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DVD-Besprechung - Abgehört - Trau niemals einem Cop

Story:
Der aufsässige Gene (Louis Koo), der opportunistische Max (Daniel Wu) und ihr erfahrener, abgeklärter Vorgesetzter Johnny (Lau Ching Wan) arbeiten gemeinsam in einer Spezialeinheit der Polizei von Hongkong, die mit Hilfe modernster Überwachungstechnologie gegen Börsenmanipulationen und Insiderhandel ermittelt. Ein mitgeschnittenes Gespräch eines Verdächtigen und ein dabei ausgesprochener Tip führen den von finanziellen Problemen gebeutelten Gene jedoch in Versuchung. Schnell holt er auch Max mit ins Boot, um die Information finanziell lukrativ auszuschlachten, allerdings kommt ihnen Johnny schnell auf die Schliche und ist schockiert.

Meinung zum Film:
Die beiden Regisseure und Drehbuchschreiber Felix Chong und Alan Mak sind spätestens seit ihrer Vorlage zum cleveren Hongkong-Thriller "Infernal Affairs", und dessen erfolgreichem Hollywood-Remake von Scorsese, "Departed - Unter Feinden", auch in westlichen Gefilden eine feste Größe. Nach den beiden Fortsetzungen zum Erfolgstitel und einem weiteren Thriller, "Confession of Pain" aus dem Jahr 2006, die jedoch alle nicht an die Qualität des Erfolgstitels anknüpfen konnten, wurde es aber deutlich ruhiger um die beiden. Mit dem vorliegenden Titel, "Abgehört - Trau, niemals einem Cop" wollte das kreative Duo jedoch wiedermal einen großen Wurf hinlegen. Die Hauptrollen sind dementsprechend auch mit Lau Ching Wan ("Black Mask"), einem leider völlig fehlbesetzten Louis Koo ("Flash Point"), Daniel Wu (" Protégé"), Michael Wong ("City Hunter") und Waise Lee ("A Better Tomorrow") recht prominent besetzt. Regie führte man diesmal ebenfalls gemeinsam.

Betrachtet man die begleitende Werbekampagne und die Vorgeschichte der Macher des Films, könnte der Eindruck entstehen, "Abgehört - Trau, niemals einem Cop" wäre ein vor Höchstspannung berstender, wendungsreicher Thriller. Diese Darstellung schürt allerdings völlig falsche Erwartungen. Bereits die äußere Erscheinung des Films widerspricht diesem Eindruck. Der Film wirkt optisch sehr unterkühlt und technokratisch, was er durch seine gewählten Sets und dominierende Farbtöne wie blau, grün oder grau unterstreicht. Das wirkt zwar visuell, wie aus Hongkong nicht anders zu erwarten, sehr stylisch, der Film strotzt dadurch aber nicht gerade vor pulsierender Lebendigkeit. Vielmehr sind auch die Hauptpersonen eher gebrochene Charaktere mit charakterlich düsteren Schattierungen. Alle drei tragen tiefgreifende persönliche Probleme mit sich herum und sind alles andere als strahlende Siegertypen. Diese ausführliche Darstellung ihres komplizierten Privat- bzw. Familienlebens und der vor allem bürokratische Routine verströmende Polizeialltag, spiegeln sich im Rahmen eines doch recht in die Länge gezogenen, geradezu mit angezogener Handbremse präsentierten Einführungsteils. Von Hochspannung kann hier nicht die Rede sein und es handelt sich auch ganz offensichtlich viel weniger um einen Thriller, sondern vielmehr um ein Polizeidrama, in dessen Verlauf drei gebeutelte Beamte durch eine einmalige Gelegenheit in Versuchung geführt werden.

