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DVD-Besprechung - Samurai Legends

Story:
Samurai der Dämmerung
Seibei Iguchi (Hiroyuki Sanada) ist ein verarmter Samurai niederen Ranges und Witwer, der mit seinem geringen Gehalt auch noch zwei Töchter und seine geistig verwirrte Mutter durchbringen muss. Als er sich für seine Jugendfreundin Tomoe (Rie Miyazawa) einsetzt, wird der von Grabenkämpfen durchzogene Clan auf seine Schwertkunst aufmerksam und erteilt ihm den Auftrag einen Abtrünnigen zu töten. Für Seibei, der sich mittlerweile auch in die gerade erst geschiedene Tomoe verliebt hat, ist dieser gefährliche Auftrag eine Chance sich finanziell zu verbessern, was eine Eheschließung mit Tomoe ermöglichen würde, aber auch eine Chance sein Ansehen wiederherzustellen.  

The Hidden Blade
Im Jahr 1858 wird der Samurai Yaichirô Hazama (Yukiyoshi Ozawa) nach Edo versetzt, um dort eine hohe Position zu bekleiden. Zurück bleibt sein Schwertbruder Munezô Katagiri (Masatoshi Nagase), der im Stande eines niedrigen Samurais eine Position als Ausbilder beim Unasaka-Clan bekleidet. Auf Munezô lastet das unehrenhafte Erbe seines Vaters. Als er schließlich seine ehemalige Dienerin Kie (Takako Matsu), um sie vor Misshandlungen zu schützen, zu sich nimmt, wird ihm zusätzlich noch eine nicht standesgemäße Affäre mit ihr angelastet. Drei Jahre später kommt jedoch seine große Chance, sich ein für alle mal vor den Augen des Clans reinzuwaschen. Dafür muss er allerdings Yaichirô töten, der mittlerweile als Verschwörer gegen den Shogun verfolgt wird.  

The Last Sword
Der verarmte Samurai Kanichiro Yoshimura (Kiichi Nakai) verlässt seinen Clan, was einem Verrat gleichkommt. Um seine zurückgelassene Familie finanziell versorgen zu können, schließt er sich den Shinsengumi, den sogenannten "Wölfen von Mibu", als Schwertmeister an. Als es zwischen Tenno und Shogun Tokugawa zunehmend zu Auseinandersetzungen kommt, spalten sich auch die Shinsengumi in zwei Lager. Yoshimura gerät dadurch in einen Loyalitätskonflikt, der aber auch materieller Natur ist. Ein Überlaufen zum Kaiser würde sich finanziell auszahlen, während ihm sein Eid und die Tradition jedoch Loyalität zu Tokugawa gebieten.

Meinung zum Film:
Die „Samurai Legends“ Box beinhaltet die drei japanischen Samuraifilme „Samurai der Dämmerung“, „The Hidden Blade“ und „The Last Sword“. Alle drei enthaltenen DVDs sind dabei bis auf die EAN identisch mit den bereits erhältlichen Einzelauflagen der Filme, bieten also auch hinsichtlich der Technik und des Bonusmaterials keine Neuerungen. „Samurai der Dämmerung“ (2002) und „The Hidden Blade“ (2004) sind die ersten beiden Teile einer Trilogie von Regisseur Yôji Yamada, deren dritter Teil, "Love and Honor", bis heute nicht in Deutschland erschienen ist, und die alle auf Kurzgeschichten des japanischen Bestsellerautors Shûhei Fujisawa basieren. „The Last Sword“ (2003) hat hingegen keinen direkten Bezug zu den anderen beiden Titeln der Box. „Samurai der Dämmerung“ stellt den materiellen und später auch körperlichen Überlebenskampf eines niederen Samurais in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Der Grundton des Films ist dabei äußerst pessimistisch angelegt und die allgegenwärtige Stimmung von Verfall und Hoffnungslosigkeit schlägt sich auch in der optischen Präsentation des Films nieder. Der Film begleitet Seibei bei seinem kärglichen Dahinvegetieren, kontrastiert allerdings sehr geschickt sein abgewetztes Äußeres mit seiner ehrenhaften, korrekten und aufopferungsvollen inneren Haltung. Das zunehmend amoröse Züge tragende Verhältnis zu seiner Jugendfreundin ist dabei zugleich zart aufkommende Verheißung besserer Tage, als auch eine deprimierende Bestandsaufnahme gegenwärtiger, persönlicher Verhältnisse. Darstellerisch trägt Hiroyuki Sanada („Sunshine“) den Film bravourös, aber auch die Erzählweise des Films wirkt tiefgründig und emotional anrührend. Kampfsequenzen sind hingegen die absolute Ausnahme und eher ungeduldige Naturen werden sich angesichts des geringen Erzähltempos wohl eher langweilen.

