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DVD-Besprechung - Tante Daniele

Story:
Daniele (Tsilla Chelton) ist die Tante, die keiner haben möchte: Tyrannisch, gemein und abgrundtief böse. Nach außen hin tut sie so, als sei sie eine schwache alte Dame, doch der Schein trügt und sie nutzt jede Gelegenheit, um ihrer Haushälterin (Neige Dolsky) das Leben schwer zu machen. Als diese bei einem Unfall stirbt, zieht Daniele bei ihrem Großneffen und dessen Familie ein. Von nun an wird die eigene Verwandtschaft terrorisiert, doch allzu lange geht das nicht gut.

Meinung zum Film:
Tante Daniele liebt es, gemein zu sein. Sie lebt mit ihrer fast genauso alten Haushälterin Odile in einem kleinen Häuschen irgendwo in Frankreich und verbringt den lieben langen Tag damit, sich Gemeinheiten auszudenken, mit denen sie Odile ihren Job schwerer machen kann. Da wird Geld aus der Spardose im Schrank versteckt, um Odile dann des Diebstahls zu beschuldigen, frisch gepflanzte Blumen werden zertrampelt und das Essen wird dem Hund gegeben, um Odile zu zeigen, dass sie nie etwas richtig machen kann. Hinterher beschwert sich Daniele dann beim Foto ihres verstorbenen Mannes darüber, dass alle Leute - und besonders die eigene Angestellte - so übermäßig dumm sind. Doch eines Tages kommt es zu einem Unfall, der eine einschneidende Veränderung bedeutet: Odile stürzt beim Putzen eines Kronleuchters von der Leiter und ist sofort tot. Da sie offiziell ja nicht alleine zurechtkommt, zieht Daniele bei ihrem Großneffen Jean-Pierre (Eric Prat) in dessen Wohnung in Paris ein - und es beginnt ein neues Drama.

Von nun an bietet sich Daniele nämlich die Möglichkeit, nicht nur einer Person das Leben zur Hölle zu machen, sondern gleich einer ganzen Familie. Dabei tut diese alles, um es der Tante recht zu machen, doch dadurch wird Daniele nur noch unleidlicher. Bei einer Spazierfahrt durch Paris schläft sie demonstrativ ein, die Kochkünste von Jean-Pierres Frau Catherine (Catherine Jacob) werden regelmäßig kritisiert und dem Hund der Familie wird gerne mal zwischendurch ein Tritt verpasst. Dann lässt sie auch noch den kleinen Sohn von Jean-Pierre allein im Park zurück, weil er ihr auf die Nerven geht. Und als Freunde der Familie zum Abendessen kommen, schlurft sie ins Wohnzimmer, sieht demonstrativ laut fern - und uriniert dann auch noch in den Sessel, auf dem sie sitzt, um die Peinlichkeit noch größer werden zu lassen. Nach und nach durchschaut auch die Familie die Bösartigkeit der Tante und so kommt es dazu, dass man einen Spanienurlaub plant, um wenigstens für einige Zeit Ruhe vor dem Hausdrachen zu haben. Für diese Zeit organisiert man eine Haushälterin und Daniele meint natürlich sofort, ein neues Opfer gefunden zu haben - doch Sandrine (Isabelle Nanty) lässt sich nichts gefallen und bietet der altem Dame in jeder Hinsicht Paroli - was diese allerdings auf Dauer gar nicht so sehr zu stören scheint.

"Tante Daniele" stammt von Regisseur Étienne Chatiliez, der vor allem durch "Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss" Bekanntheit erlangte, und ist sicherlich kein Film, der allen Zuschauern gefallen wird. Zu krude ist der Humor teilweise, zu steif die Dialoge, zu unsympathisch die Figuren. Doch genau Letzteres ist - zumindest im Fall von Tante Daniele selbst - auch eine Stärke des Films, denn Tsilla Chelton spielt die boshafte alte Dame so herrlich giftig, dass man gar nicht anders kann, als sie direkt von Beginn an zu hassen. Im Vergleich dazu bleiben sämtliche Darsteller der Familienmitglieder extrem blass und eindimensional. So lebt "Tante Daniele" dann auch in erster Linie von seiner Hauptdarstellerin und weniger von der eigentlichen Geschichte, die weder besonders interessant noch besonders unterhaltsam ist - wodurch es im Endeffekt eher einzelne kleine Eskapaden Danieles sind, die zum Schmunzeln anregen, als der Film insgesamt.

Digitale Aufarbeitung:
Bildtechnisch bewegt sich "Tante Daniele" im mittelmäßigen Bereich. Der anamorphe Transfer gefällt durch natürliche Farben, rauscht aber ziemlich stark und wirkt etwas zu weich. Zudem lassen sich gelegentlich Dropouts und Verschmutzungen ausmachen, die aber nicht in störendem Umfang auftauchen. Die Kompression arbeitet relativ unaufällig, sorgt aber bei einfarbigen Flächen öfters mal für Blockrauschen. Der Ton liegt auf Deutsch in Stereo und auf Französisch (entgegen der Coverangabe) in Dolby Digital 5.1 vor. Beide Varianten zeigen sich relativ unspektakulär und frontlastig, bieten aber jederzeit klar verständliche Dialoge. Die optional einblendbaren Untertitel basieren nicht auf dem, was man im Deutschen hört, sondern anscheinend auf einer Direktübersetzung des französischen Originals, was sich im Endeffekt allerdings eher wie Google Translations liest und zudem zahlreiche Rechtschreibfehler enthält.

Als Bonusmaterial gibt es den Trailer zum Film sowie drei Interviews mit Hauptdarstellerin, Drehbuchautor und Regisseur, die zwischen 12 und 23 Minuten lang sind.

Fazit:
"Tante Daniele" ist eine mal mehr, mal weniger unterhaltsame schwarze Komödie, deren relativ kruder Humor sicherlich nicht jedermanns Sache ist und die vor allem durch die Leistung von Hauptdarstellerin Tsilla Chelton lebt. Die anderen Darsteller bleiben im Vergleich zu blass und auch die Story kann insgesamt nicht wirklich überzeugen, wodurch bei diesem Film in erster Linie einzelne Eskapaden der Tante in Erinnerung bleiben werden. Technisch bietet die DVD solide Qualität. Das Bonusmaterial ist ganz interessant, allerdings nicht allzu umfangreich.


Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,66:1
1,66:1
106:53 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews
  • Trailer
Tante Daniele - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Tante Daniele
Tatie Danielle

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Schwarzer Humor aus Frankreich


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 1990
Regie:
Étienne Chatiliez
Drehbuch:
Florence Quentin
Darsteller:
Tsilla Chelton, Catherine Jacob, Isabelle Nanty, Neige Dolsky, Eric Prat

Label Deutschland :
Pierrot Le Fou
Verkaufsstart Deutschland :
17.09.2010