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DVD-Besprechung - Derek Flint Collection

Story:
Derek Flint schickt seine Leiche:
Eine Gruppe rebellischer Wissenschaftler ist Dank ihrer neuen Erfindung in der Lage das Wetter zu kontrollieren und versucht die wichtigsten Staaten der Erde im Sinne ihrer Pläne zu erpressen. Eigentlich ein Fall für Derek Flint (James Coburn), den weltweit wohl mit Abstand fähigsten Geheimagenten. Allerdings hat Flint dazu eine völlig andere Meinung und sein alter Chef Cramden (Lee J. Cobb) beisst bei ihm zunächst auf Granit. Kein Wunder, gilt Flint doch als Individualist, der sich nur ungern von anderen herumkommandieren läßt. Als er jedoch selbst zur Zielscheibe der dubiosen Organsation wird, nimmt er es sportlich und beginnt den Kampf gegen diesen unbekannten Gegner.

Derek Flint - Hart wie Feuerstein:
In letzter Zeit geschehen merkwürdige Dinge im Weißen Haus und auf höchster Regierungsebene. Scheinbar gibt es einen Verräter und das Führungspersonal scheint ebenfalls ausgetauscht zu werden. Cramden kommt das Ganze äußerst merkwürdig vor und er wendet sich in seiner Not an Derek Flint, denn wer sonst könnte wohl dieses Mysterium aufklären? Doch Cramden selbst wird schon bald diskreditiert und somit vorläufig aus dem Weg geräumt, so dass Flint ganz auf sich allein gestellt der Verschwörung von ungeheuren Ausmaßen auf die Schliche kommen muss.  

Meinung zum Film:
Mit den ersten Filmen über den weltbekannten Geheimdienstler seiner Majestät mit der Doppelnull, James Bond alias 007, zu Beginn der 60er-Jahre, wurde der Spionage-/Agentenfilm als Genre in Hollywood endgültig salonfähig und feierte seinen großen Durchbruch. Dieser Erfolg zog natürlich zahlreiche Nachahmer und Parodien nach sich und die Derek Flint-Filme, "Derek Flint schickt seine Leiche" (1965) und die Fortsetzung "Derek Flint - Hart wie Feuerstein" (1967), sind direkte Niederschläge dieses fruchtbaren Produktionsklimas. Zudem inspirierten die Bond-Filme aber auch Serien wie "Solo für O.N.K.E.L." und "Mini-Max", die "Matt Helm"-Reihe mit Dean Martin, die langlebige französische "OSS 117"-Reihe, oder auch Dutzende von italienischen Billigproduktionen. Jüngere, bekannte Nachfahren dieser Geburtswehen des Genres sind z.B. Mike Myers "Austin Powers"-Trilogie, die übrigens stark von den Flint-Filmen beeinflusst wurde, oder die gegenwärtige, komödiantische Neuinterpretation von "OSS 117". Mit den Flint-Filmen konnte sich James Coburn ("Steiner - Das Eiserne Kreuz") endlich auch in einer Hauptrolle beweisen und sie ebnete ihm den Weg zu einer großen Karriere. Im Jahr 1976 entstand noch eine misslungene, billig heruntergekurbelte Neuinterpretation von Derek Flint, namens "Our Man Flint: Dead on Target" für das US-Fernsehen, natürlich ohne Coburn, in dem der Agent zu einer Art Privatdetektiv degenerierte. Dieser Film war auch als Bonus in der amerikanischen "Ultimate Flint Collection" enthalten.  

