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Blu-ray-Besprechung - Dalai Lama - Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
Story:
Der Dalai Lama dürfte einer der bekanntesten geistlichen Führer der Welt sein. Doch wer kennt ihn wirklich? Wie ist der Mann "privat"? Diesen Fragen versucht "Dalai Lama - Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang!" nachzugehen. Ein russisches Filmteam begleitete den Lama dafür während eines kompletten Tages.
Meinung zum Film:
Über 50 Jahre ist es nun schon her, dass der Dalai Lama - der geistige Führer des Volks von Tibet - seine Heimat nach dem Einmarsch der Chinesen verlassen musste und Exil in Indien fand. Einer breiten Masse wurde sein Schicksal vor allem durch den Film "Sieben Jahre in Tibet" bekannt, doch auch sonst kann man den intelligenten, vielleicht etwas kauzigen älteren Herrn und Nobelpreisträger immer wieder mal im Fernsehen sehen, wo er im Rahmen von Talks und Ähnlichem ein gern gesehener Interviewpartner ist. Doch wer ist dieser Mann eigentlich und wie lebt er? "Dalai Lama - Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang" versucht das herauszufinden und zeigt Aufnahmen, die bei einem Indien-Besuch des russischen Filmteams um Regisseur Vitali Mansky entstanden. Der Film soll einen kompletten Tag im Leben des Lama zeigen. Doch das Ergebnis ist ein etwas zweischneidiges Schwert.
Einerseits gibt es einige durchaus interessante Szenen zu sehen. So ist es schon sehr beeindruckend, dass der Lama zwar in einer Art Klosteranwesen lebt, aber dieses hoch umzäunt ist und er von mit Maschinengewehren bewaffneten Tibetern und Bodyguards bewacht werden muss. Visuell sind die Aufnahmen auch auf jeden Fall gelungen. Andererseits erfüllt die Dokumentation allerdings nicht nicht so ganz ihre eigene Prämisse, einen ganzen Tag im Leben des Dalai Lama mitzuverfolgen bzw. diesen darzustellen. Der Film beginnt mit dem Aufstehen des Dalai Lama bzw. seinem Zähneputzen, dann betet der Lama ein bisschen, empfängt internationale Presse und hält danach noch eine Unterrichtseinheit für gläubige Buddhisten, die aus aller Welt angereist sind. Zwar erfährt man, dass der Unterricht zwischen einer und fünf Stunden dauern kann, aber eine genaue Festmachung am Tag ist nicht möglich. Zum Abschluss schaut der Dalai Lama noch ein bisschen in seinen Gemächern fern und erzählt, welche Sender er gern sieht und dass er auch ein paar chinesische empfangen kann. Ob man das wirklich wissen muss, ist eine andere Frage, aber auch hier wird nicht deutlich, ob dies nun der frühe oder späte Nachmittag oder wann auch immer ist, da durch das Fenster genauso helles Tageslicht strömt wie bei den restlichen Aufnahmen. Da danach bereits die Verabschiedungsszene am dunklen Abend kommt, hat man durch den bei dieser Dokumentation völlig fehlenden Eindruck von Zeit das Gefühl, etwas verpasst zu haben, das zwischendrin noch passiert sein könnte.
