Ein paar Tage später geht Kathi erneut ins Eastgate, um noch mal mit der Inhaberin des Salons zu sprechen. Dabei kommen ihr auf dem Weg zwei Asiaten entgegen, die gerade von der Polizei abgeführt werden - und drinnen entdeckt sie einen nun leerstehenden Asia-Imbiss, der zum Mieten frei ist. Sofort wittert sie ihre Chance und macht bei der Eastgate-Leitung die Details ausfindig. 2500 EUR muss sie zusammenkratzen, da sowohl die erste Monatsmiete als auch eine Kaution fällig werden. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Zunächst versucht Kathi zusammen mit der ebenfalls arbeitssuchenden Silke (Christina Große), sich als "mobile Friseusen" in einem Altersheim selbstständig zu machen, doch da sie die Tätigkeit nicht anmelden und ihr Einkommen nicht versteuern, ist es schon bald aus mit dem Geldsegen der alten Leute, als es zu einem kleinen "Unfall" kommt. Kathi gibt aber immer noch nicht auf, sondern versucht weiterhin, an das nötige Geld zu kommen. Dafür schreckt sie auch nicht davor zurück, sich an Menschenschmuggel aus Polen zu beteiligen - und hat plötzlich ein Dutzend Vietnamesen bei sich daheim im Wohnzimmer wohnen.

Dass es in "Die Friseuse" - Doris Dörries erstem Film, der nicht auf einem von ihr selbst geschriebenen Drehbuch beruht - um offen zur Schau gestellte Fettleibigkeit und dem Leben mit ihr geht, wird innerhalb der ersten Minuten des Films sehr schnell deutlich. Spätestens, wenn eine Horde reichlich vollschlanker Menschen zu einer furchtbaren Country-Version von Queens "Fat Bottomed Girls" wild herumspringt, wird deutlich, dass das Gewicht der Hauptfigur eine zentrale Rolle spielt. Es geht um die Höhen und Tiefen im Leben Kathi Königs - und all diese Höhen und Tiefen sind ständig in irgendeiner Weise von ihrem Gewicht beeinflusst. Dies könnte für den Zuschauer ziemlich schnell nervig werden - vor allem in Anbetracht der extremen Fleischbeschau (Kathi schläft nackt und man sieht öfter mal eine Großaufnahme davon, wie sie duscht oder sich eincremt), doch der Film macht in dieser Hinsicht eins richtig: Er wertet nicht. Kathis Fettleibigkeit wird weder glorifiziert noch verdammt. Man weiß nicht, warum die einst schlanke Kathi dieses sehr extreme Gewicht entwickelt hat. Doch es ist nun mal passiert und nun versucht sie, damit zu leben. Große Abnehmabsichten scheint sie nicht zu haben und stopft auch gern mal eine Wurstscheibe nach der anderen in sich hinein, doch wenn man sieht, wie sich Kathi zum Beispiel beim Aufstehen quält und sich mit einer Leine im Bett in eine aufrechte Position ziehen muss, wird schnell klar, dass die Geschichte andererseits auch kein Lobgesang auf das Dicksein sein soll. Denn Kathi versucht zwar nicht wirklich abzunehmen, sagt gleichzeitig aber auch nie, dass sie sich wirklich wohl in ihrer Haut fühlt. Die sympathische Friseuse macht das Beste aus ihrer Lage - und das immer mit einer gewissen Portion Humor und Selbstironie, was dafür sorgt, dass die Geschichte für den Zuschauer mitreißend und mitfühlbar wird. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und die leicht dokumentarisch wirkenden Aufnahmen, die größtenteils mit Handkamera entstanden, schaffen eine unmittelbare Nähe zum Geschehen. Und so bietet "Die Friseuse" - trotz einiger Szenen, die man sich vielleicht hätte sparen können - eine Geschichte für die ganze Familie, voller Wärme und sympathischer Darsteller.

Digitale Aufarbeitung:
Die Blu-ray zeigt den Film in guter Qualität. Das Bild ist sehr klar und sauber, die Farben sind kräftig und natürlich. Rauschen oder Kompressionsprobleme treten nicht auf. Allerdings könnten Schärfe und Detailzeichnung die meiste Zeit über einen Tick besser sein, wodurch es dem Transfer ein bisschen an Plastizität fehlt. Der Ton liegt auf Deutsch in dts-HD High Resolution 5.1 vor und biete eine sehr angenehme Klangkulisse mit klar verständlichen Dialogen und gut abgemischter Hintergrundmusik. Genrebedingt wird auf die Rears natürlich nur selten zurückgegriffen.

Das Bonusmaterial enttäuscht leider. Es gibt sehr kurze, nicht wirklich informative Interviewschnipsel mit zwei der Hauptdarsteller, der Regisseurin, der Drehbuchautorin, dem Kameramann und der Produzentin. Alle zusammen haben eine Gesamtlaufzeit von rund 14 Minuten. Zudem gibt es noch einen unkommentierten, etwa dreiminütigen "Blick hinter die Kulissen". Unverständlich, dass man hier nur derart lieblose Extras produziert hat.

Fazit:
"Die Friseuse", Doris Dörries neuester Film, erzählt die humorvolle Geschichte einer sympathischen Frau, die versucht, ihr Leben trotz ihres extremen Übergewichts zu meistern. Das Thema mag sicherlich nicht jedermanns Sache sein, aber der Film bietet gute Unterhaltung für die ganze Familie und man sollte durchaus mal einen Blick riskieren. Die Blu-ray Disc überzeugt durch gute technische Qualität, enttäuscht allerdings durch das uninteressante und uninformative Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
2,35:1
2,35:1
106:07 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD High Resolution 5.1
DTS-HD High Resolution 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews
  • Blick hinter die Kulissen
Die Friseuse - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Friseuse
Die Friseuse

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Fat-bottomed girls you make the rocking world go round


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2010
Regie:
Doris Dörrie
Drehbuch:
Laila Stieler
Darsteller:
Gabriela Maria Schmeide, Natascha Lawiszus, Ill-Young Kim, Matthias Freihof, Christina Große

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
12.08.2010

Vertrieb Schweiz :
Rainbow Home Entertainment AG
Verkaufsstart Schweiz :
12.08.2010