Derek Flint ist kein lahmer Nachahmer von James Bond, war eindeutig auch als Parodie angelegt und wurde mit einem durchaus erklecklichen Budget produziert. James Coburn ist dabei die Idealbesetzung des Multitalents Derek Flint, der sich durch Individualität, Stil, Humor, Charme und einen Schuss gerechtfertigter Arroganz auszeichnet. Denn es gibt eigentlich nichts, was Flint nicht weiß oder beherrscht. Er spricht mit Delphinen, trifft eine Fliege im Flug mit dem Blasrohr, er besitzt die Fähigkeit sein Herz längere Zeit anzuhalten, demonstriert Karate in Perfektion, verfügt über eine allumfassende Allgemeinbildung in sämtlichen wissenschaftlichen Disziplinen und als wäre das alles noch nicht genug, liegen ihm auch noch sämtliche Frauen der Welt zu Füßen und er besitzt extrem coole und praktische Agentengadgets, die einen Bond erblassen lassen würden. Das Phänomen Flint realisiert sich visuell in einer typischen, knallig-bunten, psychedelisch-futuristischen 60er-Jahre-Optik, und wird akustisch von einem enervierenden, zeitgenössischen, locker-flockigen Soundtrack des mehrfach oscar-nominierten Ausnahmekomponisten Jerry Goldsmith unterstützt.

Humor wird hier großgeschrieben und Coburn agiert mit sichtlicher Spielfreude, unterstützt von seinem kongenialen Partner Lee J. Cobb, der hier auf unnachahmliche Weise den distinguierten, überkorrekten Vorgesetzten mimt, der regelmäßig seine liebe Mühe mit Flints unkonventioneller aber genialer Arbeitsweise hat. Die gelegentlichen, nicht im Vordergrund stehenden Actionsequenzen wurden ansprechend in Szene gesetzt, Flints wichtigste Waffen bleiben jedoch sein Intellekt, Charme und Erfindungsgeist. Auch die Spezialeffekte und abwechslungsreichen Locations können sich durchaus sehen lassen, obwohl es durchaus auch schonmal leicht trashig wird. Entsprechend dem Zeitgeist der 60er Jahre werden die Sets immer wieder durch Scharen attraktiver, halbnackter Schönheiten angereichert, was offensichtlich auch Flints Arbeitsmoral und Hingabe deutlich erhöht, denn Flint ist auch ein stiller Genießer, woraus er auch nie einen Hehl macht. Die Story des ersten Teils gewinnt sicherlich keinen Blumentopf für Originalität, mischt die bereits angeführten, besonderen Ingredenzien der Flint-Filme aber zu einem unterhaltsamen, flott erzählten Gesamtkunstwerk, das einen unbeschwerten Genuss garantiert. Leider fällt jedoch der Nachfolger "Derek Flint - Hart wie Feuerstein" qualitativ gehörig ab, offeriert er doch eher wenig neue Ideen, wirkt sehr episodisch, kopiert sogar teilweise ungeniert seinen Vorgänger und bietet leider auch einiges an Leerlauf.

Digitale Aufarbeitung:
Beide sorgfältig restaurierten Filme erstrahlen prachtvoll im Glanz ihrer alten Leinwandtriumphe. Die Bildschärfe wirkt für zwei mehr als 40 Jahre alte Produktionen vorbildlich und die Farbgebung gerät knallbunt und sehr ausdrucksstark. Defekte und Verschmutzungen sucht man vergeblich und auch die Kontrastwerte präsentieren sich stets ausgewogen. Bildrauschen fällt kaum ins Gewicht. Auch die Tonspuren geben sich keine Blöße und überzeugen mit einwandfreier Verständlichkeit, ausgewogener Abmischung und stimmiger Musikkulisse. Leider sparte sich Koch Media wie beim Bonusmaterial eine "Germanisierung", weshalb sich auf der DVD nur englische und italienische, aber keine deutschen Untertitel zu den Filmen finden.

