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DVD-Besprechung - Best of Löwenzahn

Story:
Zur Feier des 30-jährigen Jubiläums von "Löwenzahn", der erfolgreichsten deutschen Wissenssendung nach der "Sendung mit der Maus", veröffentlicht Kinowelt hier ein "Best Of" mit jeweils fünf Folgen von Peter Lustig sowie seinem Nachfolger Fritz Fuchs (Guido Hammesfahr). Die Lustig-Folgen beschäftigen sich mit den Themen Knochen, Vulkanismus, Nudeln, Steinzeit und Schnecken. Die Fuchs-Folgen greifen die Gebiete Augen, Gummi, rätselhafte Tiere, Schlangen und Wind auf.


Meinung zum Film:
"Löwenzahn" gehört nicht nur zu den beliebtesten deutschen Kindersendungen, sondern ist neben der "Sendung mit der Maus" auch eine der langläufigsten deutschen TV-Produktionen überhaupt. In diesem Jahr feiert die Reihe nun ihr 30-jähriges Jubiläum . 30 Jahre, in denen so einiges passiert ist. Alles fing Ende der 1970er-Jahre an, als die ebenfalls von Peter Lustig präsentierte Serie "Pusteblume" die Produktionsfirma wechselte und daraufhin einen neuen Namen brauchte. Im Rahmen dieses Neuanfangs entschied man sich außerdem, das Konzept der Reihe etwas zu ändern. So zog Peter in der ersten "Löwenzahn"-Folge aus seinem in "Pusteblume" bewohnten Haus aus, da sich dieses nun in der Schneise eines Flughafens befand und ihm der Lärm zu viel wurde. Als Alternative überlegte er sich nach einigem Abwägen, in einen Bauwagen zu ziehen - natürlich nicht irgendeinen, sondern in einen ganz besonderen blauen Bauwagen, der von ihm zu diesem Zweck speziell hergerichtet wurde. So optimierte Peter den begrenzten Platz seines neuen Zuhauses u.a. dadurch, dass der Mittelteil seines Bettes mithilfe eines Flaschenzugs an der Decke befestigt werden kann und dadurch tagsüber zwei bequemen Sitzbänken weicht. Auch Strom, Wasser und alle sonstigen Annehmlichkeiten sind im Bauwagen vorhanden, weshalb es sicherlich keinen unter den jungen und alten Zuschauern gibt, der sich nicht mal gewünscht hat, zumindest eine Nacht auch mal in diesem ungewöhnlichen Zuhause zu verbringen.

Im Laufe der Jahre gab es rund 200 Folgen mit Peter Lustig - 200 Folgen, in denen auf kindgerechte - aber nie kindische Weise - Themen aus Natur, Umwelt und Technik erforscht wurden. Das Besondere dabei war immer, dass Peter nie den belehrenden Onkel spielte, sondern allen Fragen aus eigenem Interesse heraus nachging, wodurch der Zuschauer nicht durch Peter lernte, sondern vielmehr mit ihm - und all das verpackt in eine unterhaltsame, nie alberne Geschichte, an der auch Erwachsene immer noch ihren Spaß haben konnten und in denen es nicht selten um einen Wettstreit zwischen Peter und seinem etwas naiven Nachbarn Herr Paschulke (Helmut Krauss) ging. Doch im Jahr 2005 kündigte sich das Ende von "Löwenzahn" an. Nach 25 Jahren - und nachdem die Dreharbeiten für Peter, der aufgrund einer früheren Krebserkrankung nur noch einen Lungenflügel hat, immer anstrengender wurden - zog sich der beliebte Moderator aus dem Fernsehen zurück. Obwohl es ursprünglich hieß, dass die Reihe nach dem Ausstieg von Peter Lustig (der sie auch maßgeblich mit entwickelte) beendet würde, entschied sich die Redaktion des ZDF für einen anderen Weg und castete mit Guido Hammesfahr einem Schauspieler, der zuvor vor allem durch Anke Engelkes "Ladykracher" bekannt wurde, einen Nachfolger, der nach Peters Ausstieg unter dem Namen "Fritz Fuchs" im Bauwagen einzog. Während die Hauptzielgruppe der jüngeren Kinder dies - wie auch an den Einschaltquoten zu sehen war - weniger störte, da sie von den Peter-Lustig-Folgen sowieso nicht mehr viel mitbekommen hatten, wandten sich infolge dessen vor allem ältere Fans von der Reihe ab. Denn während für langjährige Zuschauer "Löwenzahn" unweigerlich mit Peter Lustig verbunden ist - ja, sogar nahezu mit ihm identisch -, wurde es in den neuen Folgen nur allzu bald klar, dass das ZDF die Reihe eher als das Konzept "komischer Typ wohnt im Bauwagen" sieht. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich die Fritz-Fuchs-Folgen sehr deutlich von den Peter-Lustig-Episoden unterscheiden. Bei Fuchs alias Hammesfahr merkt man zu jeder Zeit, dass er ein Schauspieler ist, der eben eine Rolle ausfüllt, während Lustig in der Sendung jederzeit er selbst war. Außerdem wurden die neuen Folgen auch dadurch unattraktiver, dass man sich von der Prämisse "kindgerecht, aber nicht kindisch" abwandte und öfters Comedians in mehr oder weniger überzeugenden Nebenrollen hinzuholte, während die Storys selbst auch deutlich alberner wurden.

