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DVD-Besprechung - Peacock

Story:
John Skillpa (Cillian Murphy) lebt ein ruhiges und zurückgezogenes Leben als kleiner Bankangestellter in dem Provinznest Peacock in Nebraska. Die Misshandlungen der Mutter in seiner Kindheit haben jedoch dazu geführt, dass John eine dissoziative Identitätsstörung erlitten hat. Das Ergebnis ist seine zweite, haushaltsgebundene Persönlichkeit Emma, die für ihn auch die verstorbene Mutter ersetzt. Ein Zugunglück in seinem Garten führt jedoch zur Entdeckung von Emma, die fortan von allen Bewohnern im Dorf für seine Ehefrau gehalten wird, und dadurch allmählich ein stärkeres Eigenleben entwickelt. Somit ist John gezwungen, fortan für die Handlungen beider Persönlichkeiten die Verantwortung zu tragen.

Meinung zum Film:
„Peacock“ lässt sich am ehesten als Psychodrama bezeichnen, ist aber keineswegs der beworbene klassische, hitchcockartige Thriller. Die Independent-Produktion stammt aus dem Jahr 2010 hat es aber trotz ihrer angesichts dieses Tatsache doch sehr prominenten Besetzung in Deutschland nicht einmal ins Kino geschafft. Für Regisseur Michael Lander, der auch zusammen mit Ryan O Roy das Drehbuch schrieb, war es sein Langfilmdebüt. Der Ire Cillian Murphy („Sunshine“) spielt die Hauptrolle und in den Nebenrollen tummeln sich bekannte Gesichter wie Shooting-Star Ellen Page („Juno“), Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon („Dead Man Walking“), der Amerikaner Josh Lucas („Poseidon“), Schauspielveteran Keith Carradine („Pretty Baby“) und der als Captain Lone Starr in Mel Brooks „Spaceballs“ unvergessenen Bill Pullman.

„Peacock“ liegt zunächst eine ziemlich reizvolle Ausgangssituation zu Grunde, ein aufgrund seiner traumatischen Kindheitserfahrungen psychisch gestörter, junger Mann mit zwei Persönlichkeiten, die abwechselnd die Kontrolle übernehmen und nichts von den Entscheidungen ihres Gegenparts wissen. Zudem entwickelt sich die weibliche Hälfte, Emma, mit Voranschreiten der Handlung aufgrund der neu gewonnenen Freiheiten durch ihre Entdeckung zunehmend weiter und tritt dabei deutlich selbstbewußter und umgänglicher auf als John. Der Thrilleraspekt des Films ergibt sich dabei erst gegen Ende, wenn Emma zunehmend versucht John zu kontrollieren, während dieser sich wiederum durch die zunehmend dominanter werdende Emma bedroht fühlt. Somit führt hier ein Mann in gewisser Weise durch zwei Persönlichkeiten Krieg gegen sich selbst und über allem liegt noch der dunkle Schatten seiner sadistischen Mutter sowie deren eventuelle zukünftige Nachwirkungen. Leider hat die Ausführung dieser Idee aber einige Mängel und verschenkt viel Potential.

Bereits zu Beginn wird Johns „Doppelleben“ enttarnt, eine der vielen Entscheidungen gegen einen klassischen Thriller, birgt also keinerlei Spannung mehr in sich. Auch aus der Entdeckung von Emma ergeben sich zunächst keine schwerwiegenden Konsequenzen und Spannungsmomente. Vielmehr begibt sich der Film hier schon recht früh auf ein ziemlich unglaubwürdiges Niveau. John, bzw. Emma, sieht weder aus wie eine Frau, noch spricht sie wie eine Frau (auch im O-Ton), und die Ähnlichkeiten der beiden sind unübersehbar. Zudem nimmt jeder im Dorf sofort an, ausgerechnet der Außenseiter John hätte geheiratet, und das obwohl ja auch gerade in einem solchen Umfeld wenig verborgen bleibt. Weiterhin fällt es niemandem auf, dass immer nur eine der beiden Persönlichkeiten auftaucht, und z.B. John nicht bei der Arbeit erscheint, wenn Emma unterwegs ist. Weitere Ungereimtheiten in der Filmlogik entstehen dann aus der Frage heraus, wie Emma eigentlich in der Lage sein sollte wichtige Entscheidungen zu treffen, wo sie nichtmal als Person Emma, oder gar als Ehefrau Johns, in der Lage ist sich durch entsprechende Dokumente ausweisen zu können. Auch Ideen wie die Kommunikation der beiden ausschließlich über hinterlegte Zettel wird kaum ausgereizt. Zwar spitzt sich gegen Ende der Krieg der beiden Existenzen etwas zu, das offene, mutlose Ende enttäuscht dann aber wieder, und bis es überhaupt dazu kommt, wird der Film von viel Leerlauf beherrscht, der auch den eindimensionalen Nebencharakteren geschuldet ist, obwohl hier beispielsweise Sarandon und Pullman durchaus darstellerische Duftmarken setzen.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD bewegt sich in einem guten Bereich. Die Farbgebung wirkt bewusst entsättigt, aber durchaus natürlich. Der Film besitzt einige dunklere Sequenzen, die Kontrastwerte sind aber zu jeder Zeit auf der Höhe des Geschehens. Bildrauschen fällt nur bei hellen Sequenzen leicht ins Auge. Alle drei Tonspuren überzeugen mit guter Verständlichkeit und wurden sehr harmonisch sowie atmosphärisch abgemischt, sind aber aufgrund der Machart des Films sehr effektarm ausgefallen.  

Die DVD enthält ein Making Of (21:22), das zwar nicht überragend informativ ausgefallen ist, aber zumindest einige Hintergründe des Films erläutert und halbwegs unterhaltsam ausgefallen ist. Cillian Murphys Probeaufnahmen (3:21) sind eher entbehrlich ausgefallen, aber immerhin gibt es auch noch vier geschnittene Szenen und ein alternatives Ende (6:52). Dieses Bonusmaterial ist komplett deutsch untertitelt. Zudem befinden sich auf der DVD noch der deutsche Trailer und eine Fotogalerie mit Filmszenen.

Fazit:
„Peacock“ besitzt eine interessante Grundkonstellation, die jedoch durch ein gehöriges Maß an fehlender Glaubwürdigkeit, einen sehr zähen Erzählfluss und einer zu späten Hinwendung zum Thriller jedoch weitgehend ihres Potentials beraubt wird. Cillian Murphy präsentiert sich hier zwar als vielschichtiger Darsteller, die Handlungsarmut voller gezwungen wirkender, emotionaler Momente, die platten Nebencharaktere und ein unbefriedigender Abschluss der Geschichte führen aber zu einem ziemlich belanglosen Gesamteindruck des Films. Technisch kann die DVD überzeugen und das Bonusmaterial hinterläßt einen durchschnittlichen Eindruck.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
86:55 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Cillian Murphys Probeaufnahmen
  • Geschnittene Szenen
  • Deutscher Trailer
  • Fotogalerie
Peacock - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Peacock
Peacock

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Nicht jede gespaltene Persönlichkeit ergibt filmisch gleich einen Norman Bates


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010
Regie:
Michael Lander
Drehbuch:
Michael Lander, Ryan O Roy
Darsteller:
Cillian Murphy, Ellen Page, Susan Sarandon, Josh Lucas, Graham Beckel, Bill Pullman, Keith Carradine

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
04.11.2010