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Kino-Besprechung - Adèle und das Geheimnis des Pharaos

Story:
Paris, 1912. Die kluge und abenteuerlustige Reporterin Adèle Blanc-Sec (Louise Bourgoin) wird nach ihrer Rückkehr aus Ägypten mit einem leibhaftigen Flugsaurier konfrontiert, der die Stadt terrorisiert, nachdem er gerade aus einem Millionen Jahre alten Ei im Naturkundemuseum entschlüpft ist. Als wenn das nicht genug wäre, tauchen bald auch noch eine lebendige Mumie und ein liebeskranker Verehrer (Nicolas Giraud) auf, mit denen Adèle fertig werden muss.

Meinung zum Film:
Luc Besson ("Léon der Profi") hat vor einigen Jahren angekündigt, die Regiearbeit nach "Arthur und die Minimoys" an den Nagel zu hängen und nur noch als Produzent und Drehbuchautor aufzutreten. Doch nur wenig später folgten zwei "Arthur"-Sequels unter seiner Regie und jetzt schließlich "Adèle und das Geheimnis des Pharaos". Viele Filmfans dürften sich sicherlich freuen, dass Besson die Filmregie doch nicht sein lassen kann – andererseits ist es nun schon relativ lange her, dass einer seiner Filme allgemeinen Anklang fand. Zuletzt einigermaßen gelungen ist ihm das wohl mit dem bunten Science-Fiction-Spaß "Das fünfte Element". An dessen Anfang fühlt man sich dann auch in den ersten Szenen von "Adéle" erinnert, als die Protagonistin in bester Indiana-Jones-Manier ein ägyptisches Grab entdeckt und versucht, an den Fallen vorbei zu einem kostbaren Schatz zu gelangen. Das ist durchaus ein stimmiger Einstieg, der positiv an die Indy-Filme erinnert und Erwartungen auf ein internationales Abenteuer im großen Stil weckt. Doch kurz nachdem in besagter Szene der Bösewicht Dieuleveult (kaum zu erkennen: Mathieu Amalric, "Ein Quantum Trost") eingeführt wird, der für den Rest der Handlung quasi keine Bedeutung hat, kehrt die Heldin nach Paris zurück und verlässt die Stadt für den verbleibenden Films nicht mehr. Im Grunde ist freilich nichts dagegen einzuwenden, einen Abenteuerfilm in einer einzigen Stadt anzusiedeln, aber gerade nach dem exotischen Einstieg sorgt das dafür, dass der Film sich etwas "klein" anfühlt.

"Adéle und das Geheimnis des Pharaos" basiert auf der in Frankreich sehr beliebten Comicreihe "Die außergewöhnlichen Abenteuer von Adèle Blanc-Sec" von Jaques Tardi. Wie auch so manche andere französische Comicverfilmung (man denke an die "Asterix"-Realfilme) leidet auch "Adèle" daran, dass man sich etwas zu eng an eine Comicvorlage hält, die viele Elemente beinhaltet, die nicht wirklich realfilmtauglich sind. Die Make-Up-Effekte sind spaßig aber überzogen, die Charaktere etwas zweidimensional und die Gags und Slapstickeinlagen platt. Der klassische Comic-Humor mag auf dem Papier funktionieren, im Film kommen einige Szenen leider einfach nur lächerlich statt amüsant daher. Auch die etwas comichaften Computereffekte sehen leider oft nur billig aus.

Trotz der genannten Kritikpunkte gibt es aber auch Positives zu vermerken. Ein großer Pluspunkt ist die Hauptfigur: Louise Bourgoin ("Das Mädchen aus Monaco") ist nicht nur bildhübsch, sondern trifft auch den Charakter der kecken Comicheldin perfekt. Es ist außerdem wirklich erfrischend, einen Fantasy-Abenteuerfilm mit einer starken weiblichen Hauptfigur zu sehen. In US-Filmen gibt es das nur sehr selten, und wenn dann oft mit auf ihre sexuellen Reize reduzierten Heldinnen. Bourgoin zeigt in ein oder zwei sehr freizügigen Szenen zwar auch so einiges von ihrem Traumkörper, jedoch wirkt dies nie billig und kalkuliert.
Trotz der etwas durchwachsenen Spezialeffekte ist der Film (auch abseits der Hauptdarstellerin) auch visuell sehr schön. Das Paris des Jahres 1911 wurde sehr schön zum Leben erweckt und gut gefilmt. Dazu kommen ein paar rasante Action-Sequenzen, einige gut aufgelegte Nebendarsteller und ein charmanter Liebes-Subplot, die dafür sorgen, dass der Film insgesamt doch unterhaltsam ist und Spaß macht.

Fazit:
"Adèle und das Geheimnis des Pharaos" hat einige gelungene Aspekte, ist jedoch eher durchwachsen und zählt nicht zu Luc Bessons stärksten Filmen. Dennoch ist der Film unterhaltsam genug, dass man ihn sich zumindest als Fan von Abenteuerfilmen oder der Comicvorlage durchaus ansehen kann.

Adle und das Geheimnis des Pharaos - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Adèle und das Geheimnis des Pharaos
Les aventures extraordinaires d'Adèle Blanc-Sec

Bild unseres Mitarbeiters Adrian vom Baur
Eine unterhaltsame Comicverfilmung, der mehr Distanz zum Comic jedoch nicht geschadet hätte


Autor der Besprechung:
Adrian vom Baur

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2010
Regie:
Luc Besson
Drehbuch:
Luc Besson
Darsteller:
Louise Bourgoin, Mathieu Amalric, Nicolas Giraud, Philippe Nahon, Gilles Lellouche

Verleiher:
Universum Film
Kinostart Deutschland :
30.09.2010