Dennoch laufen die Fritz-Fuchs-Episoden nun seit fünf Jahren mit nicht geringem Erfolg im Fernsehen und so hat es wohl auch seine Daseinsberechtigung, dass die Hälfte der in der vorliegenden "Best Of"-Box enthaltenen Folgen aus seiner Zeit stammen. Ob die von ihm präsentierten Themen - u.a. "Geheimnisvolle Tiere - Bigfoot in Bärstadt" - nun wirklich zu den besten Hammesfahr-Folgen zählen oder die Fuchs-Versionen von Themen, die es früher schon mal mit Peter Lustig gab (Schlangen, Wind, Gummi, Sehen) nun tatsächlich gelungener sind als ihr entsprechendes Lustig-Pendant, sei allerdings dahingestellt. Und auch bei den fünf Peter-Lustig-Folgen ist es doch ein sehr komischer Zufall, dass für das "Best Of" ausschließlich Folgen ausgewählt wurden, die früher bereits auf DVD (und gelegentlich sogar bereits auf VHS) erschienen waren. Wenn man sieht, dass alle Episoden ("Peter geht auf Knochenjagd", "Peter tanzt auf dem Vulkan", "Peter und die längste Nudel der Welt", "Peters Reise in die Steinzeit" und "Peters Schnecken rennen") schon auf den vor acht Jahren von Edel Kids veröffentlichten "Löwenzahn"-DVDs präsentiert wurden, bekommt man schon ein wenig den Eindruck, dass hier entweder Kinowelt oder die Löwenzahn-Redaktion zu faul war, ein wirkliches "Best Of" zusammenzustellen und stattdessen lieber den einfachsten Weg gegangen ist. Schade, denn die Folgen sind zwar sicherlich nicht schlecht, doch hätten sich aus 25 Jahren Löwenzahn sicherlich noch ein paar größere "Schätze" ausgraben lassen, die noch nicht so oft fürs Heimkino verfügbar waren. Zumindest sind aber immer die ungekürzten Varianten der Folgen enthalten (die älteren Episoden, die noch eine halbstündige Laufzeit hatten, wurden bei späteren TV-Ausstrahlungen auf die neue Norm von 25 Minuten heruntergekürzt).


