Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Admiral

Story:
Alexander Kolchak (Konstantin Khabenskiy) erlebt während des 1. Weltkriegs aufgrund seiner Verdienste im Kampf gegen die Deutschen als Offizier der russischen Seestreitkräfte einen rasanten Aufstieg und wird schließlich sogar vom Zaren persönlich zum Vizeadmiral und Oberbefehlshaber der Schwarzmeerflotte befördert. Privat findet Alexander außerdem in Anna Timirev (Elizaveta Boyarskaya) seine große Liebe und das obwohl beide bereits verheiratet sind, Anna sogar ausgerechnet mit seinem Offizierskameraden Sergey (Vladislav Vetrov). Als der Zar jedoch von den Bolschewiken gestürzt wird, beginnt auch der Stern von Alexander zu sinken, da für beide Seiten eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr in Frage kommt. Alexander wird ins Exil getrieben und somit auch von Anna getrennt. Schließlich kehrt er jedoch zurück und führt die Weißen in den Kampf gegen die Roten und Anna weicht dabei nicht von seiner Seite.

Meinung zum Film:
„Admiral“ gilt mit einem Budget von rund 20 Millionen US-Dollar als eine der teuersten russischen Kinoproduktionen aller Zeiten, spielte jedoch in relativ kurzer Zeit beinahe das Doppelte dieser Summe bereits wieder ein, und wurde in Russland zum Kassenschlager. Die Produzenten des Films sind dabei erwartungsgemäß keine Unbekannten, Anatoly Maximov war in dieser Funktion bereits bei den auch international erfolgreichen Fantasyfilmproduktionen „Wächter der Nacht“ bzw. „Wächter des Tages“ aktiv. Hauptdarsteller Konstantin Khabenskiy war auch in diesen Produktionen in gleicher Funktion aktiv. Regisseur Andrei Kravchuk drehte im Jahr 2005 mit dem Waisenkinddrama „Der Italiener“ bereits den offiziellen russischen Beitrag für den Auslandsoscar.

„Admiral“ entpuppt sich schnell als eine Mischung aus filmischer Biographie der historischen Persönlichkeit Kolchaks, mit starkem Hang zur subjektiven Heldenverehrung, aus Kriegs- bzw. Revolutionsdrama und aus einer tragischen Romanze. Leider versagt „Admiral“ bereits als Biopic und historisches Portrait seiner Zeit auf ganzer Linie. Da wäre zunächst die Figur des Alexander Kolchak, selten wurde eine Hauptfigur wohl dermaßen unpersönlich in einen Film eingeführt. Der Zuschauer begegnet ihm erstmals als Kommandant eines Schiffes im Gefecht mit den Deutschen im Jahr 1916. Über seine Biographie, bisherige Karriere oder persönlichen Ansichten vermittelt das Drehbuch überhaupt nichts. Es wird lediglich schnell deutlich, der Mann ist absolut vaterlandstreu und somit auch für den Betrachter unverständlicherweise automatisch zaristisch, obwohl er keinerlei politische Gesinnung zur Schau stellt. Zudem ist er ausgesprochen tapfer und wagemutig, kurz gesagt, dieser Offizier ist von Anfang an ein strahlender, aber aufgrund der im Film ausbleibenden charakterlichen Entwicklung auch ein völlig unnahbarer Held. Historisch nimmt sich der Film dabei gerne ausschweifende Freiheiten, vernachlässigt jegliche gesellschaftlichen oder politischen Hintergründe, denn wen interessiert es schon, wer hier gegen wen kämpft und aus welchem Grund, ist aber in der Einseitigkeit seiner Darstellung quasi der Gegenentwurf zum natürlich ungleich raffinierteren Eisensteinschen „Panzerkreuzer Potemkin“. Dort waren die Matrosen die Ausgebeuteten und die Offiziere die Unmenschen, hier sind die Offiziere Männer von Ehre, die Matrosen hingegen nur fehlgeleiteter, feiger Pöbel.