"The Hidden Blade" ist ein ruhig angelegtes, bedächtig und sehr stimmungsvoll erzähltes Samuraidrama um eine unglückliche Liebesgeschichte, zu einer Zeit, als der Stand der Samurai bereits seinem unausweichlichen Ende entgegen geht. Die zentralen Motive der Geschichte sind Liebe, Rache, Pflicht und Ehre. "The Hidden Blade" thematisiert den Zwiespalt eines einfachen Samurais, der zwischen persönlichen Gefühlen und übergeordneten, althergebrachten Verpflichtungen gefangen ist. Trotz seines stets ehrenvollen und pflichtbewußten Verhaltens, muss er mit ansehen, wie seine Kriegerkaste und deren Wertvorstellungen gesellschaftlich zunehmend an Bedeutung verlieren. Statt Schwertkampfszenen dominiert hier eine einfühlsam vorgetragene Liebesgeschichte und ein Kampf um die persönliche Ehre inmitten einer Zeit des Wandels für den Stand der Samurai. Die besonnene Kameraführung, die exzellenten Darsteller, die rundum gelungene Ausstattung, die glaubwürdige sowie emotionalisierende Darstellung seiner zentralen Charaktere und die sehr atmosphärische Erzählweise des Films entführen den Zuschauer in ein fernes Zeitalter voller widerstreitender Emotionen und gesellschaftlicher Konflikte.  

„The Last Sword“ ist ein ruhig vorgetragenes Samurai-Drama alter Schule inklusive wunderbarer Locations, einer stets stimmigen Musikuntermalung, authentisch wirkenden Sets, Waffen und Kostüme sowie perfekt choreographierte Kämpfen. Zentral für „The Last Sword“ ist der Konflikt zwischen dem damaligen Tenno (Kaiser) Mutsuhito, der für eine westlich orientierte Modernisierung Japans eintrat, sowie dem letzten Tokugawa-Shogun, der eine Politik der Abschottung und den Erhalt traditioneller Werte anstrebte. Die Hauptfigur des Films ist erneut ein Samurai niederen Ranges, die zweite tragende Rolle spielt ein angesehener Samurai. Dieses Paar zerfällt grob in die Gegenpole aus edlem Samurai und eiskaltem Schlächter, was der Geschichte ihren besonderen Reiz verleiht. Die verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen auf denen der Film wirkt, sorgen für Vielschichtigkeit und einen steten, aber abwechslungsreichen Erzählfluss. "The Last Sword" bietet dabei Einblicke in zahlreiche Problematiken des Samurailebens, wie z.B. Konflikte zwischen der Loyalität gegenüber der eigenen Familie und dem eigenen Herrn oder Sinn und Unsinn des Seppuku. Letztendlich ist der Film in seiner beinahe poetischen Bildsprache und epischen Erzählweise ein gelungener Abgesang auf die alte Tradition der Samurai mit zwei hervorragenden Darstellern als ungleichen Leidensgenossen.

