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DVD-Besprechung - Das Geheimnis der roten Maske

Story:
Der junge Landsknecht Marco (Lex Barker) gerät bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber in ein Scharmützel zwischen Rebellen, unter Führung der roten Maske, und regulären Soldaten des Fürsten Astolfo (Livio Lorenzon). Marco eilt den Soldaten zu Hilfe und tritt schließlich in die Dienste Astolfos, der sich jedoch schnell als sadistischer Tyrann entpuppt. Viel angenehmer verläuft hingegen seine Bekanntschaft mit Jolanda (Liana Orfei), die unter Astolfos Vormundschaft steht, jedoch hat auch die Zigeunerin Karima (Chelo Alonso) bereits ein Auge auf ihn geworfen. So wird Marco nicht nur unfreiwillig zum Zentrum einer hitzigen Dreiecksbeziehung, sondern mutiert auch bald zu einem Eckpfeiler der Befreiungsbewegung der roten Maske.

Meinung zum Film:
"Das Geheimnis der roten Maske" ist ein typischer Historien-/Kostüm-/Mantel- und Degenfilm italienischer Produktion, die dort in den 60er-Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen. Regisseur Luigi Capuano ("Die Rache des Sandokan"), der einen Ruf als solider Handwerker genoss. frequentierte dieses Genre mit zahlreichen eher minderwertigen Produktionen, überführte in die vorliegende Produktion aber auch frühere Erfahrungen aus dem Komödienfach. In der Hauptrolle agiert Lex Barker, der ein paar Jahre später in den Karl May-Verfilmungen von Harald Reinl/Horst Wendlandt zum Star aufstieg und in seiner Rolle des Old Shatterhand zum Idol vieler Jugendlicher wurde. Oberschurke Livio Lorenzon ("Django - Kreuze im blutigen Sand") dürfte dem deutschen Publikum zudem durch sein Mitwirken in zahlreichen Italo-Western geläufig sein. Der Kubanerin Chelo Alonso und Liana Orfei ("Django tötet leise") in den Hauptrollen, die hier als attraktive Gegenspielerinnen agieren, blieben größere Karrieren hingegen versagt.

Mit einer Laufzeit von lediglich rund 78 Minuten und angesichts seiner Genrezuordnung erwartet man von dem vorliegenden Titel wohl vor allem kurzweilige Unterhaltung im Groschenromanstil. So sind dann auch übliche Ingredenzien wie ein körperlich starker, mutiger Held, ein gnadenloser Tyrann, eine liebreizende Edelfrau, Intrigen, und natürlich auch Mantel- und Degenkämpfe im Film enthalten. Jedoch verzettelt sich der Film bei dem Versuch eine deutlich komplexere Geschichte mit diversen Nebenplots zu entfalten, die größtenteils eh nur angerissen werden. Beispielsweise ist Astolfo auch noch scharf auf Karima, ein Vertrauer Astolfos umschmeichelt seinerseits Jolanda, Karima besitzt einen heißblütigen Verehrer aus ihrem Volk, Astolfos Herrschaft ist eng verknüpft mit dem Schicksal Jolandas und auch die wahre Identität der roten Maske birgt einigen Zündstoff.

Aber als wäre der Film somit nicht schon inhaltlich mehr als überladen, versucht Capuano auch noch ein Komikerduo zu installieren, das Marco im Stile eines Buddyfilms zur Seite steht und sich hin und wieder zum Affen machen darf. Diese auflockernden Späße harmonieren aber wieder so gar nicht mit einigen fiesen Foltersequenzen oder den entfesselten Abgründen einer heißblütig-eifersüchtigen, zurückgewiesenen Liebhaberin. Deutlich zu sehen ist allerdings stets das äußerst bescheidene Budget des Films, dessen meist genutzte Location, das fürstliche Domizil eher an eine "Burgtheaterkulisse" erinnert als an ein vollwertiges Schloß. Auch die seltenen, schwach inszenierten und kurz gehaltenen Kampfsequenzen passen hier ins ärmlich anmutende Gesamtbild, ebenso wie ein Mann im lächerlichen Bärenkostüm, der dem Helden zum Opfer fällt. Gewarnt sei an dieser Stelle auch noch vor einigen, inhaltlich völlig überflüssigen Tanz- und Musikeinlagen.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität macht für einen rund 50 Jahre alten, günstig produzierten Nischentitel einen durchaus ordentlichen Eindruck. Die Bildschärfe bewegt sich auf den ersten Blick auf einem zufriedenstellenden Niveau und auch die Kompression bietet keinen Grund zur Klage. Allerdings deuten fehlende Verschmutzungen, Beschädigungen und das nur relativ dezente Bildrauschen darauf hin, dass das Bild höchstwahrscheinlich nicht nur überarbeitet, sondern auch gefiltert wurde. Daraus resultiert leider auch eine mangelhafte Detailzeichnung, die im Zusammenspiel mit den schwachen Kontrastwerten, die sich z.B. in Überstrahlungen auf hellen Flächen wie Gesichtern äußern, ein eher weiches Bild ergibt, woran auch die durchaus kräftige Farbgebung nichts ändern kann. Die deutsche Tonspur klingt zwar altersbedingt leicht verzerrt, macht aber insgesamt einen überzeugenden Eindruck und verfügt über eine gute Verständlichkeit. Die italienische Originaltonspur steckt qualitativ ebenfalls nicht zurück, dürfte allerdings für die meisten deutschen Käufer keinerlei Wert besitzen, da auf Untertitel leider komplett verzichtet wurde.

Auf der DVD befindet sich lediglich eine Bildergalerie mit ein paar deutschen Aushangfotos. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Das Geheimnis der roten Maske" ist eigentlich ein typisches, einfach gestricktes Historienabenteuer der 60er-Jahre, vernachlässigt aber einige der wichtigstens Genrezutaten, wie z.B. die Schwertkämpfe, und verhebt sich an deutlich zuvielen Nebenhandlungen. Unter dem Strich bleibt nur ein unterdurchschnittlicher Genrevertreter ohne echte Stärken, der jedoch mit Budgetproblemen, einem sehr hölzernen Lex Barker, und einer nicht sonderlich kurzweiligen Inszenierung zu kämpfen hat. Technisch fällt die DVD zufriedenstellend aus, Minuspunkte gibt es aber, abgesehen von beinahe fehlenden Extras, für die mitgelieferte italienische Tonspur ohne jede Form von Untertiteln.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
77:36 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Bildergalerie mit Aushangfotos
Das Geheimnis der roten Maske - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Geheimnis der roten Maske
Terrore della maschera rossa

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein hölzerner Lex Barker im Kampf gegen billige Pappmachè und Menschen in Bärenkostümen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1960
Regie:
Luigi Capuano
Drehbuch:
Marcello Ciorciolini, Vittorio Metz, Luigi Capuano, Roberto Gianviti
Darsteller:
Lex Barker, Livio Lorenzon, Chelo Alonso, Liana Orfei, Franco Fantasia, Elio Crovetto

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
02.09.2010