Verortet werden muss der Film letztendlich deshalb irgendwo zwischen „Doktor Schiwago“ und der US-Großproduktion „Pearl Harbor“. Mit „Doktor Schiwago“ teilt sich der Film den revolutionären, russischen Hintergrund und die durch Kriegswirren herbeigeführte, fortwährende Trennung zweier Liebender. Ähnlich wie „Pearl Harbor“ setzt „Admiral“ aber auch immer wieder auf eingestreute Actionsequenzen, zu hoher See und auf dem Lande. Genau wie hinsichtlich der edlen Ausstattung, z.B. im Hinblick auf die historischen Kostüme, erahnt man auch hier, worin das große Budget begründet liegt, Freunde des Kriegsfilms werden aber aufgrund der geringen Anzahl und kurzen Dauer dieser Sequenzen trotzdem nicht auf ihre Kosten kommen. Viel stärker an das US-Vorbild erinnert aber noch die Extraportion Pathos und Heldenverehrung, die den Film wahrlich ungenießbar werden lässt, ebenso wie der Hang zur trivialen Schnulze. Hier stirbt keiner umsonst bzw. jeder mit Freude fürs Vaterland, und wenn ein Offizier hier seine Infanteristen ohne Munition ins feindliche MG-Feuer jagt, ist das kein sinnloses Gemetzel, sondern unbedingte Vaterlandsliebe. Angesichts von soviel Menschenverachtung und Kriegsverherrlichung, inklusive schablonenhaft-übermenschlich wirkender Heldenfiguren, wird es so manchem aufgeklärten Zuschauer inmitten dieses überlangen, historisch fragwürdigen und fragmentarisch wirkenden Kriegsdrama mit Sicherheit so manches Mal die Sprache verschlagen.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD bewegt sich auf einem hohen Niveau und auch die Kompression gibt keinen Anlass zur Klage. Weiterhin wirkt die Farbgebung natürlich aber auch sehr ausdrucksstark. Die Kontrastwerte präsentieren sich ausgewogen. Der einzige kleine Wermutstropfen ist das deutlich sichtbare Bildrauschen. Die deutsche Tonspur überzeugt mit guter Verständlichkeit bei den Dialogen und einer sehr ausgewogenen, stimmungsvollen Abmischung im Hinblick auf Musik und Soundeffekte. In den Actionszenen hätten dem Film allerdings mehr Wucht und Räumlichkeit gut zu Gesicht gestanden. Die deutsche Synchronisation ist hingegen qualitativ sehr überzeugend ausgefallen. Wahlweise steht auch die technisch gleichwertige, russische Originaltonspur zur Verfügung, die Dank optionaler, durchgehender, deutscher Untertitel eine durchaus sinnvolle Dreingabe darstellt.

Im Bonusmaterial findet sich lediglich der deutsche Trailer zum Film.

Fazit:
„Admiral“ ist ein historisch nicht ernstzunehmdes Biopic über Aleksandr Vasiliyevich Kolchak, das sich als in einseitigster Manier aufgearbeitete, reine Heldenverehrung entpuppt, dabei jedoch alle wichtigen Rahmenbedingungen, wie biographische Details der Hauptfigur, oder die gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Strömungen in Russland zu dieser Zeit, komplett ausklammert. Die Romanze zwischen Alexander und Anna verfängt sich zudem irgendwo zwischen den Ausläufern schnulziger Trivialliteratur und pathetisch überhöhter, dabei jedoch gestelzt-unpersönlich wirkender völliger Hingabe zweier übermenschlich wirkender Unpersonen. Technisch macht die DVD einen sehr überzeugenden Eindruck, das Bonusmaterial ist jedoch für eine aktuelle Kinoproduktion mit dem Adjektiv „jämmerlich“ treffend umschrieben.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
119:32 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Russisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Trailer
Admiral - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Admiral
Admiral

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Seelenloser, russischer Propagandastreifen voller billigem Pathos und blinder Heldenverehrung, in historisch und inhaltlich mehr als fragwürdiger Darstellung


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland, 2008
Regie:
Andrei Kravchuk
Drehbuch:
Zoya Kudrya, Vladimir Valutskiy
Darsteller:
Konstantin Khabenskiy, Elizaveta Boyarskaya, Sergey Bezrukov, Vladislav Vetrov, Anna Kovalchuk, Egor Beroev

Label Deutschland :
Senator
Verkaufsstart Deutschland :
25.11.2010