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DVD-Besprechung - Over There - Kommando Irak

Story:
Eine frisch eingetroffene Infanterieeinheit inmitten einer Kampfzone im Irakkrieg muss sehr schnell erkennen, welche psychische Belastung der Einsatz mit sich bringt. Aber auch ihre Freunde und Verwandten zu Hause haben unter dem Druck zu Leiden, dass ihre Geliebten im Einsatz fallen könnten. Und umso länger ihr Einsatz dauert, desto größer werden die Sorgen und Probleme im Einsatzgebiet und in der Heimat.

Meinung zum Film:
In der TV-Serie „Over There“ geht es um die Erlebnisse von Soldaten, sowie ihren Problemen und Ängste, die sie im Kampf für ihr Vaterland im Irak erleiden müssen. An Hand des Beispiels einer Gruppe frisch an der Front eingetroffener, teils gerade erst volljähriger Soldaten wird die Auswirkung der Stresssituationen auf ihre Psyche gezeigt. Auch politische Motive werden dabei immer wieder ein Thema. Die Frage, wie die US Army in der Presse dasteht, rückt immer wieder in den Vordergrund und es wird auch stets hinterfragt, wie weit man sich stoisch an Einsatzpläne halten muss und inwieweit es vertretbar ist, auf den gesunden Menschenverstand und den eigenen Instinkt zu hören. Für Konflikte sorgt auch die unterschiedliche ethnische Herkunft. Dies nicht nur zwischen Schwarz und Weiß, ein arabisch stämmiger Amerikaner sorgt für zusätzliches Konfliktpotential. Denn auch wenn man gemeinsam gegen einen Feind kämpft, heißt das noch lange nicht, dass man auch wirklich eine Einheit darstellt. Die Tatsache, dass Frauen der Truppe angehören, sorgt ebenfalls nicht bei jedem für Begeisterung.  

Ein großes Augenmerk wird bei der Gesamtsituation auf die persönliche Seite des Krieges gelegt. Es wird gezeigt, wie die Soldaten von ihren Liebsten getrennt sind und nur mittels Videobotschaften und gelegentlichen Telefonaten kommunizieren. Wie die daheimgebliebenen Partner, Kinder und Eltern mit der Angst leben müssen, ihre Freunde und Familien im Krieg zu verlieren. Wie sich das Leben durch die Abwesenheit in ganz neue Richtungen in der Heimat entwickelt. Auf der einen Seite mag diese Ansicht durchaus im Kern ihre wahren Seiten haben, generell wirkt diese Seite aber dann teilweise doch ein wenig zu übertrieben und auf die Tränendrüse drückend, wodurch die Ernsthaftigkeit immer wieder untergraben wird. Auch bei den Charakteren wird teilweise ein wenig weit ausgeholt, um Klischees zu bedienen. So darf der sadistische Befehlshaber, der sich wie Rambo im ihm unterstellten Gebiet benimmt und am liebsten erst schießen und dann fragen würde, nicht fehlen. Da passt dann der milchgesichtige irakische Attentäter als Gegenstück wunderbar dazu, der ständig nur von den Genfer Konventionen redet und bereit ist als Märtyrer zu sterben. Es gibt die Frau eines Soldaten, die, kaum dass er aus dem Haus ist, fremd geht und das Kind vernachlässigt. Oder einen Mann, der zu einer Selbsthilfegruppe geht, weil er den Einsatz seiner Frau im Irak nicht verkraften kann und dabei auf allein gelassene Ehefrauen trifft, mit denen er sich aus seiner Einsamkeit flüchtet. Die markigen Sprüche der Soldaten wirken teils ebenfalls ziemlich gekünstelt. Es ist oft nur dummes Machogelaber, wie man es aus billigen B-Action-Filmen der 80er-Jahre kennt und sorgt sicherlich ebenfalls nicht dafür, dass das Szenario insgesamt authentischer klingt.  

Optisch wird versucht, die Einsätze authentisch herüber zu bringen. So wird in der Nacht das Bild in ein sattes Grün getaucht, um den Einsatz von Nachtsichtgerät zu simulieren oder die Kamera schwenkt in Stresssituationen schnell nach einem Fixpunkt suchend durch die Gegend, gepaart mit einer schnellen Schnittfolge, um die Hektik und Panik in den Situationen erkennbar zu machen. In diesen Momenten hat die Serie dann auch ihre stärksten Momente, da hier die Machtlosigkeit und ratlose Lage durchschimmert, mit der Soldaten im Irak regelmäßig zu kämpfen haben. Doch dann gibt es gleich wieder die flachen Soap-Momente, welche die aufkeimende Ernsthaftigkeit durch billige Klischees im Keim ersticken. „Over There“ kann sich im Grunde leider nicht so recht entscheiden, ob sie nun eine ernsthafte Aufbereitung des Irak-Krieges aus der Sicht der Soldaten zeigen möchte oder ob man lieber eine Soldaten-Soap sein möchte. Diese Unentschlossenheit ist es letztendlich, welche die Serie immer wieder im Unterhaltungswert drückt. In den ernsten Momenten hat die Mini-Serie ganz sicher einige starke Momente vorzuweisen, in den Soap-Einlagen erreicht man aber oft nicht mehr als durchschnittliches Vorabend-Niveau.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild liegt auf einem guten Durchschnittslevel für aktuelle TV-Serien und kann überzeugen, ohne dabei jedoch Glanzlichter setzen zu können. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist durchweg gut zu verstehen, verirrt sich aber nur vereinzelt in Surroundgefilde.

Bei den Extras gibt es neben Audiokommentaren zu drei Folgen noch das Featurette "Waffen Einsatzbesprechung", in dem ein Soldat über die Eigenarten der unterschiedlichen Waffen, die in der Serie vorkommen, redet. Herzstück des Bonusmaterials ist das knapp 78 Minuten dauernde Feature "Die Dreharbeiten zu Over There", in dem sehr ausführlich auf die Entstehung der Mini-Serie eingegangen wird.  

Was Filmfreunden überhaupt nicht gefallen dürfte ist das Keepcase für die 4 DVDs, in dem die vier Scheiben übereinander gestapelt werden.

Fazit:
„Over There“ ist eine TV-Serie über Menschen, die im Irak für ihr Vaterland kämpfen und den daraus resultierenden Folgen für ihr Leben. Leider stehen dabei den teils erschütternden Momenten im Kriegsgebiet regelmäßig kitschige Soap-Elemente gegenüber. Wer eine düstere Soldaten-Soap sucht, wird diese hier finden. Wer eine ernsthafte Abrechnung mit dem Irak-Krieg erwartet, findet diese hier aber eher nicht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
13 Episoden à ca. 43 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar zu 3 Episoden
  • Die Dreharbeiten zu "Over There"
  • Waffen Einsatzbesprechung
Over There - Kommando Irak - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Over There - Kommando Irak
Over There

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Band of Brothers meets Daily Soap


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2005
Regie:
Jesse Bochco, Nelson McCormick, Chris Gerolmo
Drehbuch:
Joel Fields, Steven Bochco, Chris Gerolmo
Darsteller:
Josh Henderson, Luke Macfarlane, Erik Palladino, Keith Robinson, Sticky Fingaz, Omid Abtahi, Lizette Carrion, Sprague Grayden, Nicki Aycox, Brigid Brannagh, Lombardo Boyar, Adam Storke, Josh Stamberg, J. Lamont Pope

Label Deutschland :
20th Century Fox Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
27.08.2010