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DVD-Besprechung - Verdammt zum Schweigen

Story:
Billy Mitchell (Gary Cooper) ist ein hochdekorierter, amerikanischer Kriegsheld und ein Flieger aus Leidenschaft. Kurz nach Ende des 1.Weltkriegs ist der Verteidigungsetat der USA jedoch äußerst begrenzt, Flugzeuge werden als kriegsentscheidende Waffen noch nicht ernstgenommen und Army sowie Marine sind nicht bereit ihr Budget jetzt auch noch zugunsten eigenständiger Luftstreitkräfte weiter einzuschränken. Aufgrund des mangelhaften Materials der Piloten sterben Mitchells Männer jedoch wie die Fliegen, was seine Vorgesetzten aber nicht zu kümmern scheint. Als Mitchells Anklagen gegen die unhaltbaren Zustände und seine Visionen über die zukünftige Rolle der Luftstreitkräfte kein Gehör innerhalb des Militärs finden, sieht er sich gezwungen, eine Erklärung vor der Presse abzugeben und die Missstände dadurch aufzudecken. Das Ergebnis ist eine Anklage wegen Insubordination.

Meinung zum Film:
"Verdammt zum Schweigen", oder im Original deutlich treffender "The Court-Martial of Billy Mitchell", ist die siebte Veröffentlichung der Reihe "Vergessene Kriegsfilme" des MiG-Sublabels "Voulez Vous". Es handelt sich im Grunde eher um ein Justizdrama mit militärischer Thematik, das aus dem Jahr 1955 stammt und bereits in Farbe (WarnerColor) gedreht wurde. Die US-Produktion entstand unter der Regie von Otto Preminger ("Exodus") und beschäftigt sich mit der kontroversen, historischen Persönlichkeit des Billy Mitchell, der als Begründer der modernen U.S. Air Force gilt, zu seiner Zeit mit seinen visionären Ideen über die zukünftige kriegsentscheidende Bedeutung der amerikanischen Lufstreitkräfte allerdings auf wenig Begiesterung stieß. Die Hauptrolle des Billy Mitchell bekleidet die amerikanische Schauspielikone Gary Cooper ("12 Uhr Mittags"), die Paradebesetzung für eher schweigsame aber unbeugsame Charaktere bzw. Heldenfiguren.

"Verdammt zum Schweigen" ist zur Hälfte die Biographie bzw. das Portrait eines unbesungenen, amerikanischen Helden, der zu Lebzeiten nie die Würdigung erhielt, die ihm aufgrund seiner visionären Voraussicht zugekommen wäre, zum anderen ein militärisches Gerichtsdrama zu Friedenszeiten. Die Produktion wurde handwerklich von Otto Preminger sehr routiniert in Szene gesetzt und Gary Cooper akzentuiert die Hauptfigur sehr gut zwischen zunächst zurückhaltendem Aufbegehren gegen unhaltbare Umstände und eigener moralischer Entrüstung über die daraus resultierende Rollenzuschreibung als Nestbeschmutzer innerhalb des Militärs. Mitchell befindet sich dabei in einem moralischen Zwiespalt. Einerseits ist er sich der Verpflichtung gegenüber seinem Vaterland ebenso wohlbewusst wie seiner soldatischen Gehorsamspflichten, andererseits trägt er aber auch gegenüber seinen Männern die Verantwortung, deren Leben jedoch durch unzureichendes Material leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Nachdem er auf dem Dienstweg trotz größten persönlichen Engagements gescheitert ist, wählt er den seiner Meinung nach einzigen gangbaren Weg und verliest vor der Presse eine Erklärung, die eine bestehenden Zustände anprangert, um die Öffentlichkeit für das Problem zu sensibilisieren und es außerhalb des Militärs bekannt zu machen.  

Mitchells Loyalität gegenüber seinem Vaterland und dem US-Militär an sich wird dabei allerdings nie in Frage gestellt, angeklagt werden vielmehr einzelne, engstirnige und unfähige Vorgesetzte. Dementsprechend ist Mitchells Figur extrem patriotisch angelegt und der Film spart nicht mit heutzutage unangemessen oder überholt wirkendem Pathos. In den ersten 40 Minuten begleitet das Werk vor allem Mitchell, führt seine Person ein, zeigt sein Engagement sowie seine Visionen, verdeutlicht den traurigen Ist-Zustand seiner Einheiten und erläutert die Widerstände denen sein bei anderen Heeresteilen (Army und Marine) überwiegend ungeliebtes Kind, die Lufstreitkräfte, in Zeiten eines knappen Verteidigungsetats, gegenüber steht. Im zweiten Teil wird der Film dann zum Justizdrama und widmet sich ausführlich dem Verlauf der Militärgerichtsverhandlung, bei dem auch Mitchells Loyalität und Charakter auf ehrenrührige Weise in Frage gestellt werden.

Digitale Aufarbeitung:
Technisch ist die vorliegende DVD leider auch für einen rund 55 Jahre alten Film alles andere als zufriedenstellend. Die Bildschärfe ist unterdurchschnittlich und wird durch extrem nervige, allgegenwärtige, stehende Rauschmuster, wahrscheinlich auch durch die mangelhafte Kompression bedingt, weiter getrübt. Optisch wirkt das in etwa wie ein gestörtes Fernsehbild bei völlig falsch eingestellter Antenne. Auch die Farbwiedergabe ist eine herbe Enttäuschung und resultiert in einem sehr blassen, völlig ausgewaschenen Bild weitab jeglicher Natürlichkeit. Auch die Kontrastwerte können nicht überzeugen, so dass der Gesamteindruck extrem schwammig und konturlos ausfällt. Die leichten Verschmutzungen und Helligkeitsschwankungen sowie die seltenen, aber durchaus auch stärkeren Bildfehler, fallen dagegen nicht mehr sonderlich ins Gewicht. Auch die deutsche Tonspur ist technisch nicht gerade ein Highlight. Sie ist zwar durchaus verständlich ausgefallen, klingt aber dumpf und auch deutlich verzerrt. Die englische Tonspur ist allerdings auch nicht besser. Sie knackt und rauscht deutlich vernehmlich und klingt ziemlich blechern sowie übersteuert.

Auf der DVD befindet sich lediglich das doppelseitige, zoombare Programmheft zum Film (Illustrierte FilmBuehne/1955). Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Verdammt zum Schweigen" ist ein routiniert in Szene gesetztes Konstrukt aus historischem Biopic und Justizdrama vor militärischem Hintergrund, das unterhaltsam in Szene wurde und eine starke Performance des Hauptdarstellers Gary Cooper vorweisen kann. Inhaltlich wirkt der Film heutzutage allerdings etwas altbacken, einseitig, übertrieben patriotisch und dramaturgisch manchmal etwas gekünstelt. Technisch ist die vorliegende DVD leider ein echtes Jammertal und selbst für einen mehr als 50 Jahre alten Film weitgehend indiskutabel ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
95:59 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Programmheft
Verdammt zum Schweigen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Verdammt zum Schweigen
The Court-Martial of Billy Mitchell

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Technisch erbärmliche Veröffentlichung eines inhaltlich durchaus überzeugenden Preminger-Klassikers


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1955
Regie:
Otto Preminger
Drehbuch:
Milton Sperling, Emmet Lavery, Ben Hecht, Dalton Trumbo, Michael Wilson
Darsteller:
Gary Cooper, Charles Bickford, Ralph Bellamy, Rod Steiger, Elizabeth Montgomery, Fred Clark

Label Deutschland :
Voulez Vous Film
Verkaufsstart Deutschland :
08.10.2010