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DVD-Besprechung - Merantau - Meister des Silat
Story:
Der junge Yuda (Iko Uwais) geht, einer alten Tradition seines Volkes namens Merantau folgend, auf Wanderschaft und verlässt seine ländliche Heimat in der Provinz West Sumatra, um in der indonesischen Hauptstadt Jakarta die Kampfkunst Silat zu lehren und auch charakterlich zum Mann zu reifen. Kaum dort angekommen, gerät er allerdings bereits, bei dem Versuch der jungen Tänzerin Astri (Sisca Jessica) zu helfen, in den Konflikt mit einem Mädchenhändlerring unter Führung des Ausländers Ratger (Mats Koudal). Im Zuge dieser gewalttätigen Auseinandersetzung kommen ihm seine fundierten Fähigkeiten in der Kampfkunst sehr zu Gute.
Meinung zum Film:
Während Hongkong seit Jahrzehnten einen riesigen Output an Martial Arts-Filmen vorzuweisen hat, und z.B. Thailand seit „Ong Bak“ mit Tony Jaa auch ein gehöriges Wörtchen in diesem Genre mitzureden hat, war Indonesien bisher in dieser Hinsicht ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Lediglich in den 90er-Jahren verschlug es auch einige ausländische Genrestars, wie Cynthia Rothrock („Kampf um die Ehre“), Richard Norton („China O'Brien“), oder David Bradley („American Samurai“) in diese Gefilde, um dort einige preisgünstige Auftragsproduktionen internationaler Geldgeber, wie „Lady Dragon“ von David Worth („Karate Tiger 3 – Der Kickboxer“) oder „Blood Warriors“ von Sam Firstenberg („American Fighter“) zu realisieren. Im Mittelpunkt von „Merantau – Meister des Silat“, dem wohl ersten wirklich professionellen, indonesischen Kampfsporttitel, steht die namensgebende Kampfkunst namens Silat, bzw. genauer das indonesische Pencak Silat, das bisher in Kampfsportfilmen bestenfalls als eine Stilrichtung unter vielen vertreten war, und hier in der Variante des Silat Harimau Anwendung findet. Grundsätzlich ähnelt es dem Kung Fu und beinhaltet Schläge, Tritte, Würfe und Hebel. Gareth Evans, Regisseur und Drehbuchautor des Films, ist ein walisischer Filmemacher und kam im Rahmen der Dokumentation „The Mystic Arts of Indonesia: Pencak Silat“ erstmals mit dieser Kampfkunst in Kontakt, was ihn letztendlich auch zu dem vorliegenden Titel inspirierte. Bei der deutschen Veröffentlichung handelt es sich um die internationale Schnittfassung, die um Handlungselemente erleichtert wurde. Der indonesische Director's Cut hat deshalb eine deutlich längere Laufzeit von 134 Minuten.
„Merantau“ nimmt sich auch in der kürzeren, deutschen Fassung Zeit für einen eher besinnlichen Filmeinstieg, der dem Zuschauer den Hauptcharakter Yuda und seinen familiären sowie kulturellen Hintergrund näher bringt und dabei auch sehr schöne Impressionen der Natur auf Sumatra beinhaltet. Auch wenn „Merantau“ in seiner Erzählung, ähnlich wie auch die ersten Genrefilme aus Thailand, teilweise etwas naiv anmutet, wirkt der Film handwerklich durchaus professionell und versucht glaubwürdige, wenn auch nicht besonders tiefschürfende Charaktere zu verwenden. Obwohl der erste größere Kampf gute 35 Minuten auf sich warten lässt, sind die leicht melancholische Stimmung des Films und sein Erzählrhythmus auch für westliche Zuschauer gut abgestimmt, der Film beginnt niemals langweilig zu werden und bietet durchaus auch eine emotionale Anbindungsebene. Die Intensität, Dauer und Härte der Kampfsequenzen steigern sich dabei kontinuierlich bis zum Ende des Films und Yudas Gegner werden stärker sowie zahlreicher. Die Kampfsequenzen sind dabei stets sehr professionell und extrem temporeich inszeniert. Gegen Ende werden auch Waffen verwendet und zusehends die Umgebung und herumstehendes Mobiliar in die Kämpfe mit einbezogen.