Tatsächlich täuscht dieser Eindruck auch nicht ganz, denn kurz darauf enthüllt der durch den Kommentator sprechende Filmemacher, dass der Dalai Lama an diesem Nachmittag noch mehr als zwei Stunden mit ihnen über alle möglichen philosophischen Themen geredet habe. Diese Themen werden dann in den letzten 20 Minuten des Films angeschnitten. Man sieht Szenen von der Heimreise des Teams, die von Indien über Peking nach Russland führte und hört im Hintergrund einige Aussagen des Dalai Lama zu dazu passenden Themen (so wird ein Kurzbesuch in indischen Slums von einigen Sätzen zu der weltweiten Kluft zwischen Arm und Reich begleitet oder die überfüllten Straßen von China von welchen zum Thema Überbevölkerung). Das führt zur weiteren Unstrukturiertheit dieser Dokumentation. Die Aussagen des Dalai Lama enthalten sicherlich alle viel Wahrheit und es ist nachvollziehbar, dass das Team davon beeindruckt war ... aber wenn es das eigentliche Ziel des Films war, 24 Stunden im Leben des geistlichen Führes von Tibet zu zeigen, scheitert er an dieser Stelle. Großartige neue Erkenntnisse über das Leben des Lama bekommt man im Endeffekt nämlich nicht (mal mit Ausnahme davon, dass er fünf Monate des Jahres in Abgeschiedenheit meditiert und es in seinem Bad eine elektrische Zahnbürste gibt, auch wenn er selbst eine manuelle benutzt) bzw. nach den ersten Minuten des Films nicht mehr ... und um die Lehren des gebildeten Mannes zu hören, wäre kein Film über einen Besuch bei ihm nötig gewesen. So gefällt "Dalai Lama - Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang!" zwar durch schöne Aufnahmen, wird aber durch die extreme Unstrukturiertheit und das schon nach kurzer Zeit zu umfassende Aufgreifen der Philosophie (das in einem Film über die Lehren des Lama genau richtig wäre, hier aber von der eigentlichen Thematik ablenkt) zu keinem echten dokumentarischen Highlight.
Digitale Aufarbeitung:
Technisch bietet die Blu-ray Disc Mittelmaß, was aber primär auf das Ausgangsmaterial der Low-Budget-Dokumentation zurückzuführen sein dürfte. Der Transfer rauscht zwar lediglich dezent und bietet natürliche Farben, aber die Schärfe ist höchstens befriedigend. Für eine HD-Präsentation wirkt alles deutlich zu weich und selbst in Nahaufnahmen werden Details nie wirklich knackig, wodurch sich nicht der Eindruck von Plastizität einstellt. Der Ton liegt auf Deutsch in dts-HD Master Audio 2.0 (und - warum auch immer - auch noch mal in Dolby Digital 2.0) vor, sowie in einer "englischen" Fassung ... die allerdings keine wirkliche englische Fassung ist. Vielmehr scheint es sich um den Originalton der Filmaufnahmen zu handeln, bei dem jeglicher Kommentar fehlt, wodurch man gar keine Informationen mehr vermittelt bekommt. Das einzige "Englische" sind dann auch die gelegentlichen Kommentare des Dalai Lama, die aber viel zu leise abgemischt wurden, da diese Spur ganz offensichtlich darauf ausgelegt ist, dass noch ein Kommentar dazu gesprochen wird. Die deutsche Fassung ist ansonsten gut gelungen und jederzeit klar verständlich. Allerdings wirkt es etwas unschön und unprofessionell, dass konsequent von "tibetanisch" und "Tibetanern" gesprochen wird, obwohl die korrekte Form "tibetisch" und "Tibeter" ist.
Bonusmaterial ist nicht vorhanden.
Fazit:
"Dalai Lama - Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang!" ist eine anfangs sehr interessant wirkende Dokumentation über einen Tag im Leben des Dalai Lama. Doch leider wirkt der Film bereits nach kurzer Zeit sehr unstrukturiert, sodass man die einzelnen Ereignisse als Zuschauer nicht mehr zeitlich im Tagesverlauf einordnen kann, und verliert sich zudem in einer zu ausführlichen Darstellung der philosophischen Lehren des Lama, worüber anscheinend die eigentliche Absicht des Films vergessen wurde. Technisch bietet die Blu-ray-Disc befriedigende Qualität, Bonusmaterial gibt es keins.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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72:36 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Deutsch DTS-HD Master Audio 2.0 | Englisch DTS-HD Master Audio 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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Dalai Lama - Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang!
Rassvet/Zakat - Dalai Lama 14
Anfänglich interessante Doku, die aber dann schnell unstrukturiert wird
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland / China / Indien, 2008 Regie: Vitali Mansky Drehbuch: Vitali Mansky Darsteller: Dalai Lama
Label :
WGF Verkaufsstart : 21.10.2010
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