Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Langer Samstag
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Langer Samstag

Story:
Susi Herzog (Gisela Schneeberger) ist Pächterin einer Tankstelle mit Schnellimbiss in direkter Nachbarschaft des poldi Marktes von Filialleiter Horst Schmude (Dieter Pfaff). Der Privatkrieg der beiden erreicht mit Schmudes Kündigung ihres Pachtvertrags ausgerechnet am langen Samstag vor Weihnachten seinen bisherigen Höhepunkt. Susi will sich aber nicht so einfach geschlagen geben und versucht mit Hilfe des herumpöbelnden Querdenkers und Musikers Anton (Campino) zurückzuschlagen, um Schmude eins auszuwischen. Diese Auseinandersetzung gewinnt aber schnell eine kaum noch einzudämmende Eigendynamik und führt schon bald zu chaotischen Zuständen innerhalb des Supermarktes, die schließlich sogar einen Großeinsatz der Polizei nach sich zieht.

Meinung zum Film:
Für „Langer Samstag“ schrieb Hanns Christian Müller nicht nur das Drehbuch und übernahm die Regie, sondern war auch für den Soundtrack des Films verantwortlich. Müller, der zuvor vor allem als erfolgreicher Theaterdramaturg tätig war, bestritt im Jahr 1983 mit der gesellschaftskritischen Sozialsatire „Kehraus“ direkt ein beeindruckendes Kinofilmdebüt. Die darin begonnene Zusammenarbeit mit dem bayerischen Kabarettisten Gerhard Polt setzte er fünf Jahre später mit „Man spricht deutsh“, einer bissigen Abrechnung mit dem Seelenleben des deutschen Pauschaltouristen, äußerst erfolgreich fort. Wiederum vier Jahre später entstand dann „Langer Samstag“, diesmal ohne Gerhard Polt, der jedoch an den Kinokassen schwer floppte und bis zur heutigen DVD-Veröffentlichung weitgehend in der Versenkung verschwand. Dabei ist die Darstellerriege bis in die Nebenrollen erlesen ausgefallen. Die weibliche Hauptrolle spielt Müllers Ehefrau Gisela Schneeberger, die auch bereits in „Man spricht deutsh“ in dieser Position agierte, und zwar hier an der Seite des Lead-Sängers der deutschen Punkband „Die Toten Hosen“, Campino („Palermo Shooting“), der hier seinen ersten großen Filmauftritt bestritt. In weiteren Rollen agieren deutsche Schauspiel- oder Comedygrößen wie Dieter Pfaff („Sperling und das Loch in der Wand“), Axel Milberg („Babij Jar – Das vergessene Verbrechen“), Ottfried Fischer („Superstau“) und Jochen Busse („Das Amt“).

„Langer Samstag“ ist eine deutliche Abkehr Müllers vom bissigen, tiefschürfenden Satireansatz und entpuppt sich schnell als deutlich seichter angelegte Verwechslungskomödie mit Buddy-Film-Ansätzen innerhalb zunehmend chaotischer verlaufenden Personenkonstellationen und Ereignisabfolgen. Die oftmals mit dem Film in Verbindung gebrachte Konsumkritik erschöpft sich eigentlich im zu Grunde liegenden Szenario (Langer Samstag vor Weihnachten im Einkaufsparadies) und einigen enthaltenen Parodien auf Radio- und Fernsehwerbespots. Im Zentrum des Films steht die ungleiche Paarung aus patenter, aber von ihrem persönlichen Umfeld gestresster Tankstellenpächterin (Susi), und anarchistischen Tendenzen folgendem Provokateur und Musiker (Anton). Diese äußerst gegensätzlichen Charaktere finden im Kampf gegen den geldgierigen, amoralischen Fettsack Schmude im Verlauf des Films immer näher zueinander und gehen gemeinsam auf eine Art Kreuzzug, der sich aber zunehmend verselbstständigt und immer weitere Kreise zieht.

In dem Einkaufszentrum manifestieren sich allmählich immer chaotischere Zustände und in seinem Inneren entwickelt sich ein Katz- und Mausspiel zwischen den verschiedenen Kontrahenten. Dabei gleitet der Film nie in den Klamauk oder Slapstick ab, bedient sich aber immer wieder Missverständnissen aufgrund von Verwechslungen, zunächst personell, später in Form von drei Kisten mit sehr unterschiedlichem Inhalt, um die Geschichte voranzutreiben und sie mit diversen, turbulenten Wendungen zu versehen. Das gesamte Geschehen wird dabei immer wieder mit prominenten Gastauftritten, wie z.B. dem von Münchens OB Christian Ude veredelt und auch schräge Nebencharaktere wie der Ladendetektiv mit Stasi-Vergangenheit sorgen immer wieder für kleinere Schmunzler. Leider werden dabei allerdings auch einige Klischees (Schwerhörige Alte / Des Deutschen nicht mächtige, türkische Putzfrauen), bemüht. Auch im Bildhintergrund gibt es immer wieder kleinere Gags zu entdecken, wobei hier aber nicht das Niveau von David und Jerry Zucker („Die Nackte Kanone“) erwartet werden darf.  

