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DVD-Besprechung - 66/67 - Fairplay war gestern
Story:
Florian (Fabian Hinrichs) ist der Anführer der sechsköpfigen Clique, bestehend aus Otto (Christoph Bach), Henning (Maxim Mehmet), Christian (Christian Ahlers), Tamer (Fahri Ogün Yardim) und Mischa (Aurel Manthai). Alle sind fanatische Fans des Fußballtraditionsclubs Eintracht Braunschweig, die gerne mal abseits des Fußballstadions ordentlich die Fäuste fliegen lassen. Mittlerweile sind jedoch alle Mitglieder der Gruppe in den 30er-Lebensjahren angekommen und ihre verschworene Gemeinschaft zeigt bedingt durch Zukunftsängste und individuelle Lebenspläne erste Auflösungserscheinungen. Und ausgerechnet in dieser Situation droht ihrem Verein auch noch das Verpassen der Qualifikation für die neu zu schaffende, eingleisige 3. Liga.
Meinung zum Film:
"66/67 - Fairplay war gestern" ist eine deutsche Koproduktion der Frisbeefilms Produktion sowie Jetfilm mit ARTE und dem ZDF aus dem Jahr 2009 für die Reihe "Das kleine Fernsehspiel". "66/67" feierte beim Zürich Film Festival 2009 seine Weltpremiere und gewann den deutschsprachigen Filmwettbewerb. Außerdem lief der Titel auch bei der diesjährigen Berlinale innerhalb der Kategorie German Cinema. Im Kino floppte der Titel hingegen. Die beiden Regisseure und Dreuhbuchautoren Jan-Christoph Glaser ("Neandertal") und Carsten Ludwig arbeiteten vor diesem Film bereits zweimal zusammen, zunächst im Jahr 2003 bei dem Drama "Detroit", ebenfalls für "Das kleine Fernsehspiel" des ZDF, und im Jahr 2008 im Rahmen des ambitionierten, episodisch angelegten Kinotitels "Berlin - 1. Mai". Vor der Kamera wurde eine Riege erstaunlich prominenter, größtenteils junger, deutscher Darsteller versammelt. Der Hamburger Fabian Hinrichs brillierte bereits als Außenseiter in Dito Tsintsadzes "Schussangst" oder als männliche Hälfte der Geschwister Scholl in Marc Rothemunds Widerstandsdrama "Sophie Scholl - Die letzten Tage". Christoph Bach mimte zuletzt das Sprachrohr der Studentenbewegung der 60er-Jahre, Rudi Dutschke, im groß beworbenen, aber grandios gescheiterten ZDF-Dokudrama "Dutschke". Melika Foroutan sowie Bernhard Schütz kennt man aus der deutschen Vorzeigekrimiserie "KDD" und Maxim Mehmet bewies sein komödiantisches Talent als Hauptdarsteller in der Heinz-Strunk-Verfilmung "Fleisch ist mein Gemüse".
Betrachtet man die begleitende Promotion für "66/67 - Fairplay war gestern" und diverse oberflächliche Kritiken, muss man den Film leider als Blender bezeichnen. "66/67" ist kein klassischer Hooliganfilm in der Tradition von Genrevertretern wie "Hooligans", "Undercover" oder "The Football Factory". Das beweist z.B. auch das Vorhandensein jeweils nur einer Stadion- sowie Prügelszene. Vielmehr handelt es sich hier um ein bemühtes Drama über eine verschworene Gruppe von Freunden, die sich voneinander zu entfremden beginnen, und deren lange bewährte Gemeinschaft, auch durch individuelle Probleme sowie Zukunftsängste der Mitglieder, durch Auflösungstendenzen vor einer Zerreißprobe steht. Diese Clique wiederum ist als extrem fanatische sowie gewalttätige Fangruppierung von Eintracht Braunschweig eingebettet in das emotional aufgeheizte Milieu von Fußball und Gewalt. Es entsteht allerdings nie der Eindruck, dass sich die Macher des Films hier ernsthaft mit der komplexen Thematik um Hooligans und Konsorten befassen wollen, oder sich besonders für die Wettkampfsportart Fußball interessieren, dieser Teil des Films bleibt völlig beliebig bzw. austauschbar. Vielmehr dient diese Zuordnung der Hauptfiguren als Aufhänger und Ausgangspunkt für die Betrachtung ihrer persönlichen Schicksale und Konflikte sowie deren größtenteils zum Scheitern verurteilten Suche nach einem erfüllteren Leben.
