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DVD-Besprechung - Ein andalusischer Hund / Das goldene Zeitalter
Story:
Ein andalusischer Hund
Eine Frau (Simone Mareuil) nimmt einen bei einem Verkehrsunfall verletzten Radfahrer (Pierre Batcheff) bei sich auf. In ihrer Wohnung häufen sich daraufhin mysteriöse Vorfälle.
Das goldene Zeitalter Bei einem Empfang auf dem Anwesen des Marquis von X (Bonaventura Ibánez) wird der Gesandte der Gesellschaft des guten Willens (Gaston Modot) so sehr von der Schönheit einer jungen Frau (Lya Lys) angezogen, dass er darüber seine eigentlichen Aufgaben vergisst. Es kommt zu Verwicklungen unterschiedlichster Art.
Meinung zum Film:
Der am 22. Februar 1900 im spanischen Dörfchen Calanda geborene Luis Buñuel zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten Regisseuren des 20. Jahrhunderts. Warum dem so ist, kann sich der interessierte Filmliebhaber mittlerweile bequem auf dem heimischen Sofa ansehen. „Ein andalusischer Hund“ (1929) und „Das goldene Zeitalter“ (1930) sind endlich auch in Deutschland auf DVD erschienen. Die beiden Filme sind aus einer Zusammenarbeit Buñuels mit dem Maler Salvador Dalí hervorgegangen, den Buñuel aus gemeinsamen Tagen an der Universität in Madrid kannte. Die Koproduktion der beiden Spanier bescherte der Filmgeschichte zwei der beeindruckendsten surrealistischen Werke, die der französische Schriftsteller André Breton gar als die „beiden einzigen vollkommen surrealistischen Filme“ bezeichnete. Auch acht Jahrzehnte nach ihrem Entstehen haben „Ein andalusischer Hund“ und „Das goldene Zeitalter“ nichts von dieser Strahlkraft eingebüßt.
Ganz im Sinne der surrealistischen écriture automatique, einem unbewussten, automatischen Schreiben, ließen Dalí und Buñuel nur diejenigen Ideen für ihre Drehbücher zu, die sich einer rationalen, psychologischen oder kulturellen Erklärung widersetzten. Eine in sich schlüssige, zielgerichtete Handlung weist folglich keiner der beiden Filme auf. Luis Buñuel geht vielmehr so vor, dass er einzelne, recht lose Handlungsstränge immer wieder durch die Montage sich ähnelnder Einstellungen miteinander verknüpft. Dadurch kommt es zu einer freien Assoziation der Bilder, die den Zuschauer unweigerlich an Träume und deren inhärente Logik erinnert. Außer der freien Liebe ist Dalí und Buñuel nichts heilig. So bleiben weder die Kirche noch das Bürgertum oder die Familie samt ihrer konservativen Doppelmoral vor dem Spott der Spanier verschont.
Neben ihren teils verstörenden, teils enigmatischen Bildern sind die Filme besonders in Bezug auf die Film- und Zeitgeschichte sehenswert. So mag die Tatsache, dass „Das goldene Zeitalter“ bis 1981 in Frankreich mit einem Aufführungsverbot belegt war, an heutigen Maßstäben gemessen überzogen erscheinen, sagt aber viel über dessen damalige Sprengkraft aus. Unübersehbar ist der Einfluss der Filme auf Regisseure der kommenden Generationen. Selbst wenn David Lynch bestreitet, je einen der beiden gesehen zu haben, sind die Parallelen zu Stellen seines Œuvres evident. Doch nicht nur für Lynch-Fans lohnt sich ein näherer Blick. Wer sich für Filmgeschichte interessiert, Salvador Dalís surrealistischen Gemälden wie etwa der „Versuchung des heiligen Antonius“ etwas abgewinnen kann oder schlichtweg auf gut gemachtes Kino steht, der wird auch von „Ein andalusischer Hund“ und „Das goldene Zeitalter“ begeistert sein.
Digitale Aufarbeitung:
Beide Filme weisen leichte Gebrauchsspuren auf. In Anbetracht ihres Alters ist das Bild aber tadellos. Auch der Ton überzeugt. Zwar ist in „Das goldene Zeitalter“ in den Sprechpausen zwischen den Dialogen ein Rauschen zu hören, dieses ist jedoch der damaligen Aufnahmetechnik geschuldet. Die Verständlichkeit der betroffenen Passagen wird dadurch nicht eingeschränkt. Die Untertitel sind deutlich lesbar, stellenweise aber fehlerhaft.
Die Extras können sich sehen lassen. Das umfangreiche Booklet mit Auszügen aus Luis Buñuels Autobiografie „Mein letzter Seufzer“ bietet Einblicke in die Entstehungsgeschichte der beiden Filme. Perfekt ergänzt wird es durch den rund eineinhalbstündigen Dokumentarfilm „A propósito de Buñuel“ (zu Deutsch: „Apropos Buñuel“), der mit zahlreichen Zeitzeugenaussagen und Archivmaterial Buñuels Leben und Werk aufschlussreich beleuchtet.
Fazit:
„Ein andalusischer Hund“ und „Das goldene Zeitalter“ sind Prototypen des surrealistischen Kinos, die jeder filmhistorisch Interessierte gesehen haben muss. Auch achtzig Jahre nach ihrem Entstehen haben die Filme nichts von ihrer Wucht verloren und ziehen mit ihren enigmatischen Traumbildern in den Bann. Eine DVD, die in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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Ein andalusischer Hund 15:13 Minuten
Das goldene Zeitalter 62:21 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Französisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Dokumentation "A propósito de Buñuel"
- zehnseitiges Booklet mit Auszügen aus Buñuels Autobiografie "Mein letzter Seufzer"
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Ein andalusischer Hund / Das goldene Zeitalter
Un chien andalou / L'âge d'or
Zwei Klassiker des surrealistischen Films, die in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollten
Autor der Besprechung:
Falk Straub
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 1929 / 1930 Regie: Luis Buñuel Drehbuch: Luis Buñuel, Salvador Dali Darsteller: Simone Mareuil, Pierre Batcheff, Gaston Modot, Lya Lys, Caridad de Laberdesque, Max Ernst, Josep Llorens Artigas
Label :
Pierrot Le Fou Verkaufsstart : 19.11.2010
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