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DVD-Besprechung - Dreist und gottesfürchtig

Story:
Die Mönche eines abgeschiedenen Trappistenordens stecken in Schwierigkeiten. Die nächste Hypothek für das Kloster wird fällig, doch das Geld ist knapp. Um die nötigen 5000 Dollar aufzutreiben, schicken sie den unschuldigen Bruder Ambrosius (Marty Feldman) vor die Klostermauern. Im sündigen Los Angeles wird Ambrosius klar, dass sich in der weltlichen Sphäre auch im Glauben alles ums Geld dreht.

Meinung zum Film:
Der Titel „Cinema Finest Collection“, den die MiG Filmgroup ihrer Reihe mit (angeblichen) Filmklassikern verpasst hat, könnte euphemistischer kaum sein, zählen doch Streifen wie „Cool as Ice“, „Die Chaotenclique“ oder „Hard to Hold“ dazu. Manchmal findet sich darunter jedoch die eine oder andere Rarität, deren Kauf sich für zeitgeschichtlich interessierte Filmliebhaber lohnt. Eine solche Rarität ist „Dreist und gottesfürchtig“. Interessant ist die Komödie alleine schon deshalb, weil sie zwei große, viel zu früh verstorbene Comedy-Talente in einem ihrer letzten Kinofilme vereint: den 1982 verstorbenen Marty Feldman in seiner zweiten und letzten Regiearbeit und Andy Kaufman, der erst 35-jährig 1984 das Zeitliche segnete. Während der gebürtige Brite mit dem markanten Blick dem deutschen Publikum durch seine Auftritte bei Mel Brooks („Frankenstein Junior“, „Silent Movie“) und seine Zusammenarbeit mit Gene Wilder („Sherlock Holmes cleverer Bruder“) bekannt sein dürfte, ist Andy Kaufman hierzulande den meisten erst seit dem Biopic „Der Mondmann“ ein Begriff.

Obwohl „Dreist und gottesfürchtig“ von der Kritik in der Luft zerrissen wurde, ist der Film besser als sein Ruf. So mag Andy Kaufmans exaltiertes Spiel auf den ersten Blick zwar gewöhnungsbedürftig wirken, zeigt bei näherer Betrachtung aber viel von dessen Humorverständnis, mit dem er in den USA berühmt wurde. Angesichts aktueller Parodiewellen („Scary Movie“, „Fantastic Movie“, „Superhero Movie“, etc.) und plumper Anarchokomödien, die versuchen, durch billige Zoten und mit dem Ausstoß aller Arten von Körperflüssigkeiten zu punkten, wirkt „Dreist und gottesfürchtig“ geradezu unschuldig. Die Hitze des sexuellen Gefechts wird hier durch raumfüllende Dampfschwaden nur angedeutet, anstatt die Kamera direkt draufzuhalten. Mit skurrilen Zweckentfremdungen von Alltagsgegenständen, erinnert „Dreist und gottesfürchtig“ nicht nur an die Anfänge der Filmkomödie, sondern an alte Brooks-Klassiker. Dies mag auf manche vielleicht altmodisch wirken, gerade daraus bezieht der Film aber seinen Charme.

An eine Brooks-Komödie reicht er trotz alledem nicht heran. Zwar ist „Dreist und gottesfürchtig“ ruhiger, in vielen Szenen viel subtiler als etwa „Spaceballs“ oder „Die verrückte Geschichte der Welt“, aufgrund dessen zündet ein Großteil der Gags aber auch nicht richtig. Die Unschuld seines Protagonisten Ambrosius und die romantisch verklärte Liebesgeschichte, die sich zwischen ihm und der Prostituierten Mary (Louise Lasser) entspinnt, machen den Film sentimental, was der Komik letztendlich zu oft im Wege steht. Auch profitorientierte Prediger wie Ambrosius’ Gegenspieler Armageddon T. Thunderbird (Andy Kaufman) wurden bereits besser durch den Kakao gezogen („Der Schein-Heilige“). Dennoch hat „Dreist und gottesfürchtig“ seine gelungenen Momente, wenn beispielsweise Gott (Richard Pryor) erst zum Christentum bekehrt werden muss oder die Kritik an der Geldgier der Kirche in einer einzigen Einstellung zum Ausdruck kommt – genau dann, wenn die Kamera einen Geldregen einfängt, der vor einem Hochhaus niedergeht, in dessen prunkvoller Glasfassade sich ein altes Gotteshaus spiegelt.

Digitale Aufarbeitung:
In Bezug auf Farben, Helligkeit und Kontrast ist das Bild seinem Alter entsprechend akzeptabel, weist jedoch leichte Abnutzungen und deutlich sichtbares Filmkorn auf. Der Ton ist in beiden Sprachversionen gut verständlich. In der deutschen Fassung verleiht der Synchronsprecher dem Mönch Ambrosius allerdings eine aufgesetzt komisch klingende Stimme. Ambrosius wirkt dadurch dümmer, als er ursprünglich intendiert war und im Original von Feldman gespielt wird. Die englische Originalversion ist der deutschen daher vorzuziehen.

An Extras gibt es lediglich eine Bildergalerie. Die DVD verfügt über ein Wendecover.

Fazit:
"Dreist und gottesfürchtig" ist sicherlich kein Klassiker der Filmkomödie, für Fans von Marty Feldman und Andy Kaufman aber allemal interessant. Angesichts immer platter wirkender, aktueller Anarchokomödien bildet "Dreist und gottesfürchtig" einen angenehmen Gegenpol, der geradezu altmodischen Charme versprüht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
93:04 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Bildergalerie mit Standfotos
Dreist und gottesfürchtig - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Dreist und gottesfürchtig
In God We Tru$t

Bild unseres Mitarbeiters Falk Straub
Geld regiert die (Kirchen-)Welt


Autor der Besprechung:
Falk Straub

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1980
Regie:
Marty Feldman
Drehbuch:
Marty Feldman, Chris Allen
Darsteller:
Marty Feldman, Louise Lasser, Peter Boyle, Andy Kaufman, Richard Pryor, Wilfrid Hyde-White, Severn Darden, Eddie Parks

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
09.12.2010