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DVD-Besprechung - Der Mitternachtsmann

Story:
Jim Slade (Burt Lancaster) arbeitete bei der Mordkommission, wanderte jedoch wegen des Mordes am Liebhaber seiner Frau selbst in den Knast und begrub damit auch seine eigene Zukunft. Nach seiner Haft besorgt ihm sein alter Kollege und Freund Quartz (Cameron Mitchell) einen Job als Nachtwächter an einem College, wo er selbst Leiter des Sicherheitsdienstes ist. Kurz nach seiner Einstellung werden jedoch bei einem Einbruch brisante Tonbänder des Psychologen Dr. Prichette (Robert Quarry) gestohlen. Darauf befinden sich für für die politische Karriere ihres Vater potentiell belastende Aufnahmen der Senatorentochter Nathalie Clayborne (Catherine Bach). Kurz darauf wird sie ermordet und ihr Vater erpresst. Jim Slade beginnt nun wieder auf eigene Faust zu ermitteln...

Meinung zum Film:
„Der Mitternachtsmann“ ist die neueste Veröffentlichung der „Cinema Finest Collection“ von MiG und repräsentiert die zweite und damit auch letzte Regiearbeit von Hollywoodlegende Burt Lancaster („Gewalt und Leidenschaft“), neunzehn Jahre nach „Der Mann aus Kentucky“, der hier zudem gemeinsam mit Roland Kibbee („Vera Cruz“) als Produzent fungierte, mit ihm das Drehbuch schrieb und auch selbst noch die Hauptrolle übernahm. In weiteren Rollen agieren bekannte Persönlichkeiten wie Susan Clark („Coogans großer Bluff“), Cameron Mitchell („Die Rache der Wikinger“), Ed Lauter („Yukon“) oder Harris Yulin („Doc“). Der Film beruht auf dem Roman „The Midnight Lady and the Mourning Man“ von David Anthony.

„Der Mitternachtsmann“ ist ein altmodischer Thriller, der wie ein handelsüblicher Krimi beginnt, den ermittelnden Jim Slade aber zusehends auch selbst in Gefahr bringt. Die Grundkonstellation des Films ist dabei eher ungewöhnlich und besitzt auch zahlreiche inhaltliche Anknüpfungspunkte an den klassischen Film Noir. Slade hat einen Mord begangen, der auch seine Karriere zerstört hat, ist also grundsätzlich ein gebrochener, einsamer Charakter. Der Nachtwächterjob ist für ihn ein erheblicher Abstieg, was ihn im Verlauf des Films auch einige Lehrkräfte und Studenten spüren lassen, als er ihnen im Verlauf seiner Ermittlungen auf die Pelle rückt. Zudem muss er ständig aufpassen, nicht gegen seine Bewährungsauflagen zu verstoßen, was ihn stark einschränkt. Eine tragische Liebesgeschichte und eine Femme Fatale dürfen hier ebenfalls nicht fehlen. Zudem macht sich gerade zu Beginn fast jeder verdächtig und die auftretenden Personen besitzen eine Vielzahl dunkler Geheimnisse. Nichts ist hier so, wie es zunächst erscheinen mag. Gerade aus diesen undurchdringlichen, dubiosen Charakteren, ihren verborgenen, wahren Motiven, und der zunächst nur vage umschriebenen politischen Sprengkraft der Tonbänder ergibt sich für den Film eine regelrecht geheimnisvolle Ausgangssituation, die über den üblichen Krimiplot deutlich hinausgeht.  