Innerhalb der Clique hat irgendwie noch keiner den großen Sprung geschafft, weder bezüglich des Privatlebens noch beruflich. In dieser Situation bekommt der Zuschauer eigentlich nur drei zentrale Charaktere (Florian/Otto/Christian) vorgesetzt, die alle entweder gescheiterte Existenzen darstellen, oder nicht wissen, wie es mit ihnen eigentlich in Zukunft weitergehen soll. Deren Charakterisierung wirkt leider, trotz der erlesenen Darstellerriege, ebenso extrem oberflächlich und klischeehaft, wie der Kosmos ihrer Probleme. Immer wieder stören Nebenkriegsschauplätze das Voranschreiten des übertrieben in die Länge gezogenen Films. Dabei verschwinden viele Handlungsstränge oder offene Fragen werden einfach ignoriert. Wie kommt es z.B., dass Florian am hellichten Tag einen Hannoverfan fast totprügelt, dafür jedoch trotz diverser Zeugen niemals weiter belangt wird? Oder wie gelingt es z.B. Henning, seine Tätigkeit als Polizist mit seiner "Hooligankarriere" in Einklang zu bringen? Während das Leben also langsam jedes der wenig authentisch wirkenden Cliquenmitglieder nach und nach einholt, sucht der Zuschauer vergeblich in diesem fragmentarisch wirkenden Werk nach tiefergehenden Entwicklungen und vermisst ein ernsthaftes Interesse der Drehbuchautoren an ihren Hauptfiguren, die auch deshalb bei der angestrebten Identifikationsebene mit dem Zuschauer auf der Strecke bleiben.
Digitale Aufarbeitung:
Für einen aktuellen Film ist die Bildschärfe leider unbefriedigend ausgefallen, wirkt ziemlich weich und erzielt somit bestenfalls durchschnittliche Ergebnisse. Auch die Kontrastwerte sind nicht das Gelbe vom Ei, gerade in dunkleren Szenen werden viele Details verschluckt. Das leichte Bildrauschen fällt hingegen nicht ins Gewicht und die bewusst entsättigten Farben machen stilistisch einen gelungenen Eindruck. Beide Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit und sind auch ausgewogen abgemischt, der einzige wirkliche Vorteil der DTS-Tonspur ist allerdings der etwas voluminösere Klang.
Auf der DVD befindet sich zunächst ein Making Of (49:24), das u.a. Einblicke in den Drehalltag bietet und zahlreiche Verantwortliche und Darsteller zu Wort kommen lässt. Gerade diese Vielfalt an fragmentarischen Eindrücken und Äußerungen lässt dieses Feature aber leider überlang und unfokussiert erscheinen. Weiterhin befinden sich auf der DVD noch vierzehn Deleted Scenes (20:07), wahlweise auch mit Audiokommtar der beiden Regisseure. Den Abschluss des Bonsumaterials bildet der deutsche Originaltrailer. Die DVD besitzt ein Wendecover.
Fazit:
"66/67 - Fairplay war gestern" ist kein Hooliganfilm und interessiert sich auch nicht ernsthaft für die Faszination der Sportart Fußball oder die komplexe Problematik gewaltbereiter Fans im Dunstkreis des Rasensports. Vielmehr präsentiert sich der Film als bemühtes, deutsches Betroffenheitsdrama um eine Gruppe von eher perspektivlosen Dreißigjährigen, die nicht erwachsen werden wollen oder können. Dabei enttäuscht das fragmentarisch anmutende Drama aber, trotz sehr guter Darsteller, durch oberflächlich angelegte Charaktere, im Sande verlaufende Handlungsstränge und fantasielose Wendungen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,40:1
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111:00 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Deleted Scenes
- Originaltrailer
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66/67
66/67
Als Hooliganfilm schlichtweg das Thema verfehlt, als Cliquendrama zu bemüht und zu oberflächlich
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2009 Regie: Jan-Christoph Glaser, Carsten Ludwig Drehbuch: Carsten Ludwig, Jan-Christoph Glaser Darsteller: Fabian Hinrichs, Christoph Bach, Melika Foroutan, Maxim Mehmet, Christian Ahlers, Fahri Ögün Yardim, Aurel Manthei
Label :
Ascot Elite
Verkaufsstart : 28.09.2010
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