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DVD-Besprechung - Inglourious Indonesian Bastards
Story:
Am 17. August 1945, zwei Tage nach der Kapitulation der japanischen Streitkräfte, erklärt Indonesien seine Unabhängigkeit. Die einstigen holländischen Kolonialherren nutzen jedoch das entstandene Machtvakuum und besetzen bis 1947 mit 100000 Soldaten Indonesien. Amir (Lukman Sardi), Soerono (Zumi Zola), Marius (Darius Sinathrya), Tomas (Donny Alamsyah) und Dayan (T. Rifnu Wikana), allesamt junge Männer und Patrioten, jedoch von unterschiedlichster Herkunft, melden sich daraufhin im Mai 1947 allesamt freiwillig als Kadetten zur bisher weitgehend auf verlorenem Posten kämpfenden, indonesischen Rebellenarmee. Vor ihnen steht nicht nur eine harte Ausbildung, sondern auch der Kampf gegen einen militärisch deutlich überlegenen Gegner.
Meinung zum Film:
Für die breite deutsche Käuferschicht dürfte die indonesische Filmindustrie entweder weitgehend unbekannt sein, oder der Inbegriff billigst produzierter Trashgranaten vom Schlage eines "Lady Terminator" oder "Virgins of Hell". Zumindest im Bereich des asiatischen Horror- bzw. Geisterfilms war aber in den letzten Jahren, mit diversen "Kuntilanak-" und "Pocong"-Titeln durchaus eine deutliche qualitative Verbesserung der Produktionsstandards vor Ort erkennbar. Und auch wenn der völlig unpassende deutsche Titel, "Inglourious Indonesian Bastards, Tarantinos "Inglourious Basterds" zitiert, handelt es sich hier um einen durchaus ernstgemeinten sowie ernstzunehmenden Kriegsfilm aus indonesischer Produktion. Dem Neuling auf dem Regiestuhl, Yadi Sugandi, stand dabei mit rund zwei Millionen US-Dollar ein für westliche Verhältnisse sehr bescheidenes Budget zur Verfügung. Produziert wurde der Film von der australischen Produktionsfirma Margate House, deren Chef Rob Allyn, gemeinsam mit seinem Sohn Conor, auch das Drehbuch schrieb und die sich beispielsweise bei den Spezialeffekten auch amerikanischer Experten bediente. Der Originaltitel "Merah Putih" (rot-weiß), steht für die indonesischen Nationalfarben bzw. die Nationalflagge selbst und der vorliegende Film ist der erste Teil aus der sogenannten "Red and White"-Trilogie, die eine fiktive, fortlaufende Geschichte vor realen, historischen Hintergründen, rund um den Befreiungskampf und die Entstehung der indonesischen Republik, erzählt.
"Inglourious..." entspringt offensichtlich, wie viele asiatische Produktionen, auch patriotischen Motiven, birgt jedoch als Blick über den Tellerrand alleine schon deshalb einen besonderen Reiz, da der Konflikt zwischen holländischer Besatzungsmacht und der unterdrückten indonesischen Bevölkerung in deutschen Schulbüchern nichtmal eine Randnotiz darstellen dürfte. Glücklicherweise trieft der Titel auch nicht gerade vor Pathos und wirkt in dieser Hinsicht nicht aufdringlicher als z.B. die hochgelobte "Band of Brothers"-Reihe von HBO, mit der die vorliegende Produktion auch durchaus noch weitere Parallelen aufweist. So ist es "Inglourious..." ein wichtiges Anliegen im Rahmen der soldatischen Ausbildung Freiwillige verschiedenster Herkunft aus diesem auch territorial breit gefächerten Vielvölker(insel-)staat zusammenzuführen und zu einer homogenen Einheit zu formen. Die Einheit um Soerono und Amir umfasst Mitglieder aus der Zentralregion, aber auch aus Bali oder Sulawesi, besteht aus einfachen Bauern und Lehrern mit Hochschulbildung, aus Muslimen, Buddhisten und sogar einem Christen. Jedes Mitglied der Einheit besitzt, nicht selbstverständlich für asiatische Produktionen, einen eigenen, markanten Hintergrund, insgesamt kämpfen jedoch alle gemeinsam ihren übergeordneten Freiheitskampf, der alle Unterschiede zu nivellieren vermag.