Silat Harimau ähnelt dabei einem Tanz, der sich vor allem durch Ausweichtechniken, kurze Kontaktzeiten und das Umkehren von Attacken gegen den Angreifer auszeichnet. Diese Kämpfe wirken anfangs nicht unbedingt immer spektakulär, zeugen aber von einem hohen Maß an Beweglichkeit, bzw. Akrobatik des Hauptdarstellers und zeichnen sich durch einen großen Variantenreichtum unterschiedlichster Techniken aus. Gegen Ende wird der Film dann auch etwas blutiger, nicht nur weil diese Effekte weniger überzeugend umgesetzt wurden, als der Rest des Films, wirkt die Altersfreigabe ab 18 Jahren jedoch sehr hoch gegriffen. Eine echte Wohltat bei „Merantau“ ist der Verzicht auf überflüssige Effektheischerei bei den Kämpfen. Die Kamera ist zwar stets dicht am Geschehen und bietet stets einen perspektivenreichen, guten Überblick über das Geschehen, verzichtet aber auf hektische Schnitte, schwindelerregende Kameraschwenks und die Ereignisse ausbremsende Zeitlupen.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine gute Bildschärfe und eine kräftige Farbgebung, die teilweise aber doch etwas grell wirkt. Auch die Kontrastwerte hinterlassen einen weitgehend ausgewogenen Eindruck und das Bildrauschen ist zu vernachlässigen. Gerade bei den schnellen Kampfszenen macht sich die Kompression jedoch auch etwas negativ bemerkbar. Alle Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit. Für die indonesische Tonspur, die auch längere englischsprachige Passagen mit den Mädchenhändlern beinhaltet, existieren durchgehende, deutsche Untertitel. Egal welche Tonspur jedoch ausgewählt wird, die visuelle Kraft der Actionsequenzen wird akustisch nicht besonders überzeugend unterstützt. Gerade diesen Sequenzen mangelt es nämlich an Kraft, Dynamik und Räumlichkeit. Die deutsche Synchronisation ist nicht überragend, aber durchaus brauchbar ausgefallen, hat allerdings auch einen deutlichen Studiocharakter.
Das Bonusmaterial ist für einen Nischentitel erstaunlich umfangreich ausgefallen. Das Making Of (18:06) ist allerdings sehr oberflächlich ausgefallen und nervt vor allem mit einem hohen Anteil recycelter Filmszenen sowie Nacherzählungen des Inhalts. Neben dem deutschen Trailer gibt es auch noch zwei Deleted Scenes (4:34). Die Eastereggs (4:02) umfassen u.a. dreizehn Takes des “Bamboo Pole Stunts” und Outtakes. Das Feature “Fight – Storyboard” (6:24) vergleicht die Proben der Fights direkt per eingeblendetem, zweiten Filmfenster mit den fertigen Kampfsequenzen im Film. Die Webisodes werden von den drei Teilen “The Beginning” (5:03), “The Choreography” (5:07) und “The Test” (5:50) gebildet. Sie enthalten u.a. Details zu den Kampfproben, den Stunts, oder den einbezogenen Locations. Für dieses Extra gibt es lediglich englische Untertitel. Das gesamte sonstige Bonusmaterial besitzt hingegen durchgehende deutsche Untertitel. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Merantau – Meister des Silat“ bietet für das Genre eine ordentliche Story, passable Darsteller und einen leicht pessimistischen Grundton mit emotionaler Anbindungsmöglichkeit für den Zuschauer. Das eigentliche Highlight sind aber natürlich die sich qualitativ stetig steigernden, temporeichen und sehr gut choreographierten Kampfsequenzen, wobei hier allerdings kein hochbudgetiertes, blutiges Dauerspektakel der Kampfkunst erwartet werden sollte. Technisch hat die DVD mit leichten Problemen zu kämpfen und wirkt akustisch etwas schwach auf der Brust, das Bonusmaterial hingegen ist zwar nicht überragend, aber verhältnismäßig umfangreich ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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107:21 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Indonesisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deutscher Trailer
- Making Of
- Deleted Scenes
- Eastereggs
- Fight-Storyboard
- Webisodes
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Merantau - Meister des Silat
Merantau
Gelungener, indonesischer Vorstoß in das Genre des Martial Arts-Films
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Indonesien , 2009 Regie: Gareth Evans Drehbuch: Gareth Evans Darsteller: Iko Uwais, Sisca Jessica, Christine Hakim, Mads Koudal, Yusuf Aulia, Alex Abbad
Label :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart : 03.12.2010
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