 |
DVD-Besprechung - Chopin - Sehnsucht nach Liebe
Story:
Der junge Frédéric Chopin (Piotr Adamczyk) flieht vor den sich abzeichnenden Unruhen in Polen und will in Frankreich ein neues Leben anfangen. Doch bis zum gewünschten Erfolg dauert es eine ganze Zeit und zwei Jahre vergehen, in denen er sich gerade so über Wasser halten kann. Dann lernt er allerdings die Schriftstellerin Aurore Dupin (Danuta Stenka) kennen, die unter dem Pseudonym große Erfolge feiert und seine neue Gönnerin wird. Zwischen der 15 Jahre älteren Frau und dem Musiker bahnt sich eine Beziehung an, die allerlei Probleme mit sich bringt ... denn da gibt es noch Dupins Kinder.
Meinung zum Film:
Mit "Chopin - Sehnsucht nach Liebe" liegt ein weiteres Biopic aus der Reihe der zahlreichen Filme vor, die sich mit einer Beziehung zwischen zwei Künstlern beschäftigen. In diesem Fall geht es um Frédéric Chopin (Piotr Adamczyk, "Karol - Ein Mann, der Papst wurde") und die skandalumwitterte Schriftstellerin Aurore Dupin (Danuta Stenka). Wir befinden uns im Jahr 1830, als der junge Chopin noch mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern im von Russland besetzten Polen lebt. Immer wieder muss er für den furchtbar unmusikalischen Großherzog Klavier spielen und Stücke komponieren, was ihn extrem frustriert. Da sich im Zuge der russischen Herrschaft immer mehr Revolten ankündigen (die am Ende zum Novemberaufstand führen), schickt ihn sein Vater schließlich nach Paris. Dort hat er zunächst einige Zeit zu kämpfen, bevor er Anerkennung als Künstler findet. Doch dann trifft er auf seine zukünftige Muse und Gönnerin Aurore Dupin.
Dupin ist eine berüchtigte Schriftstellerin, die unter dem Namen George Sand schreibt und gerne mal Männerkleider trägt. Dupin verfällt ihm auf der Stelle, doch Chopin kann ihr zunächst noch widerstehen, zumal Dupin auch 15 Jahre älter als er ist. Schließlich gibt er sich aber doch ihren Annäherungsversuchen hin und zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung. Dabei ist auf Dauer allerdings nicht nur der Altersunterschied der zwei Künstler problematisch, auch Dupins Kinder sorgen dafür, dass die Affäre der beiden unter keinem allzu guten Stern steht. So entwickelt Maurice (Adam Woronowicz), der unter Epilepsie leidende Sohn von Dupin, eine enorme Eifersucht auf den Freund der Mutter, da er selbst davon träumt, Maler zu werden und denkt, dass Chopin die komplette Aufmerksamkeit der Mutter auf sich zieht. Bei seiner jüngeren Schwester Solange (Bozena Stachura) wiederum stehen ganz andere Interessen im Mittelpunkt, denn bereits als kleines Kind fasst sie den Plan, einmal den Platz ihrer Mutter als Chopins Liebhaberin zu übernehmen. Und so kommt es, dass sie als sie schließlich ein Teenager geworden ist, selbst eine Affäre mit dem Musiker beginnt.
