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DVD-Besprechung - Vera Brühne - Director's Cut

Story:
Die Münchner Lebedame Vera Brühne (Corinna Harfouch) und ihr Bekannter Hans Ferbach (Uwe Ochsenknecht) werden am 4. Juni 1962 zweier in Mittäterschaft begangener Morde für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Zehn Jahre später rollt der junge Jurist Dr. Haddenhorst (Hans-Werner Meyer) den Fall neu auf und versucht eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erzielen.

Meinung zum Film:
Der Doppelmord an Dr. Otto Praun und seiner Haushälterin Elfriede Kloo, die in der Filmversion Dr. Dietrich Schwarz (Anton Pointecker) und Elisabeth Huhn (Juliane Binsch) heißen, ist zweifelsohne eines der medienwirksamsten Verbrechen der Nachkriegsgeschichte. Mit dem Medienrummel, der zum Prozessauftakt herrscht, steigt Regisseur Hark Bohm („Nordsee ist Mordsee“) dann auch in seinen Film ein. In einer gelungenen Montagesequenz aus Originalaufnahmen der Verhandlung, pseudo-dokumentarischem Material und filmischem Reenactment durchläuft Bohm den 22-tägigen Prozess in einem Schnelldurchlauf von nicht einmal viereinhalb Minuten. Danach springt der Film zehn Jahre in die Zukunft. Die Ermittlungen des jungen Rechtsanwalts Haddenhorst dienen fortan als Rahmenhandlung, von der aus die Geschehnisse in Rückblenden rekonstruiert werden.

„Vera Brühne“ ist ursprünglich fürs Fernsehen entstanden. Im Mai 2001 lief der Film als knapp fünfstündiger Zweiteiler auf Sat. 1, wo er ordentlich floppte. Sieben Jahre später ließ die ARD das Justizdrama umschneiden und brachte es unter dem Titel „Der Fall Vera Brühne“ erneut auf den Schirm. Für den Director's Cut fielen dem Schneidetisch insgesamt fast zwei Stunden Material zum Opfer. Weggefallen sind vor allem Szenen, die das soziale Klima der Nachkriegsjahre näher beleuchteten. In der kürzeren Fassung, die nun erstmals auf DVD vorliegt, kreisen die Ereignisse stärker um die Protagonistin. Corrina Harfouch („Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“) gibt diese in einer Mischung aus eiskalter Berechnung, Selbstbewusstsein, Stolz und Verängstigung. Mit kleinsten Gesten und Andeutungen weiß sie geschickt, die innere Zerrissenheit ihrer Figur zum Ausdruck zu bringen. Ohne diese tadellose Leistung geriete die filmische Aufarbeitung des Prozesses, die gute 50 Minuten am Stück einnimmt, zu einer noch zäheren Angelegenheit.

Der Regisseur macht keinen Hehl daraus, dass er in Vera Brühne ein Opfer der Justiz sieht. In seiner Rolle als Professor Peters gibt Hark Bohm, selbst gelernter Jurist, gar das schärfste Statement zum Fall ab. „Eines der größten Fehlurteile meiner Berufserfahrung. Das steht außer Frage“, hört man ihn dort sagen. Zu Vera Brühnes Entlastung zeigt der Film diverse Ermittlungspannen auf und entwirft einige Hypothesen über den tatsächlichen Tathergang. Auch hier spielt Bohm wieder mit dem Filmmaterial. Immer, wenn solche Hypothesen oder Erinnerungsfetzen auftauchen, geschieht dies in einem Stil, der in Material, Kameraführung und extremer Überbelichtung an Doku-Soaps erinnert. Bei aller Parteinahme für seine Hauptfigur gerät Bohms Kritik an der verlogenen Prüderie der Nachkriegsjahre und der Selbstgefälligkeit des Rechtsapparats jedoch zu schwach. So zeigt der Film zwar Hypothesen auf, entscheidet sich aber für keine. So deutet der Film potentielle Verstrickungen von Regierungsbeamten und Politikern in den Fall an, führt diese aber nicht näher aus. Dadurch vermeidet er, eine starke Position zu beziehen, ist letztlich nichts Halbes und nichts Ganzes.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist fast ausnahmslos gut. Schärfe und Farbkontrast stimmen. Bei dunklen Aufnahmen ist jedoch ein leichtes Rauschen zu erkennen. Der starke Kontrast in den Erinnerungsfetzen ist als Stilmittel gewollt. Der Ton ist sauber und genügt den Ansprüchen eines Fernsehfilms. Gegen Ende ist er an manchen Stellen allerdings leicht übersteuert.

Außer Darstellerinfos herrscht bei den Extras Fehlanzeige.

Fazit:
Für einen beinahe zehn Jahre alten Fernsehfilm ist „Vera Brühne“ ein stilistisch ambitioniertes Werk. Trotz der Kürzung um mehr als 100 Minuten gegenüber dem TV-Zweiteiler hat der Director's Cut jedoch seine Längen. Besonders die Gerichtsverhandlung ist ein zäher Prozess. Auch politisch bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten zurück. Hark Bohm, ein junger Wilder des Neuen Deutschen Films, hat seinen Biss verloren. Im Vergleich zu seinen frühen Filmen lässt der Regisseur hier die letzte Konsequenz vermissen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
169:33 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Darstellerinfos
Vera Brühne - Director's Cut - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Vera Brühne
Vera Brühne

Bild unseres Mitarbeiters Falk Straub
Durchaus ambitioniertes, aber zähes Justizdrama, das die letzte Konsequenz vermissen lässt.


Autor der Besprechung:
Falk Straub

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2001
Regie:
Hark Bohm
Drehbuch:
Hark Bohm
Darsteller:
Corinna Harfouch, Uwe Ochsenknecht, Ulrich Noethen, Fritz Wepper, Udo Wachtveitl, Hans-Werner Meyer, Mavie Hörbiger, Katja Flint

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
04.11.2010