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DVD-Besprechung - Mister B52 - A bright shining lie

Story:
John Paul Vann (Bill Paxton) ist Soldat mit Leib und Seele. 1962 ist er einer der ersten US-Amerikaner in Vietnam. Als militärischer Berater hilft er der südvietnamesischen Armee unter Colonel Cao im Kampf gegen den Vietcong. Als er die Taktik seiner Vorgesetzten kritisiert, wird er aus dem Militärdienst entlassen. Doch der Krieg lässt ihn nicht los. Drei Jahre später kehrt Vann als Mitarbeiter eines zivilen Hilfsprogramms nach Vietnam zurück und macht eine eigenwillige Karriere.

Meinung zum Film:
Vielleicht hängt es mit seiner Herkunft zusammen. Der Nordire Terry George ist ein zutiefst politischer Filmemacher. Bereits in seinen ersten Drehbüchern für Regisseur Jim Sheridan („Im Namen des Vaters“, „Der Boxer“) und in seinem eigenen Spielfilmdebüt („Mütter und Söhne“) fasst George gern heiße Eisen an: die Auseinandersetzungen der britischen Regierung mit der IRA. Auch nach seinem Sprung über den großen Teich bleiben politische Filme mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn sein Markenzeichen – sei es als Drehbuchautor für „Das Tribunal“ oder als Regisseur von „Hotel Ruanda“. Bevor Terry George in der Traumfabrik Hollywood landet, dreht er fürs US-Fernsehen. Sein Vietnamkriegsfilm „Mister B52“, den er 1998 für den Bezahlsender HBO realisiert, liegt jetzt in einer Neuauflage auf DVD vor.

Filme, die sich dem großen amerikanischen Kriegstrauma widmen, gibt es zur Genüge. Ein heißes Eisen ist der Vietnamkrieg wahrlich schon lange nicht mehr. Schließlich hat sich mit dem Vietnamfilm in den vergangenen vier Jahrzehnten ein eigenes Subgenre innerhalb des Kriegsfilms herausgebildet. Gar manchem darunter wurden höchste Oscar-Weihen zuteil („Die durch die Hölle gehen“, „Platoon“). Auch thematisch scheint bereits alles verhandelt. Neben Filmen über den täglichen Kampfeinsatz, gibt es solche, die vom Schicksal der Kriegsveteranen („Coming Home – Sie kehren heim“, „Geboren am 4. Juli“) oder der vietnamesischen Zivilbevölkerung („Zwischen Himmel und Hölle“) erzählen. Obwohl Terry George in „Mister B52“ diese drei Bereiche munter miteinander verquickt, gelingt es ihm dennoch, dem Genre neue Facetten abzugewinnen. Denn „Mister B52“ setzt einerseits schon 1962 ein – zu einer Zeit, als die Amerikaner in Vietnam noch nicht offen intervenieren –, andererseits zeigt er eine Alternative auf, wie der Krieg mit humaneren Mitteln bestritten werden könnte.

Sinnbild dieses anderen Wegs ist John Paul Vann (Bill Paxton), an dessen wechselvoller Karriere sich der Film abarbeitet. Bill Paxton („Aliens – Die Rückkehr“) spielt ihn mit tiefer Entschlossenheit, aber auch recht beschränktem Mienenspiel. Der Regisseur bringt Vanns Geschichte in matten, etwas verwaschenen Farben auf den Schirm, die an bekannte TV-Formate aus der Zeit des Vietnamkriegs erinnern. Für Kriegsfilme keineswegs untypisch schneidet George immer wieder Archivaufnahmen zwischen die eigentliche Spielhandlung. An einem zur Ikone der Kriegsberichterstattung gewordenen Bild lässt Terry George seinen Protagonisten als Augenzeuge sogar selbst teilhaben: an der Selbstverbrennung des buddhistischen Mönchs Thich Quang Duc. Neben solchen Schockmomenten liefert „Mister B52“ für eine Fernsehproduktion ein hohes Maß an Kampfhandlungen. Dem Film ist hoch anzurechnen, dass er dabei größtenteils ohne Pathos auskommt. Trotz John Vanns hehren Zielen, stilisiert er seinen Protagonisten nicht zum Helden. In Person des Journalisten Steven Burnett (Donal Logue) stellt „Mister B52“ Vann stets ein moralisches Gewissen entgegen, das dessen Handlungen kritisch hinterfragt. So werden weder Vanns problematisches Verhältnis zu seiner Familie noch seine Vorliebe für minderjährige Mädchen oder die Abkehr von seinen Idealen ausgeblendet, die John Paul Vann letztlich zur titelgebenden hell scheinenden Lüge machen.

Digitale Aufarbeitung:
Am Bild gibt es nichts auszusetzen. Farben, Schärfe und Kontrast sind durchweg gut. Auch der Ton überzeugt. Sicherlich bleibt er im Vergleich zu modernen Kriegsfilmen – gerade bei Gefechtsszenen – hinter den Möglichkeiten von Dolby Digital 5.1 zurück. Dafür, dass „Mr. B52“ im Original nur in Stereo produziert und erst für die DVD in 5.1 umgewandelt wurde, bietet er aber einen erstaunlich räumlichen Klang.

Extras gibt es keine.

Fazit:
Trotz zahlreicher Vorläufer kann „Mister B52“ dem Vietnamfilm noch neue Facetten abgewinnen. Obwohl es sich lediglich um eine TV-Produktion handelt, braucht er den Vergleich mit Kinofilmen nicht scheuen. In puncto Ausstattung und Technik reicht er zwar nicht an die ganz großen Hollywood-Produktionen heran, kann mit kleineren aber locker mithalten. „Mister B52“ ist dabei erfrischend unpathetisch und reflektiert erzählt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
113:13 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
Mister B52 - A bright shining lie - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Mister B52 – A bright shining lie
A Bright Shining Lie

Bild unseres Mitarbeiters Falk Straub
Überdurchschnittliche TV-Produktion, die dem Vietnamfilm neue Facetten abgewinnt und erfrischend unpathetisch daherkommt.


Autor der Besprechung:
Falk Straub

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1998
Regie:
Terry George
Drehbuch:
Terry George
Darsteller:
Bill Paxton, Vivian Wu, Donal Logue, Amy Madigan, Eric Bogosian, Ed Lauter, Kurtwood Smith

Label Deutschland :
3L
Verkaufsstart Deutschland :
18.11.2010