"Inglourious..." begleitet nun auf niedriger Ebene den Weg dieser Einheit von ihrem Eintritt in die Streitkräfte, über ihre Grundausbildung, bis zu ihren ersten Kampfeinsätzen. Der Einstieg in die Trilogie nimmt sich dabei viel Zeit für die thematisierten Hauptfiguren, deren Seelenleben und ihre sozial-familiären Hintergründe. Gerade die völlig heterogen angelegten Charaktere, die nach und nach aber zu einer Einheit zusammenwachsen müssen, machen dabei einen großen Reiz der Produktion aus. Die Action- bzw. Kampfsequenzen nehmen im ersten, eher ruhig vorgetragenen Teil der Trilogie einen verhältnismäßig kleinen Raum ein, wissen jedoch sowohl bezüglich der Inszenierung als auch hinsichtlich der Pyrotechnik zu überzeugen und sparen auch keinesfalls mit härteren Effekten. Insgesamt macht die Produktion, auch im Hinblick auf die Darsteller, einen handwerklich sehr positiven Eindruck. Leider endet der Film völlig offen, was im Hinblick auf das ungewisse Erscheinungsdatum der beiden witeren Teile leider einen größeren Wermutstropfen darstellt.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD macht einen guten Eindruck, der aber leider durch einen teilweise sehr steilen Kontrast, mit starken Überstrahlungen sowie durch zu blasse Farben geschmälert wird. Bildrauschen, Defekte, Verschmutzungen oder die Kompression sind hingegen nicht zu bemängeln. Entgegen den Angaben auf der Verpackung befindet sich auf der DVD keine zusätzliche deutsche Dolby-Digital-2.0-Tonspur. Auf der DVD befinden sich lediglich die deutsche und indonesische Dolby-Digital-5.1-Tonspur, wobei letztere aufgrund fehlender Untertitel für die meisten deutschen Käufer ziemlich wertlos sein dürfte. Die deutsche Tonspur bietet eine gute Verständlichkeit und wurde auch ausgewogen abgemischt, fällt aber sogar in den Actionszenen sehr frontlastig aus und wirkt dort auch nicht sehr wuchtig. Die Synchronisation ist jedoch erfreulich professionell ausgefallen.
Es wurde vom Vertrieb zwar nicht vermerkt, aber die DVD enthält eben nicht nur den Originaltrailer mit festen englischen Untertiteln. Im Bonusmaterial findet sich auch noch eine Bildergalerie mit Filmszenen und das Making Of (26:45). Dieses liegt ebenfalls im indonesischen Originalton vor, verfügt aber über feste, nicht immer gut lesbare englische Untertitel. Das Feature ist halbwegs informativ und beinhaltet diverse Szenen vom Dreh, Stimmen der Darsteller sowie des Regisseurs, zudem einige Erläuterungen zum Filminhalt und zu den verwendeten Spezialeffekten. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
"Inglourious Indonesian Bastards" hält zum Glück nicht, was der schwachsinnige deutsche Titel verspricht, sondern stellt einen erfreulich professionellen indonesischen Kriegsfilm dar, der bezüglich seiner Machart auch hier und da, auf kleinerem Level, Analogien zur "Band of Brothers"-Trilogie aufweist. Die Produktion wirkt handwerklich durchgängig überzeugend und besitzt ein abwechslungsreich vorgetragenes Drehbuch vor historisch interessantem Hintergrund, das mit treffsicher charakterisierten Hauptfiguren eindrucksvoll zum Leben erweckt wird. Zumindest im ersten Teil der Trilogie ist die Erzählweise im Vortrag dementsprechend auch eher ruhig ausgefallen, Freunde ständiger Feuergefechte sollten sich somit aber eher anderweitig orientieren.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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108:33 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Indonesisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Originaltrailer
- Making Of
- Bildergalerie
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Inglourious Indonesian Bastards
Merah Putih
Überraschend professioneller, indonesischer Kriegsfilm über den Freiheitskampf gegen die holländischen Besatzer
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Indonesien, 2009 Regie: Yadi Sugandi Drehbuch: Conor Allyn, Rob Allyn Darsteller: Lukman Sardi, Dony Alamsyah, Darius Sinathrya, Rahayu Saraswati, T. Rifnu Wikana, Joe Sims, David John Watton
Label :
WGF Verkaufsstart : 07.10.2010
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