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DVD-Besprechung - Low Lights - Eine Nacht, ein Ritual

Story:
Als Tadas zufällig auf seinen alten Schulfreund Linas trifft, beschließen die beiden, etwas Ungewöhnliches zu machen: Um sich vom Alltag abzulenken, fahren sie nachts durch die Straßen ihrer Stadt, ohne ein bestimmtes Ziel und ohne bestimmte Absichten. Genau zwei Liter werden immer getankt, was dazu führt, dass öfters an Tankstellen gehalten werden muss, bis Linas an einer plötzlich auf eine schöne junge Frau trifft, die ihm den Atem raubt. Doch auch Tadas verschlägt es die Sprache - denn genau diese Dame ist seine Ehefrau.

Meinung zum Film:
Litauen, irgendwo in einer Großstadt: Tadas (Dainius Gavenonis) lebt zusammen mit seiner Frau Laura (Julia-Maria Köhler, "Verrückt nach Clara") in einer kleinen Wohnung, die gerade renoviert werden soll, doch die Handwerker haben sich mit ihrer Vorschusszahlung aus dem Staub gemacht. Doch das ist nicht das einzige Problem der beiden, denn außer der Wohnung teilen sie eigentlich gar nichts mehr und leben nur noch mehr oder weniger stumm nebeneinander her. Da ist es für Tadas eine willkommene Abwechslung, dass er zufällig auf seinen alten Schulfreund Linas (Jonas Antanelis) trifft, den er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Linas scheint es ziemlich gut zu gehen - so ist er gerade erst von einem fünfjährigen USA-Aufenthalt zurückgekehrt - und außerdem arbeitet er nun als Innenarchitekt, weswegen er Tadas auch sofort anbietet, sich um die Renovierung von dessen Wohnung zu kümmern.

Doch zuvor lädt er ihn auf eine ganz besondere Spritztour ein: Tadas soll mit ihm einmal "Nightdriving" betreiben - sich einfach nachts ins Auto setzen und ziellos durch die Gegend fahren, ohne an irgendetwas denken zu müssen. Den besonderen Kick (oder auch die besondere Entspannung) bekommt man dabei zusätzlich dadurch, dass man zwischendurch einfach mal die Luft anhält, die Scheinwerfer ausschaltet und das Licht erst dann wieder aufflammen lässt, wenn man wieder atmen muss. Tadas findet dieses verschrobene "Ritual" von Linas - das außerdem beinhaltet, den Tank immer nur mit zwei Litern zu befüllen - zwar ganz unterhaltsam, aber nicht wirklich spannend oder faszinierend. Doch das ändert sich schlagartig, als die beiden an einer Tankstelle auf eine junge Frau treffen, die Linas zu gefallen scheint und Tadas kurzzeitig die Sprache verschlägt, denn die Dame, die sich als "Vita" vorstellt, ist niemand anderes als seine Ehefrau Laura.

Wer bei dem deutschen Untertitel "Eine Nacht, ein Ritual" an Horrorszenarien oder seltsame Opferzeremonien denkt, liegt völlig falsch. Das "Ritual" des Films besteht lediglich darin, mit zwei Litern im Tank ziellos durch die Nacht zu fahren und dabei gelegentlich das Licht auszuschalten. Und so unspektakulär sich das anhört, so unspektakulär ist auch der Film. Anderthalb Stunden passiert mehr oder weniger rein gar nichts. Ja, die Intention des Films wird durchaus klar - die Nacht bietet den Rahmen dafür, alles "Alltägliche" zu vergessen und sich selbst neu zu (er)finden. Doch die letztliche Umsetzung weiß nicht wirklich zu überzeugen. Zu oberflächlich bleiben die Figuren, deren Hintergrund völlig unklar ist, zu unradikal die Handlungen, um sich tatsächlich vom faden Alltagstrott abzuheben. Das Grundthema hätte durchaus Stoff für einen relativ spannenden Film bieten können, doch bei "Low Lights" plätschert alles so ziellos vor sich hin wie die Autofahrt der drei Hauptdarsteller. So überzeugt der Film letztlich zwar aus handwerklicher Sicht (die Nachtaufnahmen sind durchaus gelungen und gefallen durch ihre immer wieder aufs Neue ungewöhnlichen Perspektiven), bietet aber inhaltlich nichts, was den Zuschauer bei der Stange halten oder ihm im Gedächtnis bleiben würde.

Digitale Aufarbeitung:
Technisch gibt es an der DVD zu "Low Lights" nicht viel auszusetzen. Das Bild rauscht aufgrund der fast ausschließlichen Nachtszenen sehr stark, allerdings ohne dass dies die Optik entscheidend stören würde. Die Farben wirken natürlich, könnten aber einen Tick kräftiger sein, was auch für den Schwarzwert gilt. Die Schärfe ist ebenfalls nur mittelprächtig, gerade im Detailbereich wirkt alles ein bisschen zu weich. Der Ton liegt auf Deutsch und Litauisch in Dolby Digital 5.1 vor und bietet jederzeit klar verständliche Dialoge. Genrebedingt ist die Abmischung sehr frontlastig.

Als Bonusmaterial gibt es den Trailer zum Film, einen kurzen Clip über die Festivalpremiere in Karlsbad sowie Interviews mit dem Regisseur, der Produzentin, Julia-Maria Köhler sowie Jonas Antanelis. Diese dauern insgesamt rund 15 Minuten und sind ganz interessant ausgefallen. Allerdings liegen die Interviews mit Jonas Antanelis und Regisseur Ignas Miskinis ausschließlich auf Englisch ohne Untertitel vor.

Fazit:
"Low Lights" bietet thematisch einige gute Ansätze, scheitert aber an einer zu langweiligen Umsetzung, die dafür sorgt, dass die Handlung anderthalb Stunden lang ohne Höhen und Tiefen vor sich hinplätschert und man den Eindruck bekommt, dass rein gar nichts passiert. Zumindest optisch weiß der Film aber durchaus zu gefallen. Die DVD bietet technisch zwar nicht überragende, aber immerhin solide Qualität und auch ein bisschen Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
91:02 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Litauisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews mit Cast & Crew
  • Eindrücke von der Festivalpremiere in Karlsbad
  • Trailer
Low Lights - Eine Nacht, ein Ritual - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Low Lights
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Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Drei Litauer im Schnee ... äh ... Auto


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Litauen / Deutschland, 2009
Regie:
Ignas Miskinis
Drehbuch:
Ignas Miskinis
Darsteller:
Dainius Gavenonis, Julia Maria Köhler, Jonas Antanelis

Label Deutschland :
3L
Verkaufsstart Deutschland :
21.10.2010