Zudem ist Slade nicht nur ein Außenseiter, der zunächst nicht ernstgenommen wird, sondern er muss sich im Film auch immer wieder mit Verrat und falschen Freunden auseinandersetzen. Gerade gegen Ende drohen Slade die Ereignisse beinahe zu überrollen und er kämpft an vielen Fronten. Das bedeutet allerdings auch, dass der Film nach etwa 80 Minuten gewaltig aufdreht und sich zunächst in regelrechte B-Movie-Gefilde absetzt, denen der Film dann wohl auch seine hohe, und trotzdem unangemessene, Altersfreigabe zu verdanken hat. Denn plötzlich wird Slade, wenn auch unfreiwillig, zum eiskalten Killer, der dabei gnadenlos und äußerst blutig zur Tat schreitet. Nach diesem zwischenzeitlichen Ausrufezeichen verläuft der Film dann wieder etwas ruhiger, steigert sich aber in eine wendungsreiche Auflösung der Geschehnisse, bei der nach dem ersten Paukenschlag direkt noch zwei weitere folgen. Burt Lancaster überzeugt hier als einzelgängerischer, unbeirrbarer und stoisch ruhiger Schnüffler, der zunächst aus einer sehr schwachen Position heraus agiert, seinen aufrechten Gang jedoch niemals ablegt, und am Ende aufgrund seiner analytischen Fähigkeiten sowie seiner Abgebrühtheit zwar einerseits Bestätigung und Respekt erfährt, andererseits aber auch erkennen muss, einen persönlichen Pyrrhussieg davongetragen zu haben.

Digitale Aufarbeitung:
Technisch entspricht die vorliegende Veröffentlichung weitgehend der weltweit bisher einzigen erhältlichen DVD aus Spanien, die dort von Universal in Eigenregie veröffentlicht wurde. Leider war/ist diese Fassung alles andere als ein Ruhmesblatt und beruht offensichtlich auf einem VHS-Master. Der Film liegt lediglich im Vollbildformat 1,33:1 vor, während der Film, wenn man der imdb Glauben schenkt, ursprünglich im Widescreenformat 1,85:1 gedreht worden ist. Die Bildschärfe wirkt weich und bietet fast keine Details. Verschlimmert wird dieser erste Eindruck noch durch das allgemein zu helle Bild und ein sehr starkes, allgegenwärtiges Bildrauschen. Die Farbgebung wirkt natürlich, allerdings auch ziemlich blass und kraftlos. Die Kontrastwerte können ebenfalls nicht überzeugen, neben den bereits angeführten starken Überstrahlungen, verschwinden z.B. bei Nachtszenen weitere Details. Analoge Defekte gibt es nur vereinzelt und die Kompression bewegt sich auf einem zufriedenstellenden Niveau. Die vorliegende DVD enthält lediglich Mono-Tonspuren zum Film, dementsprechend sollten die Erwartungen hinsichtlich der akustischen Qualität nicht besonders hoch angesetzt werden. Die deutsche Tonspur bietet aber eine gute Verständlichkeit, eine hochwertige Synchronisation und lediglich leichte Alterserscheinungen. Die englische Originaltonspur klingt im direkten Vergleich etwas kraftloser und leicht quäkelig-verzerrt.  

Der Bonusbereich besteht lediglich aus einer Fotogalerie mit Werbematerial bzw. Aushangfotos. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Der Mitternachtsmann“ ist ein spannender, altmodischer Thriller mit einem sehr starken Burt Lancaster als geradezu tragischem Helden, inmitten eines Ensembles gut aufgelegter Nebendarsteller. Das wendungsreiche, offensichtlich auch stark vom Film Noir beeinflusste Werk entwirft ein geheimnisvolles Ausgangsszenario mit vielen dubiosen Charakteren und bezieht bereits daraus eine solide Grundspannung, die bis zum Ende hin stetig gesteigert wird, auch wenn der Film leider ein paar zwischenzeitliche Längen aufweist. Technisch wird hier gutes VHS-Niveau geboten, was lediglich aufgrund der inhaltlichen Qualität des Films und der weltweit schwierigen Materiallage entschuldbar ist, Besitzer hochwertigen, multimedialen Equipments werden hier aber nicht auf ihre Kosten kommen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,33:1
1,33:1
113:45 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Fotogalerie mit Werbematerial
Der Mitternachtsmann - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Mitternachtsmann
The Midnight Man

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Er kanns nicht lassen...


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1974
Regie:
Roland Kibbee, Burt Lancaster
Drehbuch:
Roland Kibbee, Burt Lancaster (basierend auf einem Roman von David Anthony)
Darsteller:
Burt Lancaster, Susan Clark, Cameron Mitchell, Harris Yulin, Ed Lauter, Morgan Woodward, Catherine Bach

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
11.11.2010