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DVD-Besprechung - Monte Cristo

Story:
Frankreich 1814: Aus Eifersucht schwärzt Fernand Mondego (Guy Pearce) seinen besten Freund, den Seeman Edmond Dantès (James Caviezel), wegen Hochverrats bei der Polizei an. Edmond wird daraufhin im Château d'If, einem Gefängnis auf einer Felseninsel vor der französischen Mittelmeerküste, inhaftiert. Als ihm nach 13 Jahren die Flucht gelingt und er durch eine glückliche Fügung zu unermesslichem Reichtum gelangt, kehrt er als Graf von Monte Cristo aufs Festland zurück, um sich an Fernand und seinen Komplizen zu rächen.

Meinung zum Film:
Mit "Monte Cristo" wurde Alexandre Dumas' Stoff um Freundschaft, Verrat und Rache bereits zum zehnten Mal für die große Leinwand adaptiert. Angesichts dessen könnte man sich fragen, ob es einer weiteren Verfilmung überhaupt bedurft hätte. Doch Kevin Reynolds ("Robin Hood - König der Diebe", "Tristan und Isolde") Version hat alles, was ein guter Abenteuerfilm braucht: leidenschaftliche Liebe, spannende Intrigen, mitreißende Kämpfe und gelungene Schauplätze. Die Veränderungen, die Jay Wolperts ("Fluch der Karibik") Drehbuch gegenüber der Vorlage vornimmt, stören kaum. Mancherorts sind sie gar geschickt gewählt. Dass Wolpert Fernand Mondego kurzerhand von einem einfachen Fischer zum Sohn eines Grafen umschreibt, hat beispielsweise ganz pragmatische Gründe. Auf diese Weise muss der finanzielle und soziale Aufstieg Mondegos, wie er sich im Roman vollzieht, nicht umständlich in Szene gesetzt werden. Der Einfachheit halber verfügt Mondego über das nötige Geld und den gesellschaftlichen Stand von vornherein. Der Film erspart sich so unnötige Längen.

Dass "Monte Cristo" mit einem geschätzten Budget von 35 Millionen US-Dollar nicht in Hollywoods erster Liga spielt, sieht man dem Film stellenweise an. Manche Sets lassen erahnen, was Kevin Reynolds mit mehr Geld gerne daraus gezimmert hätte. Dass dem Regisseur nach seinem Desaster um "Waterworld" (1995) kein Produzent mehr ohne Weiteres enorme Summen in die Hand drücken würde, war aber auch klar. Umso höher ist es Reynolds anzurechnen, was er aus seinen bescheidenen Mitteln macht. Durch eine für Hollywood eher untypische Beleuchtung, die mit viel Gegenlicht arbeitet und selbst das dunkelste Verlies sonderbar lichtdurchflutet erscheinen lässt, schafft er eine ganz eigentümliche Stimmung. Dass hier Ridley Scotts Debütfilm "Die Duellisten" aus dem Jahr 1977 Pate stand, bleibt dem aufmerksamen Audiokommentarhörer nicht verschlossen. Schließlich analysiert Kevin Reynolds auf der "Duellisten"-DVD Scotts Erstling nicht nur vorzüglich, sondern preist ihn als große Inspirationsquelle, die ihn selbst zum Filmemachen ermutigte. Mit "Monte Cristo" kommt Reynolds zwar erneut nicht an die Klasse seines großen Vorbilds heran, dem zauberhaften Glanz, den die Ausleuchtung den Räumen in "Die Duellisten" verleiht, jedoch ein Stück näher.

Als wahrer Glücksgriff erweist sich für den Regisseur seine Besetzung. Das Duell der beiden Widersacher Edmond und Fernand lebt von James Caviezels ("Der schmale Grad", "Die Passion Christi") und Guy Pearce' ("L.A. Confidential", "Memento") gelungenem Spiel. Während Caviezel bei der Interpretation seines Charakters vom naiven, stürmischen Jüngling bis zum kühl berechnenden, hartherzigen Grafen eine enorme Bandbreite an den Tag legt, gibt Pearce Fernands Verbissenheit mit einer stoischen Gelassenheit, die etwas Beängstigendes hat. Mit Luiz Guzmán ("Out of Sight", "Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3") als Edmonds Diener Jacopo und Richard Harris ("Der Mann, den sie Pferd nannten", "Gladiator") in einer seiner letzten Rollen als Abbé Faria können sich auch die Nebendarsteller sehen lassen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist durchweg scharf und weist selbst bei unterschiedlichsten Lichtstimmungen keine Mängel auf. Auch der Ton, der sowohl in der deutschen Synchronisation als auch in der englischen Originalfassung in Dolby Digital 5.1 geliefert wird, überzeugt.

Das Bonusmaterial fällt hingegen sehr mager aus. Neben einem zwanzig-minütigen Making-of und einer Multi-Angle-Darstellung des letzten Duells bieten die Extras lediglich Darstellerinformationen, DVD-Empfehlungen und eine Trailershow. Angesichts der Tatsache, dass die DVD bei ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 2003 über wesentlich mehr Extras - darunter ein Audiokommentar des Regisseurs - verfügte, ist dies besonders ärgerlich.

Fazit:
Obwohl er mit den Klassikern des Genres nicht ganz auf Augenhöhe ist, gelingt Kevin Reynolds mit "Monte Cristo" ein passabler Abenteuerfilm in bester Hollywood-Tradition. Neben hervorragenden Darstellern kann die Literaturverfilmung vor allem durch ihre eigenwillige Ausleuchtung punkten. Trotz über zwei Stunden Laufzeit weist "Monte Cristo" keine Längen auf. Lediglich beim Bonusmaterial hätte man sich etwas mehr gewünscht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
126:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Making-of
  • Multi-Angle: Das letzte Duell aus zwei Kameraperspektiven
  • Darstellerinformationen
  • Faltblatt mit Darstellerinformationen
Monte Cristo - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Monte Cristo
The Count of Monte Cristo

Bild unseres Mitarbeiters Falk Straub
Passable Neuauflage des Dumas-Klassikers


Autor der Besprechung:
Falk Straub

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK / USA / Irland, 2002
Regie:
Kevin Reynolds
Drehbuch:
Jay Wolpert (nach dem Roman von Alexandre Dumas)
Darsteller:
James Caviezel, Guy Pearce, Richard Harris, James Frain, Dagmara Dominczyk, Luis Guzmán

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
04.11.2010