Digitale Aufarbeitung:
„Samurai der Dämmerung“ erschien bereits im Jahr 2002 als deutsche DVD und das ist anhand der nicht zufriedenstellenden Bildqualität leider auch deutlich ablesbar. Visuell macht die DVD sowohl einen unscharf als auch detailarmen Eindruck. Die Farbgebung präsentiert sich schwach und ausdrucksarm, was in Verbindung mit dem deutlichen Bildrauschen sowie den schlappen Kontrastwerten wirkt, als wäre die Optik mit einem nebligen, grauen Schleier überzogen. „The Hidden Blade“ verfügt hingegen über eine gute Bildschärfe und ausgewogene Kontrastwerte. Im Hintergrund ist lediglich ein dezentes Bildrauschen erkennbar. Die Farbgebung des Films ist aber leider sehr blass ausgefallen. „The Last Sword“ wird von einem leichten Bildrauschen begleitet und auch die Kompression macht sich hin und wieder bemerkbar. Die Schärfe und der Kontrast gehen aber ebenfalls in Ordnung, somit ist die Bildqualität durchaus zufriedenstellend. Für alle drei eher ruhig angelegten Filme gilt, dass die Tonspuren über eine gute Verständlichkeit verfügen und sehr harmonisch abgemischt wurden, jedoch ansonsten keine besonderen Effekte zu bieten haben.

Die DVD von “Samurai der Dämmerung” enthält den deutschen Trailer, drei japanische Trailer im Originalton ohne Untertitel und kurze Filmo- bzw. Biographien von Hauptdarsteller Hiroyuki Sanada sowie Regisseur Yôji Yamada in Textform. Auf der DVD von “The Hidden Blade” befinden sich zunächst der japanische Originaltrailer, ein japanischer Teasertrailer und eine Bildergalerie zum Film. Das ultraknappe "Behind the Scenes"-Feature (6:16) bietet lediglich wenig aussagekräftige Bilder von den Dreharbeiten. Das Feature "Berlinale 2005" (5:59) besteht nur aus einer Handvoll unkommentierter Impressionen von der dortigen Filmvorführung und dem Auftritt des Regisseurs. Die DVD von “The Last Sword” beinhaltet neben dem deutsch/japanischen Trailer gerademal drei Ausschnitte von den Dreharbeiten mit einer Gesamtlaufzeit von etwa 21 Minuten. Diese Szenen sind jedoch unkommentiert oder wurden nicht übersetzt. Keine der drei DVDs besitzt ein Wendecover. Der dezent gestaltete, relativ stabile Schuber, in dem sich die DVDs befinden, ist jedoch von einem FSK-Aufdruck verschont geblieben.

Fazit:
„Samurai Legends“ ist eine günstige Zusammenstellung von drei hochwertigen japanischen Samuraifilmen. Sie lohnt jedoch aufgrund ausgebliebener technischer Überarbeitungen und fehlendem, zusätzlichem Bonusmaterial keinen Neukauf für Besitzer bereits erhältlicher Auflagen. „Samurai der Dämmerung“ und „The Hidden Blade“ sind die ersten beiden Teile einer bisher im deutschsprachigen Raum noch nicht erhältlichen Trilogie, während „The Last Sword“ nur indirekte, thematische Bezüge zu diesen beiden Titeln aufweist.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
Samurai der Dämmerung:
126:36 Minuten

The Hidden Blade:
132:02

The Last Sword:
131:52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Japanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Diverse deutsche und japanische Trailer zu den Filmen
  • Bio- und Filmographien von Darsteller Hiroyuki Sanada und Regisseur Yoji Yamada
  • Bildergalerie zu "The Hidden Blade"
  • Behind the Scenes ("The Hidden Blade")
  • Berlinale 2005" ("The Hidden Blade")
  • Ausschnitte von den Dreharbeiten zu "The Last Sword"
Samurai Legends - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Samurai der Dämmerung / The Hidden Blade / The Last Sword - Die Wölfe von Mibu
Tasogare Seibê / Kakushiken oni no tsume / Mibu gishi den

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Günstige Zusammenstellung dreier hochwertiger, japanischer Samuraifilme neueren Datums


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan, 2002 / 2004 / 2003
Regie:
Yôji Yamada, Yojiro Takita
Drehbuch:
Yôji Yamada, Yoshitaka Asama (basierend auf Kurzgeschichten von Shûhei Fujisawa), Jiro Asada, Takehiro Nakajima
Darsteller:
Hiroyuki Sanada, Rie Miyazawa, Masatoshi Nagase, Takako Matsu, Kiichi Nakai, Koichi Sato

Label Deutschland :
3L
Verkaufsstart Deutschland :
21.10.2010