Digitale Aufarbeitung:
Technisch darf man von den vorliegenden "Löwenzahn"-Folgen natürlich kein Referenzniveau erwarten. Besonders bei den Lustig-Episoden schwankt die Qualität deutlich. So sind z.B. bei "Peter und die längste Nudel der Welt" sehr starke Kammeffekte zu bemerken, während "Peter geht auf Knochenjagd" einen deutlichen Gelbstich aufweist. Immer auffällig ist zudem das recht starke Rauschen sowie die immer wieder auftretenden Kompressionsartefakte. Auch die Schärfe schwankt von Folge zu Folge und liegt meistens lediglich im befriedigenden Bereich. So bekommt der Zuschauer zwar keine deutlich schlechtere Qualität als im Fernsehen geboten, sollte aber auch keine bessere erwarten. Überraschenderweise sehen auch die neuen Fritz-Fuchs-Folgen nicht immer wirklich besser aus. Diese wurden zwar in 16:9 gedreht und liegen dementsprechend auch anamorph vor, doch auch bei ihnen ist ein sehr starkes Rauschen und eine gerade mal befriedigende Schärfe vorzufinden. Zudem machen sich auch bei Ihnen Kompressionsprobleme bemerkbar. Die Qualität des Tons hängt ebenfalls immer von der jeweiligen Folge ab. Hier punkten die Fuchs-Folgen dadurch, dass diese deutlich neuer sind und immer eine sehr klare Stereoabmischung bieten. Die Episoden mit Peter Lustig verfügen zwar auch über jederzeit klar verständliche Dialoge, klingen aber manchmal etwas dumpfer, gerade bei den älteren Geschichten.

Als Bonusmaterial gibt es einen aktuellen 25-minütigen Auftritt von Peter Lustig, Guido Hammesfahr und Helmut Krauss in der Talkshow von Markus Lanz, der im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums von "Löwenzahn" stattfand. Außerdem findet man die Making-of-Featurette "Von der Idee zur Sendung" vor, die einen zwölfeinhalbminütigen Einblick in den Entstehungsprozess einer Löwenzahn-Folge gibt und zum 20-jährigen "Löwenzahn"-Jubiläum vor zehn Jahren entstanden ist (so bezieht sie sich auch auf die hier nicht enthaltene Jubiläumsfolge "Peters famose Hose"). Der ebenfalls zwölfeinhalbminütige Clip "Löwenzahn blickt hinter die Kulissen" zeigt die Entstehung des Löwenzahn-Films "Die Reise ins Abenteuer" aus dem Jahr 2005, dem letzten großen Peter-Lustig-Projekt. Zuletzt wäre da dann noch der knapp dreiminütige Clip "Peter Lustig sagt tschüss" - ebenfalls aus dem Jahr 2005 -, in dem Peter kurz über seine "Löwenzahn"-Zeit reflektiert.

Fazit:
Die "Jubiläums-Edition" von Löwenzahn gefällt vor allem dadurch, dass sie einige interessante Entstehungsclips der Reihe im Bonusmaterial versammelt. Negativer fällt hingegen die Auswahl der Episoden auf. So sind beispielsweise von den Folgen, auf denen sich das Bonusmaterial bezieht, gar keine enthalten - und bei den Peter-Lustig-Episoden finden sich ausschließlich solche vor, die früher bereits auf DVD (und z.T. VHS) erhältlich waren. Nach "verlorenen Schätzen" sucht man hier also vergeblich. Technisch bietet die Doppel-DVD mittelmäßiges bis gutes Niveau - nicht mehr, aber auch nicht weniger, als man von einer TV-Veröffentlichung erwarten darf.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung

3 Folgen à ca. 30 Minuten + 7 Folgen à ca. 24 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Von der Idee zur Sendung
  • Löwenzahn blickt hinter die Kulissen
  • Peter Lustig sagt tschüss
  • Peter Lustig, Helmut Krauss und Guido Hammesfahr bei Markus Lanz
Best of Löwenzahn - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Löwenzahn
Löwenzahn

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Nicht wirklich ein "Best Of" der beliebten Wissensreihe


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1987-2009
Regie:
Claus Landsittel u.a.
Drehbuch:
Peter Lustig u.a.
Darsteller:
Peter Lustig, Helmut Krauss, Guido Hammesfahr

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
04.11.2010