Das Bonusmaterial zu den beiden "Flint-Filmen" ist relativ üppig ausgefallen und entspricht beinahe komplett den Extras der amerikanischen "Ultimate Flint Collection" aus dem Jahr 2006. Das bedeutet in diesem Fall aber leider auch, dass auf eine nachträgliche Aufwertung für die deutsche Ausgabe verzichtet wurde, sprich sämtliche Features und die Audiokommentare liegen lediglich in englischer Sprache ohne jegliche Untertitel vor. Die einzigen Koch-exklusiven Extras sind die deutschen Trailer zu beiden Filmen, englische sind ebenfalls vorhanden, die Super-8-Fassung des ersten Teils (14:25) sowie Bildergalerien mit Werbematerial zu beiden Teilen. Auf den DVDs sind insgesamt zehn Features mit einer Gesamtlaufzeit von etwas mehr als einer Stunde abgelegt, die sich mit verschiedensten Aspekten der Filme, wie ihrem Design, ihrer Musikuntermalung, ihren wegweisenden, futuristischen Elementen, oder auch der dargestellten Rolle der Frau, befassen. Zusammengenommen ergibt das in etwa den Charakter eines Making Of, die Aufsplittung läßt die Informationen aber doch recht fragmentarisch erscheinen und einige Features sind sehr knapp ausfallen, während anderen sogar eine Kürzung gut zu Gesicht gestanden hätte, da hier z.B. Doppelungen zu den Audiokommentaren vorliegen. Eben jene beiden Audiokommentare werden von den Filmhistorikern Lee Pfeiffer und Eddie Friedfeld bestritten und vermitteln einiges an interessanten Hintergrundinformationen zu den beiden Filmen und dem Spionagefilmgenre allgemein. Leider konzentrieren sie sich aber fast ausschließlich auf amerikanische Genrevertreter, Produktionen aus Europa bleiben somit weitgehend außen vor. Zudem besteht bei beiden Kommentatoren eine Tendenz dazu, irgendwie immer wieder beim großen Vorbild James Bond zu landen. Abgeschlossen wird der Bonusbereich noch durch zwei extrem kurze, zeitgenössische Interviews vom Set mit James Coburn (2:03) und Lee J. Cobb (3:03) sowie einen recht überflüssigen Screentest mit Deanne Lund (2:09). Die Collection wird als poppig gestaltetes Digipak mit 2 DVDs im Schuber ausgeliefert. Der FSK-Flatschen auf dem Schuber ist ablösbar.

Fazit:
Derek Flint ist im Spionagefilmgenre eine echte Lichtgestalt, die mit der vorliegenden, technisch hochwertigen DVD-Neuveröffentlichung mehr als 40 Jahre nach seiner Premiere endlich verdiente Lorbeeren einstreichen darf. Coburn darf hier nach Herzenslust aufspielen und die augenzwinkernde Konzeption der Reihe überzeugt das Publikum mit einem hohen Originalitäts- und Spaßfaktor, der visuell und akustisch noch mit einer ganz besonderen Note unterstrichen wird. Einziger Wermutstropfen der Collection ist die Tatsache, dass der zweite Flint-Film keine rundum gelungene Fortsetzung darstellt und seine Story sogar so wirken lässt, als wäre sie ziemlich beliebig dahingeklatscht worden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
Derek Flint schickt seine Leiche:
103:19 Minuten

Derek Flint - Hart wie Feuersteiner:
110:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch, Italienisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar zu beiden Filmen von den Filmhistorikern Lee Pfeiffer und Eddie Friedfeld
  • "Spion-O-Rama" (9:16)
  • "Das Spiel eines Gentleman" (4:16)
  • "Spion-Style" (6:49)
  • "Die perfekte Bouillabaise" (1:30)
  • Super 8 Version von "Derek Flint schickt seine Leiche" (14:25)
  • Deutsche und englische Trailer zu beiden Filmen
  • Bildergalerie mit Werbematerial zu beiden Filmen
  • "Eine perfekte Zukunft" (7:30)
  • "Die Magie der Musik" (5:12)
  • "Spion-Schule" (6:29)
  • "Spion-Mode" (5:59)
  • "Weibliche List" (6:21)
  • "Zieh das aus!" (8:41)
  • Interview mit James Coburn (2:03)
  • Interview mit Lee J. Cobb (3:03)
  • Deanne Lund Screentest (2:09)
Derek Flint Collection - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Derek Flint schickt seine Leiche / Derek Flint - Hart wie Feuerstein
Our Man Flint / In Like Flint

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Amüsant-originelle Agentenfilmparodie aus den 60er-Jahren mit einem blendend aufgelegten James Coburn in der Hauptrolle des genialen Geheimagenten Derek Flint


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1965 / 1967
Regie:
Daniel Mann, Gordon Douglas
Drehbuch:
Hal Fimberg, Ben Starr
Darsteller:
James Coburn, Lee J. Cobb, Gila Golan, Edward Mulhare, Jean Hale, Andrew Duggan

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
24.09.2010