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DVD-Besprechung - Vincent will Meer

Story:
Vincent (Florian David Fitz) ist ein junger Mann, der unter dem Tourette-Syndrom leidet. Als seine Mutter stirbt, schickt ihn Vater Robert (Heino Ferch) in ein Heim. Dort lernt er die magersüchtige Marie (Karoline Herfurth) kennen. Mit ihr zusammen entschließt er sich, mit dem von ihrer Ärztin geklauten Wagen nach Italien ans Meer zu fahren. Leider müssen sie Vincents Zimmergenossen Alexander (Johannes Allmayer) mitnehmen, der die Beiden verpetzen wollte.

Meinung zum Film:
Regisseur Ralf Huettner kann schon auf einige Erfahrungen auf dem Drehleiter-Posten zurück blicken. So inszenierte er unter anderem die 3 sehr erfolgreichen „Musterknaben“-Filme mit Jürgen Tarrach und Oliver Korittke, war aber auch für sehr grenzwertige Komödien wie „Voll normaaal“ mit Tom Gerhardt verantwortlich – der aber immerhin ein Knaller an der Kinokasse gewesen ist. Florian David Fitz spielt nicht nur die Hauptrolle des Vincents, sondern schrieb auch gleich das Drehbuch für den Film. Mit Karoline Herfurth („Das Parfum“) als magersüchtige Marie und Heino Ferch („Der Untergang“) als Vincents Vater gibt es zwar weitere bekannte Gesichter im Film, die auch durchaus eine äußerst überzeugende Leistung abgeben, Fitz spielt jedoch seine Krankheit besonders intensiv und somit alle anderen locker an die Wand.  

Der Film fängt sehr ernst an mit der Beerdigung von Vincents Mutter und einem Tourette-Anfall des jungen Mannes mitten während der Trauerfeier. Vincent, dessen Krankheit sich dahingehend äußert, dass er zwanghaft Schimpf- und ordinäre Worte laut herausrufen muss, muss den Gottesdienst fluchtartig verlassen. Später zu Hause stellt sich dann während eines Gesprächs mit seinem karrierebewussten Vater, der aufstrebender Lokalpolitiker ist heraus, dass dieser seinen Sohn in ein Heim abschieben wird, weil er der Überzeugung ist, sein Sohn könne allein „nicht mal zum Bäcker gehen“. Der bierernste Start relativiert sich jedoch wieder, als Vincent im Heim schließlich die magersüchtige Marie kennen lernt, mit der er sich sofort anfreundet. Der Film ändert seine Stimmung an dieser Stelle zwar nicht in Klamauk, dennoch herrscht fast durchgehend eine positive, gelegentlich ernste, aber immer wieder auch heitere Grundhaltung bei allen Protagonisten vor, die über die gesamte Laufzeit von 90 Minuten gut unterhalten kann.  

Viel Unterhaltung zieht der Film auch durch den dritten Begleiter des jungen Pärchens, Vincents Zimmergenossen wider Willen Alexander, dargestellt von Johannes Allmayer („Krupp – Eine deutsche Familie“). Er leidet unter einer Zwangsneurose und verbietet seinem neuen Kameraden Vincent, das zimmereigene Klo für den dafür vorgesehenen Zweck zu benutzen, will das Pärchen sofort bei der Heimleitung verpetzen, als er es beim Autoklau erwischt und ist auch ansonsten ein junger Mensch, den man normalerweise während der Schulzeit in den Pausen skrupellos die Treppe herunter geschubst hätte, wäre der Grund für sein Verhalten nicht seine Krankheit. Alexander ergänzt die beiden Reisewilligen ganz hervorragend. Das Gleiche gilt für das Verfolgerduo, die den Jugendlichen gemeinsam hinterherfahren, bestehend aus dem karrieregeilen Vater Robert und Ärztin Dr. Rose (Katharina Müller-Elmau, „Crazy“), die für ihre Schützlinge nur das Beste will. An keiner Stelle wird sich über die Krankheit, bzw. die Behinderung einer der drei Hauptpersonen lustig gemacht, statt dessen werden diese unverkrampft thematisiert und machen dieses Roadmovie so zu einem sehr gelungenen Film, den man sich durchaus mal ansehen sollte.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild kann sich, wie bei einer derart aktuellen Produktion zu Erwarten, durchaus sehen lassen. Die Farben wirken meist knallig, Schärfe und Kontrast sitzen ebenfalls am richtigen Fleck. Der deutsche Ton liegt wahlweise in Dolby Digital 5.1 oder in dts vor, beide Spuren unterscheiden sich jedoch nicht sonderlich voneinander. Die Dialogverständlichkeit und die Dynamik sind gut, die hinteren Lautsprecher werden jedoch nur selten in Anspruch genommen.

Als Extras gibt es einen interessanten Audiokommentar mit Regisseur Ralf Huettner und den Darstellern Florian David Fitz und Johannes Allmayer, der interessante Hintergrundinformationen über die Entstehung des Films parat hält. Weiter geht es mit einem knapp 6-minütigem Making Of und einer Reihe von Interviews mit Cast und Crew mit einer Lauflänge von ca. 15 Minuten. Wer mag, kann sich noch rund 9 Minuten an Deleted Scenes ansehen und einen etwa 5 Minuten langen Blick hinter die Kulissen werfen. Abgeschlossen werden die Extras mit Darstellerinfos zum Nachlesen. Der DVD liegt ein 4-seitiges Booklet bei, in dem jeweils die Filmographie der Hauptdarsteller nachgelesen werden kann.

Fazit:
„Vincent will Meer“ thematisiert Behinderungen, bzw. Krankheiten junger Menschen auf absolut unverkrampfte Art und Weise und bettet diese in ein Road-Movie ein, das von der ersten bis zur letzten Sekunde hervorragend unterhalten kann. Die DVD-Qualität ist sehr gut, die Extras runden diese Veröffentlichung überzeugend ab.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
90:38 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Ralf Huettner und den Darstellern Florian David Fitz und Johannes Allmayer
  • Deleted Scenes
  • Making of
  • Interviews mit Cast und Crew
  • Darstellerinfos 
  • 4-seitiges Booklet
Vincent will Meer - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Vincent will Meer
Vincent will Meer

Bild unseres Mitarbeiters Andreas Schultz
Hevorragendes Rod-Movie aus deutschen Landen


Autor der Besprechung:
Andreas Schultz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2010
Regie:
Ralf Huettner
Drehbuch:
Florian David Fitz
Darsteller:
Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Heino Ferch, Katharina Müller-Elmau, Johannes Allmayer

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
04.11.2010