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DVD-Besprechung - Geheimcode Wolfsjagd

Story:
Im Juni 1944 greifen russische Einheiten an der ukrainischen Front einen entflohenen Kriegsgefangenen auf, der seinen Landsleuten von einem geheimen, gigantischen Bauprojekt der Deutschen ganz in der Nähe berichtet. Alle Beobachtungen deuten darauf hin, dass hier Abschussvorrichtungen für die V2 errichtet werden sollen, die von dort aus auch Moskau gefährden könnten. Aber kann man dem Entflohenen trauen, oder treiben die Deutschen ein doppeltes Spiel? Zur Klärung dieser Frage wird eine Spezialeinheit in die Region entsandt. Zwei ihrer Mitglieder spionieren fortan als Geschwisterpaar getarnt in Stanislavov, das nur 40km von der Front entfernt liegt, während gleichzeitig auch der Agent Otto Rittel undercover in der Stadt aktiv ist und zudem die dortigen Geheimdienstoperationen koordiniert.

Meinung zum Film:
Die russische Produktion „Geheimcode Wolfsjagd“ aus dem Jahr 2009 glänzt im Internet durch geheimdienstliches Understatement wie einen fehlenden imdb-Eintrag und nicht auffindbare Details zur Produktionsgeschichte, zumindest bei Unkenntnis des kyrillischen Alphabets. Regisseur Sergey Sotnichenko ist jedenfalls genauso ein unbeschriebenes Blatt wie die versammelte Darstellerriege. Ein genauerer Blick auf den Film zeigt allerdings auch schnell, warum wohl niemand dauerhaft damit in Verbindung gebracht werden möchte...  

„Geheimcode Wolfsjagd“ ist ein Spionagethriller, der sich zu einer Zeit des 2. Weltkriegs abspielt, als sich die Deutschen längst auf dem Rückzug aus dem Gebiet der Sowjetunion befanden. Trotzdem entwirft der Film hier zunächst das unglaubwürdige Szenario eines gegenwärtigen, großangelegten Bauprojekts der Deutschen, das zahlreiche Abschussrampen für V2-Raketen beinhaltete, obwohl diese nie an der Ostfront eingesetzt wurden. Dieses Projekt entpuppt sich jedoch später erwartungsgemäß als Finte und wird durch einen noch viel schwachsinnigeren Masterplan der Deutschen ersetzt. Die chronologische Darstellung der russischen Geheimdienstoperationen erfolgt aus der Sicht des Agenten Otto Rittel, der teilweise als Erzähler fungiert, und dessen Name schon zeigt, dass man bei diesem Filmprojekt in keinster Weise um Authentizität bemüht war. So wurden auch alle deutschen Offiziere und Soldaten mit russischen Darstellern besetzt, die eben auch genauso aussehen, nämlich wie verkleidete Russen, aber sicher nicht wie Wehrmachts- oder SS-Angehörige... Der billig aussehende Film präsentiert sich fortan als stinklangweilige Präsentation völlig unglaubwürdiger und laienhafter Geheimdienstoperationen, bei denen verschiedene russische Einheiten, bzw. Agenten, versuchen vor Ort Informationen zum Bauprojekt zu erlangen.

Die Begriffe Spannung und Nervenkitzel sind dabei für das Drehbuch ebenso Fremdwörter, wie Actionszenen oder nicht vorhersehbare Wendungen. Vielmehr wird der Film wie auf Schienen konsequent vor die Wand gefahren und der Zuschauer darf sich an phantasielos-drögen Dialogen und bescheidenen, darstellerischen Leistungen „erfreuen“. Die eingefügten historischen Archivaufnahmen wurden wohl auch vor allem aus Kostengründen eingepflegt. Handwerklich macht der Film vor allem durch seine billige TV-Optik und die harten, amateurhaften Szenenübergänge von sich reden. Minuspunkte gibt es auch für die fehlenden Übersetzungen kyrillischer Orts- und Personenangaben bei einigen Szenen. Letztendlich zerfällt der Film inhaltlich in Spionage, Gegenspionage, Doppelagenten, Verrat und Finten, der Zuschauer bleibt jedoch aufgrund fehlender Schauwerte und Dramaturgie schnell auf der Strecke. Unter dem Strich dürfte es sich hier wohl um den ödesten und einfallslosesten Agententhriller aller Zeiten handeln, der auch handwerklich unterirdisch realisiert wurde.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD wirkt farblich extrem entsättigt und erinnert schon fast an einen Schwarzweißfilm. Offensichtlich wurde hier durch entsprechende Filterung ein zeitgenössischeres Erscheinungsbild angestrebt. Dieser Versuch misslingt aber leider völlig, da der Film offensichtlich mit extrem billigem Equipment gedreht wurde und visuell irgendwo zwischen Homevideo-Optik und einer sehr kostengünstig heruntergekurbelten TV-Produktion verortet werden muss. Die Bildschärfe macht ebenfalls keinen guten Eindruck, sie wirkt weich und ihr mangelt es an Details. Diese schwache Performance wird durch die zu steilen Kontrastwerte und das deutliche Bildrauschen nicht gerade verbessert. Die deutschen Tonspuren machen einen sehr künstlichen Eindruck mit starkem Studiofeeling. Die Abmischung ist ebenfalls nicht gelungen, denn hinsichtlich der Musikuntermalung hat man teilweise den Eindruck hier würden zwei Tonspuren völlig unabhängig und dissonant nebeneinander herlaufen. Aufgrund des Fehlens eines qualitativ hochwertigen Soundtracks und fehlenden Actionszenen spielt die Auswahl der deutschen Tonspur, ob nun Dolby Digital 5.1 oder 2.0, keine wirkliche Rolle und beide klingen dementsprechend sehr frontlastig. Die deutsche Synchronisation ist nicht besonders gelungen, aber auch kein Totalausfall. Für die auch nicht gerade berauschend klingende russische Originaltonspur existieren auch ziemlich peinliche, deutsche Untertitel voller Übersetzungsfehler, wie z.B. den „FAU-Raketen“.  

Auf der DVD befindet sich keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Geheimcode Wolfsjagd“ müsste eigentlich mit dem Aufdruck „Top Secret“ in einem russischen Geheimdienstarchiv tief unter einigen Tonnen unwichtiger Akten vergraben werden. Leider wurde der Film aber nun von den Russen tatsächlich auf die Menschheit losgelassen und erschreckt unbedarfte Zuschauer mit handwerklicher Amateurhaftigkeit, inhaltlicher Armut und einer XXL-Portion Langeweile. Die Veröffentlichung orientiert sich dabei mit ihrer lieblosen Präsentation schamlos an der indiskutablen Qualität der ihr zu Grunde liegenden sinnlosen Verschwendung von Filmmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
111:53 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Russisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • -
Geheimcode Wolfsjagd - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Geheimcode Wolfsjagd
Tertium non datur

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Film, dessen Existenz besser komplett totgeschwiegen werden sollte...


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland, 2009
Regie:
Sergey Sotnichenko
Drehbuch:
Andrey Motorin
Darsteller:
Alexander Lykow, Igor Skylar, Andrej Mezhulis, Vitaliy Linetskiy, Wladimir Kapustin, Alexey Anischenko

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
18.11.2010