Natürlich bringt diese Verheißung auch einige gefährliche Konsequenzen mit sich. Der Fehltritt der Polizisten kann nur durch weitere Verfehlungen gedeckt werden und schließlich erregt das Team dadurch auch noch ins Fadenkreuz einiger Gangster, die von dieser Einmischung in ihre Börsengeschäfte wenig begeistert sind. Trotzdem bleibt der Film eine Stunde lang weiter ein lupenreines Drama, das Tempo bleibt auch durch übertrieben ausgewalzte Nebenplots sehr gering und von Action fehlt beinahe jede Spur. Erst durch Michael Wongs wirklich peinliche Darstellung des skrupellosen Teamgegenspielers, der dabei kein Klischee über Filmbösewichte ausläßt, bekommt der Film einen ganz leichten Thrillertouch. Vielmehr dominiert weiter die Tragik die Geschehnisse, bei der Auflösung der Ereignisse zum Ende hin dagegen vor allem fehlendes Fingerspitzengefühl seitens der Drehbuchautoren. Denn wie hier plötzlich die Handlung durch gleich drei aufeinander folgende, unglaubwürdige Wendungen beschleunigt und vermeintlich clever bzw. überraschend aufgelöst werden soll, kann schlichtweg nur als plump und sensationsheischend bezeichnet werden.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD fällt sehr überzeugend aus. Die DVD bietet eine sehr gute Schärfe, eine kräftige, stilistisch angepasste Farbgebung und ausgewogene Kontrastwerte, während Bildrauschen so gut wie gar nicht wahrnehmbar ist. Akustisch bietet der Film ebenfalls keinen Grund zur Klage, alle drei Tonspuren liefern eine stets gute Verständlichkeit und eine stimmungsvolle Musikkulisse. Effekttechnisch sollten hingegen aufgrund der Actionarmut keine Klangwunder erwartet werden.

Neben dem Originaltrailer zum Film, wahlweise auf Deutsch oder Kantonesisch, besteht das Bonusmaterial lediglich noch aus dem deutsch untertitelten Making Of (17:21). Leider hat es aber, wie so häufig bei asiatischen Produktionen, diesen Namen kaum verdient. Es sind zwar im Hintergrund auch Szenen von den Dreharbeiten zu sehen, in erster Linie kommentieren die Hauptdarsteller und der Regisseur aber in oberflächlicher Manier Inhalte und Verlauf des Films ohne jemals wirklich in die Tiefe zu gehen oder die Entstehung des Films ernstahft zu erörtern. Im zweiten Teil des Features folgen zudem auch noch die unvermeidlichen, gegenseitigen Respektsbezeugungen der wichtigsten Mitglieder des Filmteams. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Abgehört - Trau, niemals einem Cop" ist eher ein düsteres Copdrama als ein vor Spannung pulsierender Thriller. Leider bietet der Film aber für ein gelungenes Drama teils zu schwache darstellerische Leistungen, besonders in Form von Louis Koo und Michael Wong, ist einfach zu träge inszeniert, versteigt sich zu sehr in Nebenplots und verliert im letzten Teil jede Glaubwürdigkeit durch abstruse Wendungen. Optisch wird der kühl anmutende Film hingegen sehr stylisch in Szene gesetzt und auch die dynamische, abwechslungsreiche Kameraführung sowie die stimmungsvolle Musikuntermalung wissen zu überzeugen. Technisch ist die DVD vorbildlich ausgefallen, das Bonusmaterial ist dafür allerdings sehr enttäuschend.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
95:32 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Kantonesisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Original-Trailer
  • Making Of
Abgehört - Trau niemals einem Cop - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Abgehört - Trau, niemals einem Cop
Qie ting feng yun

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Optisch ansprechendes, aber inhaltlich zu behäbiges und partiell unglaubwürdiges Copdrama


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Hongkong, 2009
Regie:
Felix Chong, Alan Mak
Drehbuch:
Felix Chong, Alan Mak
Darsteller:
Lau Ching Wan, Daniel Wu, Louis Koo, Zhang Jingchu, Michael Wong, Waise Lee

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
03.09.2010