Digitale Aufarbeitung:
Der Film liegt auf der DVD im nicht anamorphen Bildformat 1,66:1 vor und hat mittlerweile auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel. Das sieht man dem Transfer auch durchaus an, denn die Bildschärfe kann wohlwollend als guter Durchschnitt ohne besondere Detailzeichnung, bezeichnet werden, während die Farbgebung zwar natürlich, aber auch ziemlich ausgewaschen wirkt. Die Kontrastwerte hinterlassen insgesamt einen etwas unausgewogenen Eindruck und tendieren zu Überstrahlungen. Erfreulicherweise sind keine Verschmutzungen auszumachen und auch kleinere analoge Defekte sind eher die Ausnahme. Das Bild wird zudem von einem deutlichen Rauschen begleitet, das allerdings nicht wirklich störend wirkt, während die Kompression weitgehend sauber ihren Dienst verrichtet. Die deutsche Tonspur überzeugt mit guter Verständlichkeit, klingt aber leicht dumpf und ist mit Sicherheit kein technisches Highlight.  

Im Bonusmaterial der DVD befinden sich relativ überflüssige Videomitschnitte (3:10) von den Dreharbeiten in grausliger Qualität, zwei satirische Fake-Werbeclips aus dem Film (I. Schrankwand las Vegas (1:00); II. Venus 2000 (0:26)) und der deutsche Filmtrailer. Außerdem wurde auf der DVD auch noch ein Audiokommentar zum Film mit Regisseur Hanns Christian Müller und Darsteller Campino abgelegt. Dieses an sich lobenswerte Vorhaben ist jedoch leider weitgehend unbrauchbar umgesetzt worden. Für Müller ist die erneute Sichtung seines Films offensichtlich eine enorme Gaudi, weshalb er zwar wenig interessante Hintergrundinformationen beisteuert, sich dafür aber fast durchgehend schlapplacht. Was anfangs noch sympathisch wirkt, nervt mit der Zeit, deshalb sei an dieser Stelle bei Interesse an Hintergründen zum Film direkt auf das deutlich ergiebigere Interview in Textform mit seiner Person im Booklet verwiesen. Campino hat sogar überhaupt nichts Wissenswertes zum Film beizutragen und wurde hoffentlich nur nach Leistung entlohnt. Die Veröffentlichung wird als Mediabook ausgeliefert, das zwar eher schlicht gestaltet ist, aber trotzdem einen qualitativ hochwertigen Eindruck hinterlässt. Darin integriert wurde ein gelungenes, 20-seitiges Booklet mit interessanten Hintergrundinformationen zum Film und einem ausführlichen Interview mit Hanns Christian Müller, das den Audiokommentar, wie bereits erwähnt, deutlich in den Schatten stellt. Im Mediabook befindet sich neben der DVD lobenswerterweise auch noch eine Audio-CD im stylisch-nostalgischen Schallplattenlook. Auf dieser befindet sich der komplette Soundtrack zum Film, genauer 43 Tracks mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 69 Minuten. Der FSK-Aufdruck befindet sich leider auf der Vorderseite des Mediabooks und ist nicht ablösbar. 

Fazit:
„Langer Samstag“ ist kein satirisches Schwergewicht wie Müllers vorherige Zusammenarbeiten mit Gerhard Polt und auch keine Abrechnung mit dem alljährlichen Konsumwahnsinn zu Weihnachten. Vielmehr handelt es sich hier um eine eher auf seichte Unterhaltung abzielende, kurzweilige Verwechslungskomödie, inklusive Buddy-Movie-Motiven, schrägen Nebencharakteren, prominenten Gastauftritten sowie beiläufig eingestreuten, kleineren Gags, die einen relativ großen Unterhaltungswert besitzt, jedoch mit Sicherheit keinen Klassikerstatus entwickelt. Technisch ist die Veröffentlichung zufriedenstellend und sichtbar mit Liebe zum Detail gestaltet worden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,66:1
1,66:1
98:06 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • 20-seitiges Booklet
  • Audiokommentar mit Regisseur Hanns Christian Müller und Darsteller Campino
  • Videomitschnitte
  • Fake-Werbeclips
  • Deutscher Trailer
  • Audio-CD mit dem Soundtrack zum Film
Langer Samstag - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Langer Samstag
Langer Samstag

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Keine tiefschürfende Satire wie Müllers vorherige Werke, aber eine turbulent-kurzweilige Verwechslungskomödie mit zahlreichen prominenten Gastauftritten


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1992
Regie:
Hanns Christian Müller
Drehbuch:
Hanns Christian Müller
Darsteller:
Gisela Schneeberger, Campino, Dieter Pfaff, Ottfried Fischer, Emmanuelle Riva, Hans Brenner, Axel Milberg, Jochen Busse

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
29.10.2010