Regisseur Jerzy Antczak hat sich mit seiner Chopin-Dupin-Biografie einen Lebenstraum erfüllt. Er verbrachte gemeinsam mit seiner Frau 25 Jahre seines Lebens damit, die Hintergründe zu recherchieren und das Drehbuch zu schreiben, außerdem waren sechs Jahre des Sammelns nötig, um das erforderliche Budget zusammenzubekommen. Leider ist das Ergebnis dennoch nur ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erweist sich die Inszenierung als solide, die Musik von Chopin wurde gut ausgewählt und auch die Kostüme wirken stimmig und können überzeugen. Andererseits gibt es allerdings zu bemängeln, dass die Darsteller nicht immer wirklich glaubhaft sind und vor allem, dass das Drehbuch trotz der langen Entstehungszeit einige Kapitalfehler begeht. Keine der Hauptfiguren schafft es, Sympathie zu vermitteln - und auch wenn der echte Chopin vielleicht tatsächlich so ein arroganter Schnösel war, wie man ihn hier zu sehen bekommt, erfährt man über ihn doch sonst nicht wirklich viel. Der Film verbringt deutlich mehr Zeit mit der Vor- und Darstellung von Dupin/Sand und ihren Kindern, während Chopin in seinem eigenen Film zur Nebenfigur verkommt und eher uninspiriert die wichtigen bekannten Stationen seiner Biografie "abarbeitet". Und wenn sich Antczak schon bei der Gestaltung der Figuren keine allzu große künstlerische Freiheit nehmen und einen eher "faktenorientierten" Film drehen wollte, bleibt die Frage offen, warum er die nicht dokumentierte Beziehung zwischen Chopin und Sands Tochter dermaßen in den Mittelpunkt rückt. Völlig überzogen wird es dann, wenn er behauptet, dass Chopin gar der Vater von Solanges erster Tochter war.
Digitale Aufarbeitung:
"Chopin - Sehnsucht nach Liebe" liegt mit einem Transfer im Format von etwa 2,00:1 vor, der - im Gegensatz zum Pendant der amerikanischen DVD - nicht anamorph, sondern lediglich letterboxed ist. Das Bild weist relativ starkes Hintergrundrauschen auf und hat vor allem Probleme mit der Schärfe, die selbst bei Nahaufnahmen nur wenige Details erkennen lässt. Die Farben wirken natürlich, aber ein wenig ausgewaschen, der Kontrast ist insgesamt etwas zu steil. Der Ton liegt auf Deutsch in Dolby Digital 5.1 und Englisch in Dolby Digital 2.0 vor. Bei der 5.1-Fassung scheint es sich aber lediglich um einen Upmix zu handeln, weswegen alles recht frontlastig bleibt. Genrebedingt stört das aber nicht allzu sehr. Die Dialoge sind jederzeit klar verständlich, die Musik fügt sich harmonisch in den Mix ein, ist allerdings im Verhältnis zu den Dialogen öfters etwas zu laut abgemischt.
Als Bonusmaterial gibt es den Trailer zum Film, ein Musikvideo, 15 Minuten "Behind the Scenes"-B-Roll und ein 30-minütiges "Making Of", das etwas mehr Hintergrundmaterial als das B-Roll zu bieten hat. Allerdings liegt alles ohne deutsche Untertitel vor, sodass sich der Informationsgehalt für Zuschauer, die nicht polnisch sprechen, gegen Null bewegen dürfte.
Fazit:
"Chopin - Sehnsucht nach Liebe" wirkt insgesamt zwar ganz solide inszeniert, kann den Zuschauer aber weder fesseln noch mitreißen. Zu unsympathisch sind die Figuren, zu nebensächlich wird der Komponist in seinem eigenen Film abgehandelt. Darüber können auch die gute Musik und die hübschen Kostüme nicht hinwegtäuschen. Technisch bietet die DVD lediglich ausreichende bis zufriedenstellende Qualität. Das Bonusmaterial wirkt zwar einigermaßen interessant, liegt aber nur auf Polnisch vor und ist daher ohne deutsche Untertitel nutzlos.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,00:1
|
123:09 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine Untertitel vorhanden. |
|
Bonusmaterial:
|
- Trailer
- Musikvideo
- Making Of
- Behind the Scenes
|
|  |
Chopin - Sehnsucht nach Liebe
Chopin: Pragnienie milosci
Optisch ansprechend inszenierte Chopin-Bio mit Drehbuchschwächen
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Polen, 2002 Regie: Jerzy Antczak Drehbuch: Jerzy Antczak, Jadwiga Baranska Darsteller: Piotr Adamczyk, Danuta Stenka, Adam Woronowicz, Bozena Stachura, Sara Müldner
Label :
WGF Verkaufsstart : 11.11.2010
|